Donnerstag, 22.02.2018
 
Seit 02:05 Uhr Kommentar
StartseiteWirtschaft am MittagDeutscher Aufschwung verliert etwas an Schwung14.02.2018

WirtschaftswachstumDeutscher Aufschwung verliert etwas an Schwung

Heute gab es die erste Schätzung der Statistiker zur Wirtschaftsentwicklung im vierten Quartal 2017. Statt um 0,7 Prozent wie noch im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland nur noch um 0,6 Prozent zu - ein Grund zur Sorge?

Von Brigitte Scholtes

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Gerüstbauer errichten in Hamburg auf einer Brückenbaustelle in der Hafencity ein Gerüst. (dpa / Christian Charisius)
Der Bausektor scheint an gewisse Kapazitätsgrenzen zu stoßen, so die Analyse eines Volkswirts der Allianz (dpa / Christian Charisius)
Mehr zum Thema

Reaktionen auf die US-Steuerreform Kopfzerbrechen in der deutschen Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft Von wegen "Überhitzung"

ifo-Präsident Clemens Fuest "Die Botschaft, die soziale Schere geht auseinander, ist schlicht falsch"

Der Aufschwung hat etwas an Kraft verloren. Statt um 0,7 Prozent wie noch im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,6 Prozent zu. Doch dies sei eine Mini-Abschwächung und nicht der Rede wert, meint Stefan Mütze, Volkswirt der Helaba, der Landesbank Hessen-Thüringen:

"Die Dynamik war bis zum Ende des letzten Jahres sehr, sehr hoch."

Die beiden Brückentage im Oktober könnten zu der leichten Abschwächung geführt haben, hatte die Deutsche Bundesbank schon in ihrem letzten Monatsbericht vermutet, der starke und breite Aufschwung werde damit nicht beeinträchtigt. Der führte im Gesamtjahr 2017 immerhin zu einem Wachstum von 2,2 Prozent gegenüber 2016, damit bestätigte das Statistische Bundesamt die vorläufigen Daten. Und - es war das stärkste Wachstum seit sechs Jahren.

Die deutsche Wirtschaft profitierte dabei im vierten Quartal vor allem vom Außenhandel, sagt Stefan Mütze von der Helaba:

"Die Exporte sind sehr stark gestiegen, die Importe haben sich nicht ganz so gut entwickelt, so dass die Nettoexporte gestiegen sind. Überraschend ist, dass der private Konsum noch mal in Folge sich sehr schwach wohl entwickelt hat. Das dürfte damit zusammenhängen, dass die Inflationsraten natürlich angestiegen sind, die Tariflöhne sind mäßig gestiegen, so dass also die Konsumenten real zwar mehr in der Tasche hatten, aber nicht mehr so viel wie das im vorherigen Quartal noch war."

Hoffen auf kräftiges Anziehen von Investitionen

Zum Jahresende haben die Unternehmen aber auch wieder mehr investiert in Maschinen und Anlagen, etwas weniger jedoch im Bausektor. Das aber beunruhigt Rolf Schneider nicht, er ist Volkswirt der Allianz:

"Wir haben in einigen Bereichen wie im Bau vermutlich schon gewisse Kapazitätsgrenzen, da wird das Wachstum dann etwas beschränkt. Worauf ich wirklich hoffe ist, das die Investitionen kräftig anziehen, denn das braucht Deutschland für seine wirtschaftliche Zukunft."

Und die dürfte, davon gehen die meisten Ökonomen aus, auch weiter positiv bleiben. Das Weltwirtschaftsklima jedenfalls ist auf den höchsten Wert seit Herbst 2007 gestiegen. Das entsprechende Barometer des Münchener ifo-Instituts ist im ersten Quartal von 17,1 auf 26 Punkte geklettert. Der weltweite Aufschwung verfestige sich, meinen die Experten. Sie rechnen für Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent. Ökonom Mütze von der Helaba sieht eher eine etwas nachlassende Dynamik, aber auch er rechnet mit einem weiteren Wachstum:

"Unsere Prognose liegt bei 2 Prozent. Das ist immer noch ein sehr ordentliches Wachstum, dass deutlich über den Potenzial der deutschen Wirtschaft liegt, aber doch etwas schwächer. Das hängt einfach damit zusammen, dass sich die Situation doch etwas verschlechtert hat. Wir haben einen stärkeren Euro, wir haben höhere Preise, wir haben höhere Inflation. All das belastet die Entwicklung der deutschen Wirtschaft, führt aber nicht dazu, dass wir eine dramatische Abschwächung bekommen.

Die geschäftsführende Bundesregierung hofft wegen der guten Verfassung der deutschen Wirtschaft noch auf ein Plus von 2,4 Prozent.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk