Investmentfirma ist insolvent
Hertha-Investor 777 steht vor dem Aus

Das Vorhaben Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga ist Hertha BSC misslungen. Doch neben einem weiteren Jahr Zweitklassigkeit droht dem Hauptstadtclub noch viel schlimmeres Ungemach. Der US-Investor 777 Partners ist zahlungsunfähig.

Von Constantin Eckner | 19.05.2024
Kay Bernstein (r.), verstorbener Präsident von Hertha BSC, Josh Wander, Geschäftsfürher von 777 Partners und Hertha-Geschäftsführer Thomas E. Herrich halten ein Hertha-Trikot mit der Nummer 777 hoch.
Herthas verstorbener Präsident Kay Bernstein (l.), Josh Wander (M.), CEO von 777 Partners und Hertha Geschäftsführer Thomas E. Herrich bei der Vorstellung von 777 bei Hertha BSC. Mittlerweile ist der Investor zahlungsunfähig. (IMAGO / Matthias Koch / IMAGO / Sebastian Räppold / Matthias Koch)
Wenn die einarmigen Banditen in Casinos dreimal die "7" zeigen, folgt der große Gewinn. Aber die meisten verlassen die Zockerhallen als Verlierer. Eine Zockermentalität zeigten lange Zeit auch die Verantwortlichen von 777 Partners. Mehr oder weniger zufällig war die in Miami ansässige Investmentfirma vor ein paar Jahren in den Fußball gekommen. Ursprünglich an Übertragungs- und Vermarktungsrechten interessiert, erwarb 777 einige Fußballvereine, darunter Standard Liège, Genoa CFC und CR Vasco da Gama. Im März 2023 kaufte man zudem die zuvor in den Händen der Tennor Holding mit Lars Windhorst befindlichen Anteile an Hertha BSC.
Gerade Josh Wander, das Gesicht von 777, konnte zunächst Zuversicht verbreiten. Doch es gab schon lange Zweifel an der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit. Nun der Dammbruch.

Journalist Brown: "777 versucht am Leben zu bleiben"

"777 ist an sich insolvent. Es hat kein Geld mehr und versucht aktuell die vorhandenen Assets zu transferieren oder zu verkaufen, um am Leben zu bleiben", sagt Paul Brown. Der englische Journalist hat zusammen mit Philippe Auclair für das Portal "Josimar" ausgiebig zum Fall von 777 Partners recherchiert und publiziert.
Gegen die Investmentfirma sind bereits seit geraumer Zeit einige Verfahren anhängig. Zuletzt kam eine Klage von Leadenhall Capital Partners hinzu. Darin wird mitgeteilt, dass 777 dem Londoner Finanzhaus 600 Millionen US-Dollar schulden würde und aktuell nicht in der Lage wäre, auch nur einen kleinen Teil davon zurückzuzahlen. Seit kurzem haben die finanziellen Probleme auch direkte Auswirkungen auf die im Besitz befindlichen Unternehmen. Ein brasilianischer Richter hat 777 bereits die Kontrolle über Vasco da Gama entzogen und diese an den Clubvorstand übergeben. Die Anteile an Standard Liège wurden unterdessen von einem belgischen Gericht beschlagnahmt.

"Ein großes Hütchenspiel"

Paul Brown und Philippe Auclair haben lange versucht herauszufinden, welche Strategie 777 genau verfolgt hat. "Uns wurde immer wieder gesagt, dass es sich um ein großes Hütchenspiel handeln würde. Also wie bei einem Spiel, bei dem die Hütchen hin- und herbewegt werden und man raten soll, unter welchem Hütchen sich der Ball befindet. Nun, in finanzieller Hinsicht ist es so, dass der Ball das Geld ist. Und das Geld muss ständig zwischen verschiedenen Gerichtsbarkeiten, verschiedenen Clubs hin- und herbewegt werden, damit das Ganze am Leben erhalten wird. Es sieht aber im Moment so aus, als würden sich die Hütchen nicht mehr bewegen."
Anders formuliert: 777 hat ständig Geldmassen umhergeschoben, damit eine gewisse Finanzstärke vorgegeben wurde und zugleich einzelne Schuldner oder Investmentprojekte bedient werden konnten. Als jedoch immer mehr Schuldner dem Treiben auf die Schliche kamen und die Gerichte herangezogen wurden, konnte 777 nicht mehr frei handeln.

Insolvenzverwalter versucht, Club-Anteile zu verkaufen

Was das konkret für die Zukunft der Fußballclubs oder auch die britische Basketballliga, an welcher 777 ebenfalls Anteile hält, bedeutet, ist noch unklar. Josh Wander und Steve Pasko, die beiden einstigen Lenker, sind mittlerweile von ihren Managementposten zurückgetreten. Ein Insolvenzverwalter würde versuchen, die vorhandenen Assets – sprich: die Anteile an den Clubs – zu verkaufen, um zumindest einen Teil der Schulden zu begleichen.
Christoph Breuer, Sportökonom von der Deutschen Sporthochschule Köln, sagt dazu: "Wenn wir beim Beispiel Hertha bleiben, würde das bedeuten, dass versucht würde, die gerade erstandenen Anteile weiterzuverkaufen an einen anderen Investor. Politisch ist es natürlich eine Sache, aber rein finanziell wäre das noch nicht bedrohlich, weil gleiche Eigenkapitalanteile da wären, aber ein anderer Besitzer."

Hertha droht eine Finanzierungslücke

Bei Hertha BSC herrschte vergleichsweise lange Zeit relative Ruhe, auch als während der von 777 versuchten Übernahme des englischen Erstligisten Everton immer mehr kritische Berichte aufkamen. Allerdings könnte sich eine Finanzierungslücke auftun. Denn bislang sind im Rahmen einer erfolgten Erhöhung der Kommanditanteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA auf 78,8 Prozent lediglich 75 der zugesagten 100 Millionen Euro von 777 an Hertha geflossen. Die DFL hat dem Club zunächst die Lizenz für die Saison 2024/25 erteilt. Die Lizenzerteilung wurde an eine Bedingung geknüpft, diese soll laut des Hauptstadtclubs jedoch nicht im Zusammenhang zu 777 stehen, wie der "Sportschau" auf Anfrage mitgeteilt wurde.
Eine finanzielle Lücke droht trotzdem. Zudem die Ungewissheit darüber, wer nach einem möglichen Verkauf die Anteile besitzen wird. Ein Insolvenzverwalter wird auf einen Verkauf drängen, aber diesem muss die Hertha BSC Verwaltung GmbH als persönlich haftende Gesellschafterin zustimmen. Bis sich Lösungen für die Hertha-Anteile wie auch weitere Assets von 777 Partners finden, könnte es eine Weile dauern. Keine guten Nachrichten für Hertha und die anderen betroffenen Fußballclubs.