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StartseiteForschung aktuellWeckruf nach Washington23.06.2006

Weckruf nach Washington

Kritik an Klimapolitik der US-Regierung schwillt an

Umwelt. – Der Wirbelsturm Katrina, der 2005 New Orleans verwüstete hat offenbar auch in der inneramerikanischen Debatte über den Klimawandel einiges durcheinandergewirbelt. Die Stimmen nehmen zu, den Wandel wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Jetzt erschienen eine wissenschaftliche Studie zur Häufigkeit der Wirbelstürme und ein Bericht der US-Akademie der Wissenschaften für das amerikanische Parlament. Der Journalist Volker Mrasek erläutert sie im Gespräch mit Grit Kienzlen.

Katrina hatte nicht nur für New Orleans einschneidende Auswirkungen. (AP)
Katrina hatte nicht nur für New Orleans einschneidende Auswirkungen. (AP)

Kienzlen: Herr Mrasek, was sagen die US-Forscher in den beiden Untersuchungen?

Mrasek: Ja, die erste Untersuchung, die sich mit den Hurricanes beschäftigt, da ist uns noch in Erinnerung, dass wir letztes Jahre eine Rekordsaison hatten mit 28 tropischen Stürmen und Hurricanes im tropischen Atlantik, davon sogar drei in der höchsten Kategorie 5. Jetzt gibt es Forscher vom nationalen Atmosphärenforschungszentrum in Boulder in den USA, die kommen zu dem Schluss, dass daran im wesentlichen die Klimaerwärmung Schuld war. Und hier in Form eines wesentlich wärmeren tropischen Atlantiks, das ist die Hurricane-Küche, könnte man sagen. Die Temperaturen waren im letzten Jahr fast ein Grad über dem langjährigen Mittel. Und das sei nur zu erklären mit dem Klimawandel. Das ist also Inhalt der ersten Studie. Die zweite ist weniger eine Studie als ein Bericht der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA, und darin heißt es, dass die Erwärmung der letzten Jahrzehnte, die die Erde erlebt hat, stärker war als jemals vorher in den letzten 400 Jahren, wenn nicht gar in den letzten 1000 Jahren. Und dafür sei verantwortlich größtenteils der Mensch, dadurch dass er zusätzliche Treibhausgase in die Erdatmosphäre reinbläst. Das ist eigentlich für einen aufgeklärten Europäer, also für die Alte Welt, nichts neues. Aber interessant an diesem Bericht ist, dass er vom US-Kongress angefordert wurde und jetzt auch dem US-Kongress vorliegt. Das ist also ein Bericht für die Politiker in Washington und da ist ja die konservative Regierung von George W. Bush am Ruder, und die ist bekanntlich ein Kritiker des Kyoto-Protokolls, hat es nicht unterzeichnet und will den gemeinsamen Klimaschutzanstrengungen nicht so folgen und hält nicht so sehr viel von aktivem Klimaschutz.

Kienzlen: Die US-Bürger müssen also verstärkt mit solchen tropischen Wirbelstürmen rechnen. Warum war denn der Zusammenhang zwischen dem Klima und den Stürmen, der da jetzt aufgezeigt wird, umstritten?

Mrasek: Es gab eine Diskussion darüber, ob es sich um eine natürliche Temperaturschwankung im Atlantik handeln könnte, oder ob es eine Folge der Klimaerwärmung ist. Tatsächlich ist es so, dass man im Atlantik so genannte Oszillationen hat. Das sind Veränderungen auf Zeitskalen von Jahrzehnten, außerdem weiß man, dass es den Einfluss des El Nino gibt in den Tropen, und tatsächlich hat man auch Phasen in der Vergangenheit gehabt, Jahre, wo die Hurricane-Aktivität gesteigert war, und Jahre, wo sie geringer war. Aber in der neuen Studie, das letzte Jahr war ja wirklich außerordentlich, kommen die Autoren zum Schluss plus 0,9 Grad Celsius, die Veränderung, diese ungewöhnliche in 2005, das geht nicht mehr mit rechten Dingen zu, dahinter steckt die Klimaerwärmung und man weiß ja auch, dass die Klimaerwärmung dafür sorgt, dass die Meerestemperaturen sich erhöhen.

Kienzlen: Deutet sich denn an dass Katrina und die anderen Stürme ein Umdenken in Amerika herbeiführen?

Mrasek: Grundsätzlich kann man dazu vielleicht sagen, dass es vorher schon Ansätze auf regionaler Ebene, so könnte man es vielleicht sagen, gegeben hat, nicht unbedingt in Washington, bei der Bundesregierung, aber auf der Ebene der Bundesstaaten oder auf der Ebene der Kommunen. Man kann da vielleicht Beispiele nennen für Bundesstaaten: Es hat da eine Initiative gegeben oder gibt sie noch von neun Bundesstaaten im Nordosten der USA, das ist so Neuengland diese Region, die eine Initiative gestartet haben, um regional einen Emissionshandel einzuführen, wie wir ihn in Europa mittlerweile haben. Also da will man diesem Modell folgen. Es gibt auf kommunaler Ebene eine ganz interessante Entwicklung, da ist eine Klimaschutzvereinbarung von US-Bürgermeistern zustande gekommen. Da sind mittlerweile fast 250 Großstädte und kleinere Städte vereint in dem Ziel, anders als die Bundesregierung doch den Kyoto-Zielen zu folgen. Sie sagen, man muss mehr Klimaschutz machen, was Washington da tut, finden wir nicht so gut, und man will auf kommunaler Ebene da tatsächlich eine aktive Klimaschutzpolitik betreiben, und das sind immerhin Bürgermeister, die repräsentieren rund 45 Millionen US-Einwohner.

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