Mittwoch, 18. Mai 2022

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20 Jahre Hale-Bopp im Perihel
Der Komet, der aus der Kälte kam

Vor 20 Jahren blickte alle Welt an den Nachthimmel, wo ein ungewöhnliches Objekt die Aufmerksamkeit weckte: Mit seinem langen Schweif und hell genug, dass er selbst am lichterfüllten Großstadthimmel nicht zu übersehen war, zog der Komet Hale-Bopp über Wochen die Blicke auf sich.

Von Hermann-Michael Hahn | 01.04.2017

Der Komet Hale-Bopp im März 1997
Der Komet Hale-Bopp im März 1997 (ESO)
Früher löste das Auftauchen eines Kometen oft Angst und Schrecken bei den Menschen aus. Wegen ihrer scheinbar unberechenbaren Bahnen galten Kometen als himmlische Vorboten irdischen Übels.
Erst Anfang des 18. Jahrhunderts konnte der englische Astronom Edmond Halley diesen Aberglauben entzaubern. Mithilfe des Newtonschen Gravitationsgesetzes zeigte er, dass Kometen keineswegs die himmlische Ordnung stören, sondern sich auf zum Teil sehr lang gestreckten Ellipsen um die Sonne bewegen. Er sagte die Wiederkehr eines inzwischen nach ihm benannten Kometen für das Jahr 1758 voraus.
Ende März zog der Komet Hale-Bopp anscheinend an der Andromeda-Galaxie vorbei (AIP)
Ende März zog der Komet Hale-Bopp anscheinend an der Andromeda-Galaxie vorbei (AIP)
Je größer die Ellipsenbahn ist, desto länger dauert ein Umlauf. Und entsprechend größer ist die Entfernung, aus der sich ein Komet der Sonne nähert. Der Halleysche Komet etwa dringt auf seiner lang gestreckten Ellipse regelmäßig bis in den Bereich jenseits der Bahn des sonnenfernsten Planeten Neptun vor.
Hale-Bopp erreichte heute vor 20 Jahren den sonnennächsten Punkt seiner Bahn. Zu diesem Zeitpunkt bewegte er sich knapp innerhalb der Erdbahn.
Im sonnenfernsten Bahnpunkt dagegen, den er zuletzt vor fast 1300 Jahren passierte, ist er rund 370-mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Hale-Bopp ist also wieder auf dem Weg zurück in tiefste Weltraumkälte.