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Zwei Meister treffen sich

Klaviermusik von Beethoven und Strawinsky

Von Jochen Hubmacher

Die Pianistin Einav Yarden gewann 2009 den dritten Preis beim Bonner Beethoven-Wettbewerb.
Die Pianistin Einav Yarden gewann 2009 den dritten Preis beim Bonner Beethoven-Wettbewerb. (Balasz Borosz)

Die israelische Pianistin Einav Yarden bringt zusammen, was auf den ersten Blick, nicht zusammenpasst. Auf ihrer CD "Oscillations" setzt sie Klavierwerke von Igor Strawinsky in Beziehung zu denen von Ludwig van Beethoven.

"Strawinsky: Polka aus Three easy pieces for piano duet, Fassung für Klavier solo"

Ein ungleiches Komponistenpaar - hier der eigenbrötlerische Charakterkopf Beethoven, der kontinuierlich den Weg von der Wiener Klassik hin zur Romantik beschreitet, dort der weltgewandte Kosmopolit Strawinsky, der seinen Kompositionsstil wie ein Chamäleon immer wieder verändert.

Rund ein Jahrhundert Musikgeschichte trennt die Beiden, doch bei aller Unterschiedlichkeit weisen ihre Werke auch Gemeinsamkeiten auf. Einav Yarden kehrt genau diese geschickt heraus. Etwa den Sinn für Humor, der sich bei Igor Strawinsky wie in der gerade gehörten Polka von der rustikaleren Seite zeigt. Dass aber auch Beethovens Musik geradezu ausgelassen witzig sein kann, demonstriert Einav Yarden anhand der G-Dur-Klaviersonate, op. 14 Nr.2. Entstanden ist sie in Beethovens frühen Wiener Jahren in zeitlicher Nähe und quasi als heiterer Gegenentwurf zur schicksalsschweren "Grande Sonate Pathétique".

"Beethoven: Sonate G-Dur, op. 14 Nr.2, 3. Satz: Scherzo: Allegro assai"

Natürlich kann Igor Strawinskys Klavierschaffen allein zahlenmäßig mit Ludwig van Beethovens nicht mithalten. Beethovens 32 Klaviersonaten stehen lediglich zwei von Strawinsky gegenüber. Von seiner ersten in fis-Moll glaubte Strawinsky gar, dass sie unwiederbringlich verschollen sei. Schließlich tauchte die Sonate doch wieder auf und wurde nach dem Tod des Komponisten veröffentlicht. Ob Strawinsky darüber so erfreut gewesen wäre, ist allerdings zu bezweifeln. Denn er meinte einmal:

"Sie ist zum Glück verschwunden. Ich glaube, es war eine absurde Imitation von Beethovens letzter Schaffensphase."

Die einzige Klaviersonate Strawinskys, die zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde, stammt aus dem Jahr 1924. Während sich Arnold Schönberg gerade daran machte, die Musikwelt mit Zwölftonreihen zu revolutionieren, suchte Strawinsky damals sein Heil in der Rückbesinnung auf die Tradition. Formen und Stilmittel des 18. Jahrhunderts sollten als Fundament für den musikalischen Fortschritt der Gegenwart dienen. Theodor Adorno bezeichnete diesen Neoklassizismus einmal verächtlich als "Absud bereits gewesener Musik".

Spannend ist es jedoch allemal zu beobachten, wie Strawinsky im ersten Satz seiner Klaviersonate, die musikalische Rhetorik eines Muzio Clementi oder Joseph Haydn aufgreift und ins 20. Jahrhundert übersetzt.

"Strawinsky: Sonate für Klavier, 1. Satz"

Igor Strawinsky beruft sich in seiner neoklassizistischen Klaviersonate auf das 18. Jahrhundert, die Welt von Bach, Mozart und Haydn. Der gleiche musikalische Humus, auf dem auch die Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven gediehen sind.

Es macht daher durchaus Sinn, wenn Pianistin Einav Yarden auf ihrer neuen CD Strawinskys Klaviersonate in ein "Beethoven-Sandwich" packt. Oben drauf Beethovens G-Dur Klaviersonate, op. 14 Nr. 2 und als Unterlage die Sonate F-Dur op. 10 Nr.2. Dieses 1798 veröffentlichte Werk offenbart bereits ansatzweise, wohin die musikalische Reise in den nächsten Jahrzehnten gehen wird.

"Beethoven: Sonate F-Dur, op. 10 Nr.2, 3. Satz: Scherzo: Allegro assai"

Einav Yarden erweist sich auf ihrer CD "Oscillations" als herausragende Beethoven-Interpretin. Als solche hatte die Schülerin des legendären Leon Fleisher bereits 2009 beim Bonner Beethoven-Wettbewerb auf sich aufmerksam gemacht. Dort erspielte sie sich einen dritten Preis.

Einav Yarden besitzt ein exzellentes Gespür für musikalische Stimmungen sowie eine meisterhafte Anschlags- und Pianokultur. Das zahlt sich auf ihrer neuen CD doppelt aus, da sich die spieltechnischen Schwierigkeiten des Repertoires in Grenzen halten, mit flinken Fingern allein also nicht viel zu gewinnen ist.

"Strawinsky: Les Cinq Doigts, Larghetto"

Für Kinderhände hat Igor Strawinsky seine Sammlung "Les Cinq Doigts" komponiert, aus der wir gerade das Larghetto gehört haben. Und auch damit stellt Einav Yarden den Bezug zu Beethoven her. Sie beschließt ihre aktuelle CD nämlich mit Beethovens Bagatellen, op. 119, die sich ebenfalls bestens für pädagogische Zwecke eignen. Fünf der elf musikalischen Miniaturen hatte Beethoven sogar eigens für den Abdruck in einer Klavierschule konzipiert.

"Beethoven: 11 Bagatellen, op. 119, Nr. 10 A-Dur. Allegramente und Nr. 6 G-Dur. Andante-Allegretto"


Musik:
Oscillations
Piano music by Beethoven & Stravinsky
Einav Yarden, Klavier

Label: Challenge Classics
Bestell-Nr.: CC72566
LC:00950



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