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StartseiteMarkt und MedienZwitschern fürs Radio27.08.2011

Zwitschern fürs Radio

Wie wichtig sind Facebook und Twitter für Radiosender?

Rein rechnerisch ist in Deutschland mittlerweile jeder Vierte bei Facebook angemeldet. Das hat auch Auswirkungen in den Radioredaktionen.

Von Christopher Ophoven

Nahaufnahme vom Logo des sozialen Netzwerks Facebook. (picture alliance / dpa)
Nahaufnahme vom Logo des sozialen Netzwerks Facebook. (picture alliance / dpa)

Wie wichtig sind Facebook und Twitter für Radiosender? Facebook und Twitter haben den Alltag in vielen Hörfunkredaktionen verändert. Durch die Social-Media-Plattformen sind die Hörer deutlich näher an die Sender gerückt. Schiwa Schlei, die Chefin der Onlineredaktion bei 1Live sieht das positiv:

"Wir kriegen mit, wie werden manche Themen gesehen von den Nutzern, wie interessant finden die Nutzer Sachen oder die kommen mit Themen auf uns zu, dass ich schon glaube, dass man so ein Grundgefühl, wie wird ein Thema von der Zielgruppe bewertet, über diesen Kanal, ganz schnell für sich in Erfahrung bringen kann, als Journalist. Und dementsprechend finde ich, dass es den Redaktionsalltag auf jeden Fall bereichert."

1Live ist die Jugendwelle des WDR. Der Sender hat also eine vergleichbar junge Zielgruppe. Für den Medienwissenschaftler Christian Nuernbergk spielt das aber keine Rolle. Der Doktorand, der Münchener Ludwig-Maximilian-Universität, untersucht die Auswirkungen des Internets auf den Journalismus. Er sieht eine Entwicklung in der gesamten Branche.

"Das ist auch so ein genereller Trend, dass Redaktionen ihre Präsenzen ausbauen sollen. Allgemein kann man aber sagen, dass so eine Präsenz nicht teuer ist. Es ist relativ einfach zu gestalten, einzustellen und zu pflegen, weshalb zu erwarten ist, dass mittelfristig wahrscheinlich die Meisten so etwas machen werden."

Viele Sender zwitschern mittlerweile, was das Zeug hält. Mehr als die Hälfte von ihnen nutzt Facebook und Twitter. Vor allem Facebook hat sich etabliert – nicht nur in den Redaktionen, sondern auch beim Hörer. Das merkt man vor allem an der gestiegenen Erwartungshaltung, sagt Schiwa Schlei:

"Also, bei Oslo war es zum Beispiel der Fall, dass wir ganz zeitnah darauf aufmerksam gemacht haben, es gab diese Anschläge - haben aber diesmal bei Facebook diese Verlaufsberichterstattung vernachlässigt und da gab´s halt sehr viel Kritik zum Beispiel in unserem Account, wo Leute gesagt haben: Ich kann grad kein Radio hören und ich bin auch nicht im Internet und ich erwarte von 1Live eigentlich, dass das auch über Facebook kommt."

Bei 1Live sieht man Facebook daher als Möglichkeit den Hörer an sich zu binden, auch wenn er nicht gerade Radio hört. Messbar ist dieser Effekt aber nicht. Überhaupt - es gibt wenig Informationen über die Social-Media-Aktivitäten der Radiosender. Der Journalist und Blogger, Sebastian Pertsch, versucht das zu ändern.

"Mich hat es einfach mal interessiert, wie die Radiosender bei Facebook und Twitter aktiv sind. Es gibt über 350 Radiosender in Deutschland und die habe ich alle analysiert. Das war der erste Schritt und da gab's ne unglaublich große Rückmeldung und der zweite Schritt war, dass ich eine Website nun entwickelt habe, die automatisch jeden Tag die aktuellen Daten anzeigt."

Nehmen wir das Beispiel 1Live. Der Sender steht bei den Facebook-Fans an vierter Stelle, bei den Twitter-Followern an fünfter Stelle – in ganz Deutschland. Über die Beliebtheit sagt das aber wenig aus, gibt Pertsch zu.


"Das Problem ist, dass man nicht einfach sagen kann, 1Live hat 130.000 Fans und die sind ganz toll und dafür hat irgendein kleiner Lokalfunksender vielleicht nur 2.000 Fans und der ist dann ganz schlecht. Das ist natürlich Quatsch. 1Live ist in ganz Nordrhein-Westfalen zu hören, ein kleiner Lokalsender ist vielleicht von nur 10.000 Leuten zu hören. Also in Relation muss der kleine Sender mit eigentlich extrem wenigen Fans nicht unbedingt schlecht sein. Das ist halt die Schwierigkeit und die Herausforderung bei diesen Statistiken."

Die Twitter- und Facebook-Charts sind also weit davon entfernt, eine neue "Währung" zu werden. Bisher sind diese Daten nur Anhaltspunkte – Hörerzugewinne könne man so nicht erklären meint Christian Nuernbergk:

"Spiegel und Focus etwa verzeichnen so circa vier Prozent ihrer Seitenabrufe werden durch Facebook generiert und Twitter liegt noch deutlich darunter. Wenn man sich diese Zahlen anguckt, dann dürfte eigentlich schon schnell deutlich werden, dass auch die Radiosender und ihre Reichweitensteigerungen nur zu einem ganz marginalen Teil eigentlich über soziale Netzwerke erklärt werden können."

Über eine Sache gibt die Seite aber ganz sicher Aufschluss. Der Einfluss von Facebook und Twitter nimmt immer mehr zu, auch in der Radiobranche. Denn bei fast allen Sendern steigt die Zahl der Follower.

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