Donnerstag, 15.11.2018
 
Seit 01:10 Uhr Hintergrund
StartseiteUmwelt und Verbraucher2010 war das wärmste Jahr auf dem Globus03.12.2010

2010 war das wärmste Jahr auf dem Globus

Meterologen sehen langfristigen Trend

Heiß ist es zurzeit in Mexiko, wo der Klimagipfel in Cancun nach Auswegen aus der weltweiten Erwärmung sucht. Und warm war es auch im Rest der Welt in diesem Jahr: 2010 könnte einen neuen – zweifelhaften – Rekord aufstellen und als das bisher wärmste Jahr in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen.

Von Georg Ehring

Es wird immer wärmer auf dem Globus. (AP)
Es wird immer wärmer auf dem Globus. (AP)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

Für das Gastgeberland der Welt-Klimakonferenz war 2010 auch in meteorologischer Hinsicht außergewöhnlich, sagt Felipe Adrian Vazques, der Generaldirektor des nationalen meteorologischen Dienstes von Mexiko:

"Im Februar hat es so viel geregnet wie noch nie, im Juni ebenfalls und im Oktober war es so trocken wie noch nie in diesem Monat. Wir haben also in unserem Land ein Jahr der Extreme erlebt."

Extrem war das Wetter allerdings nicht nur in Mexiko – in vielen Weltregionen hat die Meteorologische Weltorganisation WMO außergewöhnliche Wetterextreme verzeichnet. So die Überschwemmungen in Pakistan und die Hitzewelle in Russland. Und auch das gesamte Jahr könnte einen neuen Rekord in der Geschichte der Temperaturaufzeichnung bringen. Bisher war 1998 das wärmste Jahr, knapp gefolgt von 2005, doch der Rekord könnte fallen. Das Endergebnis werde allerdings knapp ausfallen, es gehe um hundertstel Grad im globalen Durchschnitt. Michel Jarraud, der Generalsekretär der WMO.

"Zurzeit liegt es etwas höher als 1998 und 2005. Die Abweichung vom langfristigen Mittel liegt bei 0,55 Grad Celsius."

Und damit zwei hundertstel Grad über dem Jahr 1998. Im Februar will die WMO die endgültigen Daten zusammenhaben. Auch wenn Europäer und Nordamerikaner ihn anders in Erinnerung haben – auch der vergangene Winter war im weltweiten Maßstab ungewöhnlich warm:

"Es war sehr warm in Grönland, in der Arktis und über Nordkanada – erinnern Sie sich an die Olympischen Spiele in Vancouver – aber auch in großen Teilen Asiens und Nordafrikas, im Norden Brasiliens und so weiter. Also: Trotz des Eindrucks einer ungewöhnlich kalten Zeit, den man örtlich in einigen Teilen Europas haben konnte, war es weltweit wärmer als gewöhnlich."

Es ist kein Zufall, das solche Daten auf einer Klimakonferenz verkündet werden – für die Meteorologen ist der Trend klar: Die Erwärmung lasse sich durch natürliche Wetter-Variabilität nicht mehr erklären. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt der Trend nach oben, wenn auch mit Schwankungen. Auf die Frage, ob der Mensch dabei seine Hand im Spiel hat, antwortet Jarraud nur kurz mit "ja".

Viel mehr will er dazu nicht sagen, nur, dass Klima ein komplizierteres Phänomen ist, als Temperaturkurven es ausdrücken können und dass die genaue Ursachenforschung Sache der Klimatologie und nicht der Wetterkunde sei. Die Meteorologie wolle den Politikern aber die Daten liefern, auf deren Grundlage sie dann ihre Entscheidungen treffen können. Und die lassen an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. Und um es etwas nachvollziehbarer zu machen, was zum Beispiel Europa bevorsteht, wenn der Klimawandel nicht gebremst wird, ordnet der Generalsekretär der Meteorologischen Weltorganisation noch den Rekordsommer 2003 in den langfristigen Trend ein:

"Diese Hitzewelle war wirklich außergewöhnlich. Sie bewegte sich wirklich nicht mehr im Rahmen der natürlichen Schwankungen. Sie lag völlig außerhalb der Normalverteilung. Wenn der Trend in den nächsten 50 Jahren so weiter geht, ist ein Jahr wie 2003 überhaupt nicht mehr außergewöhnlich, es wird wahrscheinlich sogar eher als relativ kühl gelten."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk