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Weggespült und versickert

Tsunami-Spendengelder unauffindbar

Von Martin Kissel

Indonesien: Überschwemmtes Land nach der Flutwelle im Dezember 2004.
Indonesien: Überschwemmtes Land nach der Flutwelle im Dezember 2004. (AP)

680 Millionen Euro haben die Deutschen nach dem Tsunami im Dezember 2004 gespendet. Viele direkt an "Bild hilft – Ein Herz für Kinder". Diese Aktion wiederum hat dem Hamburger Verein "FIG-Indonesia" zwei Millionen Euro überlassen. Doch jetzt muss sich "Bild hilft – Ein Herz für Kinder" fragen lassen, ob sie genügend Sorgfalt bei dieser Entscheidung walten ließ.

Anfang Juni 2005 warnt ein Architekt aus Basel, Peter Hedrich, "Bild hilft – Ein Herz für Kinder". Bei der FIG-Indonesia sei eine "finanzielle Transparenz" nicht gewährleistet. Er selbst habe aus diesem Grund nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden des Vereins, Yves Dantin, bereits im März 2005 die Zusammenarbeit aufgekündigt. Auf seine Warnung erhält Hedrich vier Wochen später eine Antwort.

"Bild hilft hat mich eines Abends angerufen und mir gesagt, dass also die Aussage, dass er zwei Millionen bekommen hätte, falsch sei."

Was Hedrich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Das Gegenteil ist richtig. Von "Bild hilft – Ein Herz für Kinder" sind an den Verein FIG-Indonesia bereits im Februar 2005 tatsächlich zwei Millionen Euro geflossen.

Zwischenzeitlich hat Hedrich Dantin auf der indonesischen Insel Pulau Weh im Norden Sumatras getroffen. Dantin habe sogar damit geprahlt, die zwei Millionen Euro erhalten zu haben. Und, dass er damit tun könne was er wolle. Das sagt Architekt Hedrich.

"Es hieß dann nur, ich bin die Bank, das Geld gehört mir, und wer was von mir will, der beißt auf Granit."

Nach diesem Zusammentreffen mit Dantin wendet sich Peter Hedrich erneut an "Ein Herz für Kinder" in Hamburg. Hedrich macht in einer weiteren E-Mail unmissverständlich klar: Bei Yves Dantin handele es sich um einen Dilettanten.

"Er hat fachlich keine Ahnung, das kann ich als Architekt behaupten. Er konnte kein indonesisch, obwohl er gesagt hat und auch auf seiner Website schreibt, dass er jahrelang
in Indonesien gelebt hat. Er spricht sehr schlecht englisch, und man merkt es aus dem ganzen Ausdruck heraus, dass das eine durchgeknallte Existenz ist, anders kann ich das nicht sagen."

Doch die Bildzeitung in Hamburg sieht offensichtlich keinen Handlungsbedarf. Die Antwort von "Ein Herz für Kinder" auf Hedrichs erneute Warnung hin hat ihn erstaunt:

"Es gab Aussagen von Bild hilft, dass sie schon professionell wüssten wie man so was angeht, ja, aber sie wären für meinen Hinweis sehr dankbar und werden dem nachgehen."

Das Engagement des Basler Architekten gegen Yves Dantin und die FIG-Indonesia hat einen triftigen Grund. Hedrich sieht sich in der Pflicht. Seit 1997 nun schon wohnt er mehrere Monate im Jahr in Indonesien - und er will nach dem Tsunami helfen. Dabei gerät er an die FIG und gewinnt schnell den Eindruck, dass es sich hierbei um eine Ein-Mann-Show des Vorsitzenden Dantin handelt: Dantin, den er für völlig inkompetent hält. Hedrich ist es ein Rätsel, warum "Ein Herz für Kinder" nicht auf seine Warnungen reagiert und diesem Mann zwei Millionen Euro Spendengelder überlässt. Er will eine Antwort und fährt nach seiner Rückkehr von Indonesien nach Hamburg zur Bildzeitung.

"Und in einem zweiten Gespräch, wo ich in Hamburg war dann auch später, da hat es dann geheißen, es wären nur Peanuts geflossen."

Auch die Hamburger Filmemacherin Inge Altemeier hat die Bildzeitung frühzeitig vor Dantin und der FIG gewarnt. Sie ist im September 2005 zu Filmaufnahmen über Tsunami-Spendengelder in Indonesien. Altemeier unterrichtet die Bildzeitung ebenfalls über ihre Recherchen.

