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StartseiteWirtschaft und GesellschaftJubiläum einer Mehrwegverpackung27.08.2019

50 Jahre "Perlenflasche"Jubiläum einer Mehrwegverpackung

Mehrwegflaschen sind ökologisch gegenüber Einweg-Verpackungen klar im Vorteil. Bei Mineralwasser ist die sogenannte Perlenflasche der Klassiker, seit 50 Jahren ist sie auf dem Markt. Sie ist damit eines der ältesten Mehrwegsysteme - seit 1996 nicht nur aus Glas, sondern auch in der Kunststoffversion.

Klemens Kindermann im Gespräch mit Jessica Sturmberg

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Wasser wird aus der Flasche in ein Glas eingeschenkt (imago/Photocase)
Mineralwasser aus "Perlenflaschen" gibt es seit 50 Jahren (imago/Photocase)
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Jessica Sturmberg: Dieses Verpackungs-Produkt hat wahrscheinlich jeder deutsche Verbraucher schon in der Hand gehabt: die sogenannte Perlenflasche, in der ein Großteil des Sprudels und der Limonaden in Deutschland verkauft wird. Morgen wird diese Flasche 50 Jahre alt. Frage an Klemens Kindermann aus unserer Wirtschaftsredaktion – eine Erfolgsgeschichte?

Klemens Kindermann: Ja, eine außerordentliche sogar. Ich habe diese 0,7-Liter-Flasche mal mit ins Studio gebracht. Und wenn wir beide, Frau Sturmberg, jetzt anfangen würden zu zählen, dann kämen wir auf genau 230 Perlen auf der Oberfläche der Flasche. Das sind diese Noppen hier, die sollen an Kohlensäure erinnern. Was man nicht so schnell zählen kann, das ist die Zahl der seit 1969 hergestellten Perlenflaschen: das waren insgesamt 5,5 Milliarden, hat die Genossenschaft Deutscher Brunnen jetzt ausgerechnet. Eine unvorstellbar große Zahl. Diese Perlenflasche hat etwas geschafft, was nur wenige Produkte schaffen: alleine durch die Form ist klar, worum es geht, nämlich um Mineralwasser. 97 Prozent der Verbraucher in Deutschland – so eine Umfrage - verbinden die Perlenflasche mit Mineralwasser.

Etwa 300 Vorgängermodelle

Sturmberg: Wie kam es überhaupt zur Einführung dieser Perlenflasche?

Kindermann: Wenn wir das halbe Jahrhundert zurückreisen: 1969. Da gab es ganz viele Flaschentypen, die die Mineralbrunnen einsetzten, etwa 300 verschiedene. Die kursierten praktisch nur im regionalen Umfeld, also nicht weit vom jeweiligen Quellort entfernt. Ziel war es damals, eine Flasche zu finden, die möglichst viele Hersteller akzeptierten, so dass schneller wiederbefüllt werden konnte. Also eine rein ökonomische Überlegung.

Und es gab noch eine zweite Anforderung: damals, vor 50 Jahren, waren Wasserflaschen mit Hebelverschluss üblich, sehr hübsch anzusehen, aber ziemlich umständlich für eine Wiederbefüllung. Die neue Einheitsflasche sollte ein Außenschraubgewinde haben. Als das alles geklärt war, stimmten 142 Mineralbrunnenvertreter am 28. August in Bad Godesberg mit großer Mehrheit für die Perlenflasche.

Ökologisch im Trend

Sturmberg: Ökologisch liegt die Flasche voll im Trend?

Kindermann: Einerseits schon: immerhin ist das Ganze ein gut funktionierendes Mehrwegsystem. Damals vor 50 Jahren war das eine ganz und gar ökonomische Entscheidung, heute muss man sagen: das ist eines der ältesten und am meisten verbreiteten Rücknahmesysteme. Jede Glasflasche kann bis zu 50 mal wiederbefüllt werden.

Hinzu kommt die jüngste Diskussion um Plastikverpackungen und Plastikmüll: Zwar gibt es die Perlenflasche seit 1996 auch in einer Kunststoffversion als PET-Mehrwegflasche. Aber die Hersteller merken bereits, dass der Griff zur Glasflasche wieder zunimmt.

Mineralwasser oder Leitungswasser

Sturmberg: Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat die Mineralwasser-Hersteller jetzt ziemlich verärgert – warum?

Kindermann: Weil sie für mehr Umwelt- und Klimaschutz dazu aufgerufen hat, Leitungswasser zu trinken. Wer Leitungswasser trinke, spare Geld, Energie und unnötige Verpackungen. Schulze fördert ein Projekt mit mehr als 1 Million Euro, wo unter anderem Trinkorte entstehen sollen, wo man seine Wasserflasche auffüllen kann.  

Das finden die Mineralwasserproduzenten nun nicht so gut. Natürliches Mineralwasser und Leitungswasser seien «zwei völlig unterschiedliche Produkte». Mineralwasser dürfe nur sehr wenigen schonenden Behandlungsverfahren unterzogen werden, beim Leitungswasser seien zahlreiche Aufbereitungsverfahren zugelassen, so das Argument.

Letztlich wird der Verbraucher entscheiden, ob er Leitungswasser konsumieren oder lieber das Gefühl haben will, aus einer Mineralquelle zu trinken - und aus der Perlenflasche, die jetzt 50 wird.

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