Montag, 14.10.2019
 
Seit 18:00 Uhr Nachrichten
StartseiteForschung aktuellKalte Insel im warmen Ozean23.11.2015

-0,5º CelsiusKalte Insel im warmen Ozean

Serie: 2 Grad plus - das Klima vor Paris

Der Klimawandel kann paradoxe Effekte zeigen: Während sich die gesamte Erde erwärmt hat, ist das Seegebiet südlich von Grönland heute kälter als vor hundert Jahren, und zwar um ein halbes Grad. -0.5 Grad - mit dieser Zahl beginnt die Serie "2 Grad plus - das Klima vor Paris".

Von Volker Mrasek

2 Grad plus - das Klima vor Paris (Deutschlandradio / Hans-J. Brehm)
Klimaerwärmung verkehrt herum: Um -0,5º Celsius ist das Seegebiet südlich von Grönland heute kühler (Deutschlandradio / Hans-J. Brehm)
Mehr zum Thema

2 Grad plus Das Klima vor Paris

-0,5. Eine Zahl mit negativem Vorzeichen. Ein wahres Wunder in Zeiten globaler Erwärmung.

"Hier geht es um die Abkühlung im Nördlichen Atlantik. Eine Region, die so südlich von Grönland etwa angesiedelt ist."

Das Seegebiet zwischen Kanada und Irland - es ist heute rund 0,5 Grad kühler als vor hundert Jahren.

"Ja, die ganze Erde hat sich in den letzten hundert Jahren erwärmt - bis auf diese Region im subpolaren Nordatlantik, die sich abgekühlt hat. Und das ist schon sehr erstaunlich, wenn man auf eine Weltkarte der Temperatur-Trends schaut", erklärt der Potsdamer Klimaforscher Stephan Rahmstorf.

"Cold Spot" im Nordatlantik

Es gibt also nicht nur Hot Spots auf der Erde, sondern auch Cold Spots - Kälte-Inseln, die der allgemeinen Erwärmung um sie herum trotzen. Na ja, genau genommen ist es bloß eine - die im Nordatlantik.

"Also, es gibt einen kleinen Cold Spot in Zentralafrika, der aber, wenn man da näher hinschaut, verschwindet, weil da einfach die Datenlage so schlecht ist. Bei der Region, über die wir jetzt reden, im subpolaren Atlantik, da wird seit langer Zeit regelmäßig gemessen. Da war der vergangene Winter sogar der kälteste seit Beginn der Temperatur-Aufzeichnungen im Jahr 1880."

Doch woran liegt das? Am Golfstrom, sagt Rahmstorf. Der schwäche sich ab. Und mit ihm auch sein verlängerter Arm, der Nordatlantik-Strom. Dadurch fließe nicht mehr so viel Wärme aus den Tropen in höhere Breiten.

In Roland Emmerichs Hollywood-Film "The Day After Tomorrow" mündet ein solcher Hitzestau im Kältechaos, New York versinkt unter Eisbergen. Das ist aber maßlos übertrieben. Detlef Stammer, Professor für Ozeanographie an der Universität Hamburg:

"Dieses Eiszeit-Szenario wie in dem Film - wir sehen im Augenblick kein Anzeichen, dass so etwas da ist oder bevorsteht."

Für eine kleine Kälte-Insel im Ozean südlich von Grönland reicht es aber schon!

Die Wärmepumpe gerät ins Stottern

Die Wärmepumpe im Atlantik läuft dann tadellos, wenn Oberflächenwasser im hohen Norden abkühlt, dadurch schwerer wird, absinkt und in der Tiefe nach Süden zurückfließt. Doch durch die allgemeine Erwärmung wird das Wasser nicht mehr so kühl und schwer, sagt Rahmstorf:

"Hinzu kommt der Effekt, dass der Salzgehalt abnimmt, weil das Wasser regelrecht verdünnt wird, durch den Einstrom von Süßwasser - durch zunehmende Niederschläge, aber auch durch die schmelzenden Landeismassen auf Grönland."

Auch dadurch wird das Oberflächenwasser leichter und sinkt nicht mehr so gut ab. Der Motor der Strömung gerät ins Stottern, der Wärme-Fluss aus den Tropen lässt nach.

"Wir gehen davon aus, dass das weitergeht, weil die globale Erwärmung ja weitergeht. Ich rechne eigentlich langfristig damit, dass diese Region weiterhin so kalt bleibt oder sogar auch noch kälter wird in den nächsten Jahrzehnten."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk