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StartseiteMarkt und MedienWirbel um rbb-Radio-Moderator12.11.2011

Wirbel um rbb-Radio-Moderator

Der Publizist Henryk M. Broder wirft Ken Jebsen Antisemitismus vor

Der Vorwurf des Antisemitismus wiegt schwer, und so reagierte der rbb in dieser Woche auf eine entsprechende Kritik von Henryk M. Broder am Moderator Ken Jebsen mit der Absetzung von dessen Sendung KenFM. Am Sonntag wird sie nun doch wieder laufen. Politische Einlassungen muss Ken Jebsen vor der Sendung der Chefredaktion vorlegen.

Von Christoph Richter

rbb hat auf Antisemitismusvorwürfe reagiert.
rbb hat auf Antisemitismusvorwürfe reagiert.

"Ich stelle klar: Ich bin vielleicht irre, aber kein Antisemit. Dies zeigen meine zahlreichen – bei Radio Fritz und auf youtube veröffentlichten Beiträge."

So Ken Jebsen, zu den Antisemitismus-Vorwürfen des Publizisten Henryk M. Broder. Seit zehn Jahren moderiert der streitbare Moderator Jebsen die selbst produzierte Radioshow KenFM im rbb-Jugendradio FRITZ. Manche bezeichnen ihn als Schnellredner, der zu allem etwas zu sagen habe, das aber nicht immer von intellektueller Schärfe zeuge. Hier ein Sendeausschnitt.

"…happy birthday Terrorlüge. Wenn man sich heute, 10 Jahre nach dem warmen Abriss des World Trade Centers noch einmal die Berichterstattung ansieht….."

…..an dieser Stelle macht der 45-jährige rbb Moderator Ken Jebsen nun die Amerikaner für den 11. September verantwortlich und verliert sich in Verschwörungstheorien.

"Wenn Sie mich fragen, es war für mich auch unerträglich, mir das anzuhören, und mitzubekommen, dass das in unserem Programm, im rbb gelaufen ist."

Gesteht unumwunden rbb Programmdirektorin Claudia Nothelle. Und bilanziert strukturelle Probleme innerhalb der rbb-Jugendwelle FRITZ, die über einen längeren Zeitraum verachtende Stammtisch-Parolen zum Besten gegeben hat. Einlassungen, die den Publizisten Henryk M. Broder erzürnen. In Moderator Ken Jebsen sieht er einen lupenreinen Antisemiten.

"Für mich ist er einer. Wenn einer sagt von Palästinensern, die von den Israelis entlassen wurden, nur eins bis höchstens zwei hätten Blut an den Händen, dann ist das eindeutig eine Falsch-Information. Er möchte ein palästinensisches Yad Vashem haben, wo an die Verbrechen der Israelis erinnert wird, und damit zieht er eine Parallele zwischen dem Israel von heute und den Nazis gestern. Dann ist das für mich Antisemitismus."

Broder betont, er wolle auf den Israel-Hass, den Anti-Amerikanismus aufmerksam machen, den Ken Jebsen immer wieder bediene.

"Es geht hier nicht darum irgendetwas abzusetzen, es geht hier nur darum, ein öffentliches Phänomen öffentlich zu machen. Und der Mann, der dermaßen poltert, tobt, wirklich Kotze in den Äther bringt, dieser ist plötzlich ganz sensibel, wenn es um ihn selber geht."

Darauf aufmerksam zu machen, sei in der Sache völlig richtig, betont Juliane Wetzel vom Institut für Antisemitismusforschung an der TU-Berlin. Doch ob es auf diese alarmistische Weise geschehen müsse, bezweifelt die Mitarbeiterin des Expertenkreises Antisemitismus. Der erst kürzlich zu dem Ergebnis gekommen ist, dass 20 Prozent der Deutschen latent antisemitisch seien.

"Also ich denke, man muss es ernst nehmen, weil er doch so einige Dinge anspricht, die eben durchaus verbreiteter in der Gesellschaft sind. Man kann jetzt nicht sagen, das ist ein singuläres Phänomen, dann kann man sagen das ist die einzige Person, die so was äußert. Nein, er greift ja Stimmungen auf, die durchaus da sind, und die durchaus auch bei jungen Leuten da sind."

Ähnlich sieht es Oliver Gehrs, Chefredakteur der Illustrierten DUMMY. 2005 wurde er von Henryk. M. Broder - nach einem Artikel über die Geschäftspraktiken des US-israelischen Medienunternehmers Haim Saban - als Antisemit beschimpft.

"Was natürlich schwierig ist bei Broder, dass er selbst ein bisschen unglaubwürdig ist. Weil er diesen Antisemitismus-Verdacht eigentlich anknipst, wie den Kronleuchter im Schloss. Wie es ihm gerade passt. Das macht ihm zum falschen Kronzeugen."

Nach der Blitzabsetzung der Sendung KenFM, wird sie am morgigen Sonntag jedoch wieder auf Sendung gehen. Zunächst ohne Live-Kommentare. Politische Einlassungen muss Ken Jebsen vor der Sendung der Chefredaktion vorlegen. Das hat der rbb nach tagelangen Sitzungen beschlossen, der Versäumnisse einräumt und nicht ganz unschuldig um den Wirbel ist. Für die Zukunft hat man genaue Absprachen getroffen, betont Claudia Nothelle, Programmdirektorin des RBB.

"Wir beobachten das sehr, sehr genau. Also, es kann nicht sein, dass wir jetzt zwei Sendungen genau hingucken, dann macht er wieder, was er in den letzten Wochen, zu unserem großen Missfallen, auf unserem Sender gemacht hat. Wir schauen genau hin, was er macht, und dann werden wir sehen, ob es eine längere Zukunft hat, oder nicht."

Natürlich hätten wir gerne Ken Jebsen selbst gefragt, und seine Einschätzungen erfahren, und gerne gewusst, wie er es bewertet, das sich auf Facebook gerade die rechte Szene für ihn solidarisiert. Doch leider hat er auf keine der Anfragen reagiert.

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