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StartseiteKultur heute"Versteckspiel ist Teil einer PR-Strategie"01.05.2019

500. Todestag Leonardo da Vinci "Versteckspiel ist Teil einer PR-Strategie"

Fast wie ein Heiliger wird er weltweit verehrt und meist "Universalgenie" genannt, denn Leonardo da Vinci war Bildhauer, Architekt, Ingenieur, Designer und Maler. Sein verschwundenes Bild "Salvator Mundi" gibt weiterhin viele Rätsel auf. Möglicherweise werde es sogar zurückgehalten, sagt Kunsthistoriker Frank Zöllner im Dlf.

Frank Zöllner im Gespräch mit Antje Allroggen

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Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" (imago / Future Image)
Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" (imago / Future Image)
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Der französische König Franz I. hatte Leonardo da Vinci sein Schloss Clos Lucé, ein Herrenhaus unweit des Königsschlosses Amboise als Alterssitz überlassen. Dort ist der Künstler am 2. Mai 1519 gestorben. Das Haus ist heute ein Pilgerort geworden, den allein im letzten Jahr 400.000 Menschen besuchten. Leonardo da Vinci gilt als Ausnahmetalent, um das besonders im Jubiläumsjahr viel Wirbel gemacht wird. In seiner Geburtsstadt Vinci in der Toskana soll eine Leonardo zugeschriebene Haarsträhne ausgestellt werden. Der Titel der Ausstellung lautet: "Leonardo lebt."

Besonders die Diskussionen um das Gemälde Salvator Mundi nähren den Mythos Leonardo. Das Werk zeigt Christus als Erlöser. Es wurde 2017 beim Auktionshaus Christie‘s für die Rekordsumme von 450 Millionen Dollar versteigert. Einen Monat nach der Auktion verkündete die Kultur- und Tourismusbehörde von Abu Dhabi, das Gemälde erworben zu haben. Es solle im neu eröffneten Louvre des Emirats gezeigt werden, hieß es.

Frage der Echtheit

Eine im letzten Herbst angekündigte Präsentation wurde jedoch kurz zuvor ohne Nennung von Gründen abgesagt und Experten bezweifeln inzwischen, dass das Bild tatsächlich aus der Hand des Meisters stammt. 

Der Kunsthistoriker und Herausgeber der Jubiläumsausgabe des Werkverzeichnisses zu Leonardo da Vinci, Frank Zöllner glaubt, dass möglicherweise ein Restaurator nachträglich Hand an das Gemälde gelegt hat:

"Die Religiosität dieses Gemäldes ist eine Facette, die man jetzt bei Leonardo etwas mehr dazu denken muss, denn so ein unheimlich-religiöses Bild, mit diesem Sfumato, mit diesem Dunklen, das gibt es so bislang von ihm noch nicht. Jedenfalls nicht in einer so ikonischen Präsenz, das ist ja eine Frontalansicht, die einem fast entgegenspringt.

Möglicherweise ist das Bild auch nicht wirklich verschwunden, sondern wird absichtlich zurückgehalten, meint Zöllner, der vermutet, dass das Versteckspiel Teil einer Werbestrategie ist.

"Noch nie ist ein Gemälde so aggressiv vermarktet worden. Das funktioniert ganz einfach, das Bild verschwindet jetzt, keiner weiß wo es ist, das führt aber dazu, dass wir alle darüber reden. Daher mein Verdacht, irgendwie wollen die die Sache noch interessanter machen."

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