In Hamburg bewegt sich jetzt zum ersten Mal etwas in Sachen FIG-Indonesia.

"Seitdem wir also Belege haben und seitdem wir auch mehr über sein Vorleben wissen, seitdem wir wissen, dass er völlig unerfahren ist, was Entwicklungshilfe betrifft, versucht die Bildzeitung auch die Gelder zurückzubekommen."

Im Januar 2006 – ein Jahr nach dem Tsunami - scheint auch die Bildzeitung zu der Erkenntnis gelangt: die Spendengelder werden nicht korrekt eingesetzt.

Bild schickt seinen Reporter Jürgen Damsch nach Indonesien. Er soll überprüfen, was Dantin mit dem Geld macht. Was er berichtet, bringt die Bildzeitung in Erklärungsnot: Die Informationen werden nicht veröffentlicht.

Der Mann, dem "Ein Herz für Kinder" zwei Millionen Euro Spendengelder überlassen hat, nennt sich zwar Yves Dantin, heißt mit bürgerlichem Namen jedoch Jürgen Klaus Biesenbach.

Obwohl er bis Oktober 2005 Hartz IV-Empfänger ist, hält er sich nach dem Tsunami im Dezember 2004 hauptsächlich in Indonesien auf. Dort verspricht er, mit den Spendengeldern Häuser, Boote und Wasseraufbereitungsanlagen bauen zu lassen.

Doch bis Februar 2006 kann der Basler Architekt Peter Hedrich lediglich feststellen, dass nur ein einziges Haus im Wert von 5.000 Euro fertiggestellt ist.

Drei Monate später, Mitte Mai, erstattet die Bildzeitung Anzeige gegen Dantin wegen des Verdachts auf Spendenbetrug.

Die Hamburger Filmemacherin Inge Altemeier hat Yves Dantin alias Jürgen Klaus Biesenbach im September 2005 in Indonesien vor die Kamera bekommen. In ihrem Film hat sie gezeigt, wohin die Tsunami-Spendengelder nicht geflossen sind. Dafür hat sie Dantin auf der Insel Pulau Weh angetroffen. Für indonesische Verhältnisse lebt er sehr luxuriös in einer Villa - sagt Inge Altemeier.

"Also, Dantin zusammen mit seiner Geliebten und Mitarbeiterin Verena lebt in dieser Villa und geht zu irgendwelchen Treffen und verspricht unheimlich viel was er macht. Ansonsten lebt er dort ein sehr ruhiges Leben in einem wunderschönen Haus."

Dantin hat keinerlei Erfahrung mit Entwicklungshilfe. Er gibt an, die FIG-Indonesia 2001 gegründet zu haben. Das Protokoll der Gründungsversammlung trägt hingegen das Datum 11. Oktober 2003. Aber er selbst scheint sich sicher, dass er in Indonesien unbedingt gebraucht werde.

"Weshalb werde ich hier gebraucht? Ein bisschen um, um Super-Supervising zu machen, um unser Personal auch darauf zu bringen, welchen Qualitätsanspruch wir haben."

Die Qualität der FIG-Projekte hat Peter Hedrich in einer Fotodokumentation festgehalten. Erst Anfang des Jahres 2006 beginnt die FIG mit dem Bau mehrerer Häuser. Die Bauausführung nennt Architekt Hedrich mangelhaft. 490 Häuser wollte Dantin nach dem Tsunami 2004 eigentlich bauen.

Ein weiteres Projekt der FIG sind Boote für die betroffenen Fischer. Über deren Qualität sagt Dantin:

"Es ist also mit keinem Boot irgend ein Defekt. Wir haben die meisten, wir haben rund 120 Boote gebaut, das heißt, der größte Bedarf auf der Insel ist gedeckt. Weitere Boote werden eigentlich nicht mehr gebaut."

Zu einem völlig anderen Ergebnis soll nach Aussage Hedrichs die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO gekommen sein. Deren Experte Robert Lee habe Hedrich gegenüber geäußert, die Boote seien nichts anderes als "schwimmende Särge". Auch dem Auswärtigen Amt sei dieses vernichtende Urteil bekannt. Hedrich ist bereit, dies an Eides statt zu versichern.

Dantin sieht die Sache weniger dramatisch.

