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StartseiteKalenderblattFrank Lloyd Wright: Der erste "Starchitect" 08.06.2017

150. Geburtstag Frank Lloyd Wright: Der erste "Starchitect"

Er baute das Guggenheim Museum und das legendäre "Fallingwater", ein Haus auf einem Wasserfall: Frank Lloyd Wright. Doch der Architekt, der am 8. Juni 1867 geboren wurde, hatte noch ganz andere Visionen, die der Baumeister mit dem gigantischen Ego auch verwirklichte.

Von Jürgen Kalwa

Portrait des amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright 1949. (picture-alliance / dpa)
Der amerikanische Architekt im Jahr 1949. Seine Grundidee der "organischen Architektur" verwirklichte er in zahlreichen Gebäuden. (picture-alliance / dpa)
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"Man hat mir vorgeworfen, ich hätte gesagt, ich sei der großartigste Architekt der Welt. Falls ich das gesagt hätte, wäre das nicht sehr arrogant. So viele gibt es nämlich nicht. Was wir die letzten 500 Jahre als Architektur bezeichnet haben, war einfach nur unecht", sagte Frank Lloyd Wright. Das Fernsehinterview im Jahr 1957 war das letzte in seinem langen Leben, und so ausführlich und erhellend wie kein anderes zuvor.

Frank Lloyd Wright, damals bereits 89 Jahre alt, wollte der Nachwelt eine letzte Botschaft zukommen lassen. Über sich. Über sein Wirken. Und über seine Sorge vor gesellschaftlicher Konformität, die, so sagte er, "unsere Demokratie ruinieren wird".

Wright - der Innenarchitekt

Der Sohn eines Musiklehrers und Anwalts aus Wisconsin, geboren am 8. Juni 1867 in Richland Center, war und ist auch heute noch der bedeutendste amerikanische Architekt. Seine Karriere begann, als er mit 26 nach einer Zeit als Bauzeichner im Chicagoer Vorort Oak Park wohlhabende Auftraggeber fand, die bereit waren, seine Stilentwicklung mitzumachen.

Das betraf nicht nur die Entwürfe der Gebäude. Wright kümmerte sich auch um die Innenausstattung und entwarf Möbel, Lampen und streng grafische Wandornamente, die Anleihen bei der "Arts and Craft"- Bewegung seiner Zeitgenossen machte.

Nicht alle seiner 400 fertiggestellten Projekte haben überlebt. Doch die besten haben sich den Rang musealer Attraktionen erworben: Egal ob kleinere oder größere Baudenkmäler wie das Kreativzentrum namens Taliesin, das er für sich selbst in seiner Heimat errichtete. Wohnhäuser wie "Fallingwater" über einem Wasserfall in der abgelegenen Waldlandschaft von Pennsylvania. Oder Bürokomplexe wie das Johnson Wax Building in Racine. Sein vielleicht kräftigster Fingerabdruck ist das kreisrunde Guggenheim-Museum in New York mit seinem spiralförmigen Galeriengang.

Wright - der Eigenwillige

Für den renommierten New Yorker Architekturkritiker Justin Davidson ist es ein gelungenes Beispiel dafür, wie Wright dachte. Kontraste waren ihm wichtig, sagt Davidson:

"Wenn man auf Google Earth aus der Luft auf das Guggenheim-Museum schaut, springt es richtig heraus. Er fand einen Weg, mit dem Gebäude eine bemerkenswerte Spannung zu dem rechtwinkligen Rest von New York zu erzeugen."

Zu Lebzeiten Wrights galt dieser Entwurf - so wie manch anderer - als extrem eigenwillig.  

"Jemand hat gesagt, das Museum sehe aus wie eine Waschmaschine. Ich hab solche Reaktionen schon oft gehört, aber ich betrachte sie als wertlos", sagt Wright.

Wright prägte den "Prairie Style"

Urbane Architektur war gar nicht mal das Markenzeichen seiner vielfältigen Arbeit. Sondern sein von den weiten, offenen Landschaften der Vereinigten Staaten inspirierter "Prairie Style", der auf eine innovative Weise die Baumaterialien Stein und Holz mit großen Glasfenstern kombinierte, um lichtdurchflutete Räume zu schaffen. Mit Dächern mit weiten Überhängen als Schutz gegen Sonne, Regen und Schnee. Er gab dem Konzept den Begriff "organische Bauweise".

Nicht nur vielfältige amerikanische Natur regte Wrights Kreativität an, sondern auch die streng formalistische Kunst und Architektur Japans. Und die Musik, vor allem von Ludwig van Beethoven.

Allerdings stand diese Stilsensibilität im Ideenwettstreit mit Immigranten aus Europa wie den Bauhaus-Vertretern Walter Gropius und Mies van der Rohe ab den dreißiger Jahren nicht mehr hoch im Kurs. Sehr zum Leidwesen des Schriftstellers Tom Wolfe. Der klagte in seinem Buch "Mit dem Bauhaus leben":

"Zur Jahrhundertwende hatte Wright mit dem Prairie Style europäische Architekten wie Mies van der Rohe beeinflusst. Aber sie zollten ihm keinen besonderen Respekt. Sie taten so, als gehöre er der Vergangenheit an und sei schon tot. Das hat ihn auf 180 gebracht."

Halb Genie, halb Exzentriker

Dabei  sprühte er weiter unentwegt vor Ideen und verteidigte seinen Platz in der amerikanischen Gesellschaft als der erste so genannte "Starchitect", der - halb Genie, halb Exzentriker - im nichtkonformen, individuellen Charakter und dem Erscheinungsbild von Gebäuden einen wichtigen Symbolwert unseres Kulturlebens sah. Justin Davidson:

"Er war mehr als nur der Erfinder des Konzepts Promi-Architekt. Er sah sich als Hohepriester, der seinen Kunden das Gefühl gibt, dass sie von Glück sagen können, dass er ihnen seine Arbeit überlässt."

Frank Lloyd Wright starb am 9. April 1959 in Phoenix. Er wurde 91 Jahre alt.

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