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StartseiteKalenderblattEin Happening zum Auftakt des "Summer of Love" 14.01.2017

Vor 50 JahrenEin Happening zum Auftakt des "Summer of Love"

Im Oktober 1966 wurde in Kalifornien die Droge LSD verboten. Kurze Zeit später versammelten sich mehr als 25.000 junge Leute im Golden Gate Park: Sie forderten Liebe, Freiheit, Frieden. Das erste "Human Be-In" in San Francisco war der Beginn des "Summer of Love", der nur von kurzer Dauer sein sollte.

Von Michael Kleff

"Blumenkinder" lagern 1967 auf einer Wiese in San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien und geben sich dem "Flower Power"-Feeling hin. | (picture alliance / dpa / UPI)
Hippies in San Francisco 1967 (picture alliance / dpa / UPI)
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Tausende kommen zum Happening: die Dichter Allen Ginsberg und Gary Snyder eröffnen am 14. Januar 1967 das "Human Be-In", eine Art kollektiver Bewusstseinserweiterung. Auf einer Pressekonferenz waren zuvor Haschischplätzchen an Journalisten verteilt worden. Die Organisatoren kündigen das Ereignis so an:

"Die politischen Aktivisten aus Berkeley und die Generation der Liebe aus Haight-Ashbury werden sich mit anderen Angehörigen der Neuen Nation zusammenschließen. Die Jugend wird sich beraten, gemeinsam feiern und das Zeitalter der Befreiung, der Liebe, des Friedens, des Mitgefühls und der Einheit der Menschen verkünden."

Unmittelbarer Anlass für die von dem Künstler Michael Bowen initiierte Veranstaltung war ein im Oktober 1966 in Kalifornien in Kraft getretenes Gesetz, das die Droge LSD verbot. Zu den Rednern gehörten neben Ginsberg und Snyder der Comedian Dick Gregory, der Schriftsteller Lawrence Ferlinghetti und der Aktivist Jerry Rubin. Die Musik kam von Gruppen wie Jefferson Airplane und Grateful Dead. Timothy Leary, ein von der Harvard University entlassener Psychologieprofessor, forderte die Teilnehmer des Human Be-In auf, alle Erziehungseinrichtungen zu verlassen, frei nach dem Slogan: "Turn on, tune in, drop out!" Es sollte das Motto der Gegenkultur werden.

Politische Aktivisten gegen alternative Aussteiger

Während in Oakland die Black Panther-Bewegung geboren wurde und in Berkeley der politische Protest im Mittelpunkt der Aktivitäten stand, ging es in San Francisco um einen alternativen Kultur- und Lebensstil - um die Idee von "freier Liebe" und um Drogen, von denen man sich neue Bewusstseinserfahrungen versprach.

Jerry Garcia, der 1995 gestorbene Kopf der Grateful Dead, formulierte das Anliegen der Haight-Ashbury-Szene damals so:

"Uns geht es um einen friedlichen Planeten. Um nichts anderes. Es hat nichts mit Macht oder ähnlichen Kämpfen zu tun. Auch nichts mit Revolution oder Krieg. Wir wollen einfach nur ein freies, ein einfaches, ein gutes Leben haben. Und wir wollen die menschliche Rasse ein Stück voranbringen."

Die Abkehr von der konservativen, etablierten Gesellschaft mit ihrer Doppelmoral, die Ablehnung des Vietnamkriegs und auch die Musik - das alles verband die Haight Ashbury Counterculture mit der studentischen Protestbewegung. Dennoch kam es nicht zu dem propagierten Zusammenschluss der beiden Szenen, sagt Tom Luddy. Der Filmemacher und Mitbegründer des Telluride Filmfestivals war in den Sechzigerjahren als Student in der Szene von Berkeley engagiert und äußerte sich kritisch:

"Das Verhalten der Hippies empfanden wir als Rückzug von der von uns gewollten Revolution - nur um eines egoistischen Genusses willen. Es gab Bezüge, aber nie eine tiefe Verbindung zwischen der politischen Linken und der Counterculture. Viele meiner Freunde wollten nicht akzeptieren, dass man sich einfach ausklingt und nur noch an sich denkt."

Die kurze Blüte von Flower-Power

Im Oktober 1967, nur wenige Monate nach dem Human Be-In und kurz nachdem Scott McKenzie mit "San Francisco" die Hitparaden erobert hatte, trug man die Flower-Power-Bewegung symbolisch mit einem festlichen Umzug schon wieder zu Grabe. Enttäuscht davon, dass ihr Lebensstil und ihre Ideale vermarktet wurden, verließen einige der wichtigsten Hippie-Protagonisten die Stadt. Und während 1968 die Studentenproteste weltweit ihren Höhepunkt erreichten, hatten sie in den USA bereits ihre soziale und kulturelle Dynamik verloren. "So etwas lässt sich nur schwer wiederholen. Die Machthaber haben alles mehr unter Kontrolle. Und die Menschen sind viel angepasster", sagte Lowell Levinger, damals Mitglied der Youngbloods, einer der Gruppen, die den Soundtrack für den "Summer of Love" geschrieben hatten. Für ihn war der Geist jener Zeit da schon lange nicht mehr lebendig.

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