"Das war ein Kommunikationsfehler von unserem sogenannten Bootsspezialisten, dass er, etwas falsch übertragen hat."

Um welchen Kommunikationsfehler es sich handelt, kann Dantin nicht sagen. Aber nur zwei von 120 Booten hätten nachgearbeitet werden müssen, sagt er.

Der indonesische Anwalt Bambang Antariksa, ein Spezialist in Sachen Korruptionsbekämpfung, zählt keine 120, sondern nur 55 Boote. Und auch er bestätigt in seinem Untersuchungsbericht für die Wiederaufbaubehörde, dass alle Boote von sehr schlechter Qualität seien.

Die Schulneubauten, mit denen Dantin in Internetforen wirbt, werden nicht von seinem Verein FIG durchgeführt. Das gibt Dantin sogar im Fernsehinterview mit Inge Altemeier zu.

Eine Wasseraufbereitungsanlage ist 14 Monate nach dem Tsunami immer noch nicht funktionsfähig.

Wieviel Spendengelder er wofür einsetzt, kann Dantin nicht lückenlos belegen. Seine Begründung, warum er das Geld den Menschen vor Ort nicht direkt zukommen lässt:

"Dazu muss man die Mentalität ein wenig kennen. Ich lebe also schon lange in Indonesien oder habe lange in Indonesien gelebt, und was wir auch hier wieder feststellen, wenn Sie den Menschen das Geld direkt geben: Es wird verwendet für andere Dinge. Ein neues Mofa ist wichtiger als ein Haus oder viele, viele andere Dinge. Es ist einfach zu riskant."


Die Insel Pulau Weh ist bei weitem nicht so sehr vom Tsunami betroffen wie andere Regionen. Warum hat sich Yves Dantin für Pulau Weh interessiert, einen Ort, den er vor dem Tsunami überhaupt nicht kannte?

"Ich hab vor Jahren mal einen Fernsehbericht gesehen, und da ging es einfach um die Schönheit der Insel, und ich lebte zu der Zeit schon in Indonesien, und es war einfach für mich so mal der Gedanke, ach, da möcht' ich irgendwann mal hin."

Weil Dantin bis Oktober 2005 in Deutschland Leistungen nach Hartz-IV bezieht, hätte er seinen Auslandsaufenthalt den Sozialbehörden melden müssen.

"Ich bin meist an mehreren Stellen: Ich bin auf Bali, bin auf Java, bin auf Sulavesi, also mehr der Reisende, aber auch viel auf Bali."

Yves Dantin alias Jürgen Klaus Biesenbach kann oder will den Verbleib der ihm anvertrauten Spendengelder bisher nicht nachweisen. Genau 8.793,80 Euro habe die FIG von 2003 an bis heute eingenommen, erklärt Dantin den Vereinsmitgliedern der FIG schriftlich.

Er erwähnt weder die zwei Millionen Euro Spendengelder von "Bild hilft – Ein Herz für Kinder" noch die rund 280.000 Euro Privatspenden, die durch die gemeinnützige GmbH InWEnt vermittelt wurden. Auch über den Verbleib der Gelder von InWent hat Yves Dantin bisher nicht ausreichend Rechenschaft abgelegt.

Hauptgesellschafter der gemeinnützigen InWent ist die Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Tsunami soll InWEnt Privatspenden an Projekte in den betroffenen Gebieten vermitteln. Etliche Spender wissen unmittelbar nach dem Tsunami nicht, wem sie spenden können. Deshalb wenden sie sich an das Auswärtige Amt. Dort werden sie an InWEnt in Bonn weitergeleitet.

Bei InWEnt ist Michael Gräf der verantwortliche Leiter für die Projekte der FIG-Indonesia.

"Die Spender haben sich deswegen an uns gewandt, weil sie genauer wissen wollten: Was wird denn jetzt mit dem Geld wieder aufgebaut?"

Von InWEnt erfahren die Spender, dass die FIG mit Erfolg Häuser, Boote, Schulen und Wasseraufbereitungsanlagen bauen lässt.

Vor Ort zeigt sich Experten allerdings ein ganz anderes Bild. Der Basler Architekt Peter Hedrich dokumentiert mit Fotos, wie mangelhaft die Bauten ausgeführt sind und hält die von der FIG angegebenen Kosten für viel zu hoch. Die Spender indes haben sich auf die Aussagen von InWEnt verlassen. Ob sie sich vielleicht besser nicht auf InWEnt verlassen hätten, dieser Frage weicht Projektleiter Michael Gräf aus.

