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StartseiteForschung aktuellSolare Stimmungsschwankungen 24.11.2015

0,1 ProzentSolare Stimmungsschwankungen

Serie: 2 Grad plus - das Klima vor Paris

Steckt die Sonne hinter der globalen Erderwärmung und nicht die Treibhausgase in der Atmosphäre? Denn die Sonne durchläuft einen Zyklus und strahlt zeitweilig stärker - allerdings schwankt ihre Aktivität gerade mal um 0,1 Prozent.

Von Volker Mrasek

2 Grad plus - das Klima vor Paris (Deutschlandradio / Hans-J. Brehm)
2 Grad plus - das Klima vor Paris (Deutschlandradio / Hans-J. Brehm)

0,1 Prozent. In ihrem bekannten elfjährigen Aktivitätszyklus schwankt die Sonne lediglich um ein Tausendstel. Mehr nicht, sagt Michael Lockwood, Weltraumphysiker an der Universität von Reading in England.

"Wir sprechen hier immer von der gesamten solaren Einstrahlung. Das ist die Energiemenge, die die Erde von der Sonne in Form von Licht und Wärme erhält. Im Laufe des Sonnenzyklus variiert sie eben um 0,1 Prozent."

Ein Drittel des Sonnenlichtes wird reflektiert

Noch heute gibt es Leute, die behaupten, die Sonne stecke hinter der globalen Erwärmung. Und nicht etwa die Treibhausgase in der Atmosphäre. Dabei muss man sich nur klarmachen, wie gering der Effekt ist, wenn die Sonne zeitweilig stärker strahlt.

"Rund 1.370 Watt pro Quadratmeter - so viel Energie von der Sonne kommt am oberen Rand der Erdatmosphäre im Durchschnitt an. Ein Tausendstel davon sind gerade einmal 1,37 Watt. So viel kann also hinzukommen. Auf die gesamte Erdoberfläche bezogen, ist dieser Wert aber noch viel kleiner! Denn die Sonne scheint ja immer nur auf einen Teil des Globus. Außerdem wird rund ein Drittel des Sonnenlichtes von Wolken und Eisflächen wieder in den Weltraum reflektiert. Am Ende sind es deshalb bloß 0,2 Watt mehr pro Quadratmeter, wenn die Sonne etwas aktiver ist."

Der Treibhausgas-Ausstoß des Menschen hat da ganz andere Dimensionen. Auch den thermischen Effekt von Kohlendioxid und Konsorten kann man in Watt pro Quadratmeter angeben. Der Physiker Pieter Tans von der NOAA, der Fachbehörde für Ozean und Atmosphäre in den USA:

"Wir erhöhen die Energiemenge im Klimasystem derzeit um 2,8 bis 2,9 Watt pro Quadratmeter. Das ist der globale Jahresmittelwert. Gemessen an der gesamten Energie, die im System steckt, sind das etwa 1,2 Prozent."

Treibhauseffekt ist stärker als die Wirkung der Sonne

Der vom Menschen forcierte Treibhauseffekt ist demnach 15 mal so stark wie die Wirkung einer aktiveren Sonne.

Nur ein Idiot würde behaupten, dass sich das Klima dadurch nicht verändert, sagt jedenfalls Pieter Tans. Und Mike Lockwood? Er hadert ein wenig mit der Statistenrolle der Sonne:

"Als Solarphysiker wäre ich wirklich glücklich, wenn die Sonne eine größere Rolle beim Klimawandel spielte. Dann wäre auch mein Forschungsfeld wichtiger. Aber so ist es nun 'mal nicht. Und ob ich glücklich oder unglücklich bin, ändert absolut nichts an der Realität."

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