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StartseiteUmwelt und VerbraucherWenn Rotoren-Geräusche krank machen23.08.2013

Wenn Rotoren-Geräusche krank machen

Psychologen untersuchen Lärmbelastung durch Windräder

Nicht nur optisch haben viele Menschen ein Problem mit Windparks: Anwohner klagen über den Lärm, den die Rotoren verursachen. Eine Studie hat jetzt Auswirkungen des Lärms auf die Gesundheit untersucht. Nur zehn Prozent der Befragten hatten Beschwerden, dafür aber häufig starke.

Von Christoph Kersting

90 Prozent der Befragten gaben an, keine gesundheitlichen Beschwerden zu haben. (AP)
90 Prozent der Befragten gaben an, keine gesundheitlichen Beschwerden zu haben. (AP)

"Man sieht ja jetzt ganz deutlich, dass es eher windstill ist, und das ist eher selten hier bei uns, Wind herrscht eigentlich immer vor. Und diese Rotoren drehen sich mal schneller, mal weniger schnell. Und gerade wenn es keine weiteren Geräusche gibt, und das ist ja eher nachts der Fall, nachts ist es eben stiller, dann hört man das sehr wohl. Und das ist ein Geräusch, wie wenn ein Wäschetrockner ständig rumpelt, aber nie aufhört. Es ist noch anders als Flugzeuglärm: Wenn ein Flugzeug kommt, geht’s vorbei, dies geht nicht vorbei, und bei geöffnetem Fenster zu schlafen, ist dann schlicht unmöglich, geht nicht."

Hanna Schulz steht im Garten ihrer urigen Bauernkate in Wilstedt, nordöstlich von Bremen. Hinter hohen Sträuchern und Obstbäumen sind immer mal wieder die riesigen Rotoren zu sehen, die sich heute nur langsam im Wind drehen. Der Windpark in rund eineinhalb Kilometer Entfernung wurde 2005 in Betrieb genommen. Hanna Schulz engagierte sich in einer Bürgerinitiative, um den Bau zu verhindern - erfolglos. Sie sei keine Windkraftgegnerin, betont sie. Aber der Standort sei einfach falsch gewählt, weil der Windpark im Westen von Wilstedt steht, und ...

"... weil unser Ort, wie alle hier in Norddeutschland, Westwetter hat, und der Wind eben auch aus Westen kommt."

Die meisten Menschen in Wilstedt sind grundsätzlich pro Windkraft - das betont auch Johannes Pohl von der Uni Halle-Wittenberg. Der Umweltpsychologe hat gemeinsam mit seiner Kollegin Gundula Hübner in einer Pilotstudie vor Ort untersucht, wie sich die Geräusche von Windkraftanlagen auf die Gesundheit der Anwohner auswirken.

"Bei den Personen, die wir befragt haben, war es so, dass 90 Prozent keine gesundheitlichen Beschwerden angegeben haben. Aber es gab eine Minderheit von zehn Prozent, die wir als stark belästigt bezeichnen, und die eben körperliche und psychische Beschwerden angegeben hat: dass hier das Einschlafen erschwert ist mindestens einmal pro Woche, dass der Schlaf weniger tief war, oder dass es am nächsten Tag zu negativer Stimmung kam oder zu seelischem Unwohlsein."

Zehn Prozent der Befragten klagen über gesundheitliche Probleme, bis hin zu Atemproblemen und Herzrasen im Extremfall. Hinzu kommen weitere 25 Prozent, die sich wie Anwohnerin Hanna Schulz zwar belästigt fühlen durch die Windradgeräusche - dies jedoch ohne spürbare gesundheitliche Auswirkungen.

212 Studienteilnehmer beantworteten 2012 insgesamt 450 Fragen: Werden die Geräusche überhaupt als störend empfunden? Wie genau äußert sich die Belästigung? Zu welchen Tageszeiten und unter welchen Windbedingungen werden die Geräusche besonders stark wahrgenommen? Zusätzlich konnten die Studienteilnehmer immer dann Audio-Aufnahmen machen, wenn störende Geräusche auftraten. Die Aufnahmen wertete anschließend das Deutsche Windenergie-Institut aus.

"Und diese Geräuschmuster weisen auf etwas Besonderes hin, wir bezeichnen das als Wummern oder Rauschen, und die schwanken in ihrer Intensität, und das verursacht, dass wir aufmerksam werden und wir immer wissen wollen: Was ist da gerade los?"

Ähnlich wie bei einem tropfenden Wasserhahn. Die detaillierte Befragung von Anwohnern gestützt durch Geräusch-Auswertung jedenfalls hat laut den Studienverfassern Pilotcharakter, das bestätigt auch das Umweltbundesamt. Neben statistischen Daten gibt es aber auch schon ein praktisches Ergebnis der Studie: In den kommenden sechs Monaten lässt der Windparkbetreiber WPD seine Anlage in einem geänderten Betriebsmodus laufen - Johannes Pohl:

"Zwischen etwa 21 Uhr und morgens 1 Uhr wird ein anderer Modus gefahren, das bedeutet, hier werden die Rotorblätter in einen anderen Winkel gestellt, sodass hier die Luft anders anströmt, und da wollen wir schauen, ob das die störenden Geräusche vermindert."

Anfang 2014 dann werden die Anwohner erneut befragt, ob die Windräder so tatsächlich weniger Lärm machen.

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