"Verlassen ist ein schwieriges Wort dabei."

Spätestens seit Anfang Juni 2005 hätte InWEnt konkret über die Vorwürfe gegen Dantin und die FIG Bescheid wissen müssen, sagt Architekt Hedrich. Auch er lebt mehrere Monate im Jahr in Indonesien. Hedrich warnt auch InWEnt in mehreren Emails ausführlich vor der FIG-Indonesia. Für Michael Gräf sind die Hinweise auf Unregelmäßigkeiten aber offensichtlich kein Grund zur Aufregung.

"Nachdem wir festgestellt haben, dass es da Berichte darüber gibt, dass nicht alles ganz so läuft wie es laufen sollte, sind wir mit der Außenstelle in Indonesien dahingehend in Kontakt getreten, dass sie ein Auge darauf haben, was geschieht denn genau vor Ort."

Nach den Ausführungen von InWEnt hat es zuvor keine Überprüfung der FIG-Indonesia gegeben.

Unter den Spendern, die InWEnt an die FIG vermittelt hat, ist die Friedrich-Harkort-Schule in Herdecke mit 60.000 Euro und der Landkreis Sächsische Schweiz mit 80.000. Beiden hat InWent mehrfach versichert, dass mit der FIG alles in Ordnung sei. Beide Spender begnügen sich mit den Aussagen von InWEnt und sehen keinen Grund, daran zu zweifeln.

Ob ihnen die seit langem angemahnten Belege der FIG-Indonesia über die Verwendung der Spenden inzwischen zugegangen sind, diese Frage wollen sie nicht beantworten. Und überhaupt wollen sich beide zu diesem Fall grundsätzlich nicht mehr äußern. InWEnt-Mann Gräf betont weiterhin, das Auswärtige Amt habe vor Ort die Projekte der FIG überprüft und keine Beanstandung festgestellt.

"Das sind die Kollegen, mit denen wir zusammenarbeiten und die können das natürlich sehr viel besser als wir von hier aus."

Auf Anfrage bestätigt das Auswärtige Amt in Berlin, bei den Projekten der FIG ein "enges Monitoring" durchzuführen. Einem Ermittler der Hamburger Polizei gibt das Auswärtige Amt indes zu Protokoll, dass es selbst keine Überprüfungen vor Ort durchführe, das mache InWEnt.

Auf diesen Widerspruch hingewiesen, hat das Auswärtige Amt inzwischen schriftlich erklärt, dass es keine Überprüfung der FIG-Projekte gegeben habe und gibt. Lediglich der Projektverlauf werde beobachtet.

InWEnt wiederum weist jede Verantwortung von sich. Man habe nicht den Auftrag, die Empfänger der Spenden zu überprüfen, das müssten die Spender selbst tun, so Gräf.

"Wir sind keine Ermittlungsbehörde."

Dennoch fliegt Projektleiter Gräf im August 2005 nach Indonesien, um sich, wie er sagt, die Sache mal selbst anzuschauen. Er schaut an, prüft aber nicht, ob die Boote, die Dantin gebaut haben soll auch tatsächlich existieren.

"Wir sind da weiterhin dabei in Kontakt mit der Außenstelle des Auswärtigen Amtes nachzuvollziehen, wieviel Boote sind nun tatsächlich beschafft worden und übergeben worden. Auch dieser Vorgang ist noch nicht abgeschlossen."

Belege über die tatsächliche Verwendung der Spendengelder bekommt Gräf vor Ort nicht zu sehen. Auch nicht in den acht Monaten nach seiner Visite.

"Wir haben ja angefordert von FIG-Indonesia Informationen darüber, über den Projektfortschritt, das ist aber noch nicht abgeschlossen."

Ohne nennenswerte Ergebnisse kommt Projektleiter Gräf im August 2005 aus Indonesien zurück, um im April 2006 erneut zu erklären:

"Wir sind weiterhin dabei, uns drum zu kümmern: sind die Projekte durchgeführt, werden sie durchgeführt, werden sie ordnungsgemäß durchgeführt nach den Möglichkeiten, die vor Ort bestehen? Und das ist noch nicht abgeschlossen."

