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StartseiteCampus & Karriere"Den akademischen Mittelbau fördern"25.04.2016

Wissenschaftsförderung"Den akademischen Mittelbau fördern"

Die SPD-Politikerin Simone Raatz ist mit dem neuen Pakt zur Wissenschaftsförderung zufrieden. Jetzt gehe es darum, diesen Pakt mit Leben zu füllen, beispielsweise durch neue Stellen für den akademischen Nachwuchs jenseits der Professuren. In diesem Zusammenhang kritisierte Raatz im DLF Bildungsministerin Johanna Wanka, die bei dieser Idee eine "abwehrende Haltung" zeige.

Simone Raatz im Gespräch mit Benedikt Schulz

Zur Einführungsvorlesung am traditionellen Campustag haben sich im Auditorium Maximum der Universität Rostock mehr als 500 Studenten eingefunden. (dpa / picture alliance / Bernd Wüstneck)
Studierende im Auditorium Maximum an der Universität Rostock (dpa / picture alliance / Bernd Wüstneck)
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Benedikt Schulz: Die Zukunft der Exzellenzinitiative ist seit Freitag beschlossene Sache: Mehrere Jahre Planung und Diskussion waren dafür nötig, ebenso wie ein ziemlich aufwendiges Evaluationsverfahren, dessen Ergebnis man am Ende nun doch nur in geringen Teilen umgesetzt hat. So oder so, die Exzellenzinitiative wird fortgesetzt.

Das ist schön für die Spitzenforschung in Deutschland, eine Wissenschaftsförderung auf breiter Ebene ist die Exzellenzinitiative aber erklärtermaßen nicht. Die Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs oder für den akademischen Mittelbau, ohne den eine Hochschule in Deutschland praktisch dichtmachen könnte, über die hat man am Freitag eigentlich nichts beschlossen.

Wie geht es jetzt weiter mit der Wissenschaftsförderung in Deutschland? Wir fragen Simone Raatz von der SPD, stellvertretende Vorsitzende im Bildungsausschuss des Bundestags. Ich grüße Sie!

Simone Raatz: Guten Tag, Herr Schulz!

Schulz: Erst Frage: Sind Sie zufrieden mit dem, was da am Freitag beschlossen wurde?

Raatz: Also mit der Exzellenzinitiative und was da beschlossen wurde bin ich sehr zufrieden. Es ist doch so, dass unser Koalitionspartner nur drei bis fünf Standorte fördern wollte und wir als SPD mehr, und das haben wir erreicht, jetzt sind es acht bis elf Spitzenstandorte, die gefördert werden sollen, und die beiden Förderrichtlinien oder die beiden Schwerpunkte innerhalb der Exzellenzinitiative – einmal die Exzellenzcluster und zum anderen die Exzellenzuniversitäten –, das ist genau das, was wir auch wollten und was jetzt auch unterstütz wird.

"Pakt muss mit Leben erfüllt werden"

Schulz: Der akademische Nachwuchs – ich habe es gerade schon erwähnt – wird von der Fortführung der Exzellenzinitiative, wenn überhaupt, nur indirekt profitieren, aber wie der angekündigte Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs aussehen wird, ist immer noch offen, obwohl 2017 schon Starttermin ist. Wie ist denn da der Stand?

Raatz: Das stimmt, im vergangenen Jahr haben uns die fraktionsführenden oder die geschäftsführenden Fraktionsvorstände eine Milliarde Euro zuerkannt, also zugesprochen für genau diesen Pakt, und dieser Pakt musste jetzt mit Leben erfüllt werden – die Kriterien sind klar –, und am 20. Mai wird dann auch von der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz dieser Pakt verabschiedet, also der Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs, wird also ein bisschen verschoben.

Schulz: Wie wird der aussehen?

Raatz: Es ist also so, dass wir natürlich etwas für unseren wissenschaftlichen Nachwuchs tun wollen, und da wissen wir, da gibt es einen Flaschenhals, nämlich wir haben viele habilitierte oder gut qualifizierte Wissenschaftler, die alle auf eine Professur kommen möchten. Das wird nicht in jedem Fall gelingen, aber diesen Flaschenhals etwas zu weiten, das ist hier eine Aufgabe. Wir werden also Tenure-Track-Stellen innerhalb des Programmes haben, wo wir jungen Wissenschaftlern also neue Karriereoptionen ermöglichen und es ihnen erleichtern, diesen Weg zur Professur dann auch zu gehen, aber das alleine reicht uns als SPD nicht. Hier muss noch was Zusätzliches kommen, und zwar ist es also gerade in unserem Interesse, Personalentwicklungskonzepte an den Hochschulen einzufordern oder prinzipiell zu gucken, wie kann man die Karriereperspektiven auch unterhalb oder neben der Professur verbessern. Auch da wird es einen Baustein innerhalb dieses Paktes geben.

