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StartseiteKalenderblattBakteriologe, Nobelpreisträger und Unternehmer 31.03.2017

100. Todestag von Emil von BehringBakteriologe, Nobelpreisträger und Unternehmer

Emil von Behring gilt als Pionier der Schutzimpfung. Weltbekannt wurde er durch die Entwicklung von Antitoxinen gegen Diphterie und Tetanus – Ende des 19. Jahrhunderts gefürchtete Krankheiten, die häufig tödlich verliefen. Mit der Gründung der Behringwerke bewies der Wissenschaftler darüber hinaus auch einen guten Geschäftssinn.

Von Anne Preger

Der Bakteriologe Emil von Behring (undatierte Aufnahme) erhielt 1901 für seine Arbeit über die Serumtherapie (Diphtherie) den ersten Nobelpreis für Medizin. Er wurde am 15. März 1854 in Hansdorf geboren und ist am 31. März 1917 in Marburg gestorben. (picture-alliance / dpa)
Emil von Behring, der 1901 für seine Forschung zur Serumtherapie den Nobelpreis für Medizin erhielt (picture-alliance / dpa)
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"Steglitz, 8. Mai 1901
Hochzuverehrender Herr Geheimrath!
[...]Vergangene Woche erkrankten meine vier und zwölfjährige Tochter plötzlich an Diphtherie."

"Das war eine der Haupt-Infektionskrankheiten Ende des 19. Jahrhunderts."

"Beide hatten hohes Fieber, die jüngste phantasierte ununterbrochen. Wir glaubten sie schon verloren."

"Und das Schlimme war, dass das eine hochansteckende Krankheit ist, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Also, dass alle Kinder einer Familie ausgerottet wurden, das kam leider häufig vor, weil die Kinder sich gegenseitig angesteckt haben."

"Durch Ihr Heilserum sind beide Kinder gerettet worden und heute wieder gesund wie zuvor. (...) Wenn ich (...) auf diese Tage zurückblicke und mir unsere Angst vergegenwärtige, wie wir das Schlimmste erwarteten, da drängt es mich, unseren tiefsten Dank auszusprechen."

Gegengift gegen Diphterie

Der Dank galt Emil Behring. Der Mediziner hatte sich seit Anfang der 1890er-Jahre in Berlin mit der Diphtherie beschäftigt. Dass die Krankheit von Bakterien ausgelöst wird, war da bereits bekannt. Und dass das Gefährliche an der Infektion die Gifte sind, die die Erreger im Körper produzieren. Behring stellte fest, dass Ratten eine Diphtherie-Infektion überstehen können und immun gegen die Krankheit werden, und wagte eine revolutionäre These: Nämlich, dass im Serum des Rattenbluts ein Gegengift enthalten ist, das die Bakteriengifte unschädlich macht, ein Antitoxin.

"Und das hat er weiter entwickelt bis hin zur Anwendung am Menschen. Das war 1893 in größeren Versuchen."
Und zwar unter anderem am Königlichen Institut für Infektionskrankheiten in Berlin unter der Leitung des bekannten Mikrobiologen Robert Koch. Am Ende der Versuche stand ein Erfolg, der Behring weltweit bekannt machte.

"Das ist das Diphtherie-Heilserum, das wirklich auch eine verblüffende Wirkung hatte."

Ulrike Enke ist Medizinhistorikerin an der Philipps-Universität Marburg und arbeitet an einer wissenschaftlichen Biografie über den berühmten Immunologen.

Emil Behring wurde 1854 geboren und wuchs mit zwölf Geschwistern in armen Verhältnissen auf. Sein Vater war Lehrer in einem kleinen Dorf in Westpreußen.

Aufgewachsen in armen Verhältnissen

"Es war schwierig für ihn, überhaupt Medizin studieren zu können. Und er musste sich regelrecht hocharbeiten, und musste natürlich auch immer zeigen, dass er es wert ist, gewürdigt zu werden."

Sich seinem Chef Robert Koch unterzuordnen, fiel Behring schwer. Selbst befreundeten Kollegen gegenüber verhielt sich Behring oft rücksichtslos, auch wenn sie an seiner Arbeit beteiligt waren. Als die Farbwerke Hoechst begannen, sich für das Heilserum zu interessieren, band er sie nicht mit in Verträge ein.

"Und dann, als das Diphtherie-Heilserum 1894 in Produktion ging, bekam er 50 % des Gewinns. Und das waren in diesem Jahr 150.000 Mark, eine ganz enorme Summe. Also, man kann sich vorstellen, ein Universitätsprofessor hat 6.000 Mark im Jahr bekommen, und das war das 25-fache."

Im Jahr darauf folgte eine Professur in Marburg und kurz darauf die Hochzeit mit Else Spinola, der 22 Jahre jüngeren Tochter des Verwaltungsdirektors der Berliner Charité. Gesteigert wurden Behrings Erfolge nur noch durch das Jahr 1901: Er wurde in den erblichen Adelsstand erhoben und bekam den ersten jemals vergebenen Nobelpreis in Medizin. Ulrike Enke war sich lange nicht sicher, ob der wohlhabende Emil Adolf von Behring den Nobelpreis und das Preisgeld wirklich so zu schätzen wusste.

Unternehmensgründung trotz angeschlagener Gesundheit

"Wir haben inzwischen aber neue Briefe gefunden, von Else von Behring an ihre Mutter. Und sie schreibt dann: 'Emil muss sich immer zwicken, um zu glauben, dass er den Preis wirklich erhält.'"

In Stockholm bei der Verleihung gab Behring eine elegante Figur ab. Doch körperlich ging es ihm schlecht. Wie so oft in seinem Leben. Behring litt an Rheuma und Schlaflosigkeit.

"Das Schlimmere ist aber eine Depression, die ihn eigentlich sein Leben lang begleitet hat."

Doch seine angeschlagene Gesundheit hielt ihn nicht davon ab, ein eigenes Unternehmen aufzubauen: die Behringwerke, die ab 1904 das Diphtherie-Heilserum produzierten und später auch das Tetanus-Heilserum, das Tausenden von Soldaten in den Schützengräben vor dem tödlichen Wundstarrkrampf rettete. Das Ende des Ersten Weltkriegs erlebte Emil von Behring nicht. Er starb mit 63 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung: am 31. März 1917.

"Ich denke, er war auch sehr, sehr stolz auf das, was er erreicht hat. Und das zeigt sich auch in den vielen Bildern, die wir von ihm haben. Ich hatte den Eindruck, jede sich bietende Gelegenheit nutzt er, um sich porträtieren zu lassen."

Das letzte Foto zeigt Emil von Behring friedlich - auf seinem Totenbett. Wie getrieben er Zeit seines Lebens war, sieht man darauf nicht.

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