Obwohl nach Aussage von InWEnt mit der FIG-Indonesia alles in Ordnung ist, fliegen im Mai erneut zwei Mitarbeiter von InWEnt nach Indonesien, um sich die Projekte der FIG anzusehen. Das Ergebnis veröffentlicht InWEnt im Internet. Dort heißt es wörtlich:

Zitator: "Vermittelt wurden unter anderem Projekte zum Wiederaufbau von Schulen. Lokale Fischer erhielten neue Boote und Pumpensysteme zur Trinkwasserversorgung wurden bereitgestellt. Frühzeitige und mehrere Kontrollen auch durch Mitarbeiter von InWEnt haben bislang keine stichhaltigen Hinweise für Veruntreuung der im Rahmen der Partnerschaftsinitiative vermittelten Spenden ergeben. Dennoch hat die Servicestelle den Spendern für FIG-Projekte wiederholt empfohlen, beim Verein Verwendungsnachweise über den Einsatz der zur Verfügung gestellten Mittel anzufordern und sich regelmäßig über den Projektverlauf zu informieren. Seit Juni 2005 hat die Servicestelle keine weiteren Projekte der FIG-Indonesia an Spender aus Deutschland vermittelt."

Einige Mitglieder des Vereins vertrauen den bisherigen Aussagen von InWEnt nicht. Sie haben Strafanzeige wegen Betrugs gegen den Vorstand der FIG, Yves Dantin, gestellt.

Unter ihnen ist die ehemalige Regionalleiterin Hessen der FIG, Sandra Sladek aus Frankfurt. Drei Jahre lang war sie im Verein aktiv. Am 20. Januar 2006 erstattet sie gegen Dantin Anzeige wegen Verdachts auf Spendenbetrug. Der Vorsitzende Yves Dantin weigert sich, den Mitgliedern des Vereins vollständige Geschäftsberichte und Belege vorzulegen, berichtet Sandra Sladek.

Der Freiburger Anwalt Dr. David Einhaus vertritt Sandra Sladek.

"Mich wundert insbesondere, dass andere Vereinsmitglieder oder Verantwortliche bislang nicht vernommen wurden oder auch Rechtshilfeersuchen nicht eingeleitet wurden."
Ob jetzt doch noch ein Rechtshilfeersuchen gestellt wird, will der Sprecher der Staatsanwaltschaften nicht beantworten. Er verweist darauf, dass sonst die Ermittlungen gefährdet seien.

Andererseits hätten die indonesischen Behörden bereits versucht, beim Vereins-Registeramt in Hamburg Informationen über die FIG zu bekommen, sagt Sandra Sladek.

Auch von der Finanzbehörden wollen die Indonesier Auskunft über die FIG-Indonesia, bekommen sie aber nicht. Steuergeheimnis, so die Begründung. Den Vorwurf, die deutschen Behörden hätten lustlos und zu wenig ermittelt, will der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg nicht gelten lassen.

Der Freiburger Anwalt David Einhaus hingegen sieht sehr wohl Versäumnisse.

"Die Ermittlungsbehörden beschränken sich auf telefonische Vernehmungen, laden aber weder vor noch gehen sie Hinweisen in der notwendigen Tiefe nach."

Hinweise auf Verdacht des Spendenbetruges gäbe es seit einem Jahr reichlich. Man habe sie nur nicht ernst genommen, so Anwalt Einhaus. Jetzt will er die Ermittlungen forcieren.

"Wir werden im Namen unserer Mandantin auf die Vorladung und Vernehmung der weiteren Vereinsmitglieder drängen, insbesondere sollte aber auch der Verdächtigte schnell vorgeladen werden. Ferner muss man unbedingt im Wege von Rechtshilfeersuchen nachforschen, wo die Gelder verblieben sind und ob die Spenden entsprechend der Ankündigung auch verwandt wurden."

Erst aufgrund der Strafanzeige durch die Bildzeitung im Mai dieses Jahres hat die Staatsanwaltschaft Hamburg die Ermittlungen gegen Dantin wieder aufgenommen. Die Anwälte der Bildzeitung wollen die zwei Millionen Euro zurück haben. Das dürfte äußerst schwierig werden, wenn es stimmt, was die stellvertretende Bild-Chefin Marion Horn mehrfach geäußert hat:

...dass die zwei Millionen Euro an die FIG als Schenkung ausgesprochen wurden.

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