"Wir wollen insbesondere den wissenschaftlichen Mittelbau stärken"

Schulz: Werden wir mal konkret: Karriereoptionen für junge Wissenschaftler unterhalb der Professur, wie können die aussehen?

Raatz: Die können so aussehen, dass man also auch andere Stellen mit Tenure-Track versieht. Wir haben Forschungsgruppenleiter etc., die man also dann auch unterstützen kann. Wir wollen insbesondere den wissenschaftlichen Mittelbau stärken. Hier hat ein ganz großes Stellenabbauprogramm in der Vergangenheit stattgefunden, den wir stoppen wollen und wo wir auch den akademischen Mittelbau zunehmend stützen wollen. Hier wird es neue oder andere Personalkategorien geben, als es die vielleicht in der Vergangenheit gab.

Man kann sich zum Beispiel vorstellen, dass es Leute gibt, die sich insbesondere mit Projektmanagement beschäftigen oder die gerade den wissenschaftlichen Gerätepark unterstützend mitbekleiden. Also es sind viele, viele Dinge vorstellbar. Da werden wir von Bundesebene entsprechend unsere Vorstellungen natürlich auch äußern.

Schulz: Bleiben wir auf der Bundesebene: Haben Sie als SPD den Koalitionspartner beziehungsweise Ihre Ministerin Johanna Wanka mit an Bord?

Raatz: Das ist natürlich eine sehr gute Frage. Ich hätte Frau Wanka gerne mit an Bord, und ich verstehe auch nicht ganz ihre abwehrende Haltung dahingehend. Es ist also so, dass Frau Wanka gesagt hat, sie möchte an sich nur Tenure-Track-Stellen für Professuren. Ich möchte aber gerne oder wir möchten gerne, dass das Programm auch nachhaltig ist, und wie kann ich im Endeffekt, wie wir gerade schon besprochen haben, auch andere Personalkategorien hier mitimplementieren. Da hat sich Frau Wanka etwas schwer getan, das muss ich ehrlich sagen, aber die Wissenschaftsministerinnen und Wissenschaftsminister der Länder haben uns da sehr unterstützt, und aus dem Grunde, denke ich, wird es da auch einen Baustein geben, der in diese Richtung geht.

"Es braucht dringend eine Unterstützung der Fachhochschulen"

Schulz: Ich möchte zum Schluss noch kurz auf die Fachhochschulen zu sprechen kommen, die sind nun definitiv nicht in der Exzellenzinitiative vertreten. Wie soll deren Förderung in Zukunft eigentlich aussehen?

Raatz: Das ist ein zweites Programm, was wir jetzt vorhaben umzusetzen, und zwar wird es dazu auch einen Vorschlag geben am 20. Mai. Wir haben ein Programm für die innovative Hochschule vor. Hier geht es insbesondere um den Wissenstransfer, der an den Fachhochschulen gut angesiedelt ist. Es braucht dringend eine Unterstützung der Fachhochschulen, nicht nur finanziell in Richtung Projektförderung, sondern dass man auch guckt, gibt es da auch Möglichkeiten, neue Karriereoptionen aufzumachen. Das wird eine zukünftige Aufgabe sein, und ich hoffe, dass wir einen ersten Schritt in die richtige Richtung dann am 20. Mai gehen.

Schulz: Auf die Gefahr hin, dass Sie mir das jetzt nicht beantworten können: Über wie viel Geld reden wir denn da eigentlich für die Fachhochschulen?

Raatz: Genau! Das ist eine erhebliche Summe, aber wie Sie schon richtig vermuten, kann ich Ihnen diese Summe noch nicht sagen, weil, wie gesagt, erst am 20. darüber entschieden wird und ich es dann auch denjenigen überlassen möchte, die darüber zu entscheiden haben, dann auch diese Summe zu nennen.

Schulz: Über die Zukunft der Wissenschaftsförderung in Deutschland habe ich gesprochen mit Simone Raatz von der SPD, stellvertretende Vorsitzende im Bildungsausschuss im Bundestag. Ich danke Ihnen ganz herzlich!

Raatz: Ich danke auch ganz herzlich!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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