85. Geburtstag von Robert Woodrow WilsonUrknall ohne Taubendreck

Vor 85 Jahren kam in Houston Robert Wilson zur Welt. Im Alter von erst 28 Jahren gelang ihm 1964 eine epochale Entdeckung – zusammen mit seinem Kollegen Arno Penzias. Dafür erhielten sie 1978 den Nobelpreis für Physik.

Von Dirk Lorenzen | 10.01.2021

Mit dieser Hornantenne (Aufnahme aus dem Jahr 1962) haben Wilson und Penzias das Nachleuchten des Urknalls entdeckt
Mit dieser Hornantenne (Aufnahme aus dem Jahr 1962) haben Wilson und Penzias das Nachleuchten des Urknalls entdeckt (NASA)
Beide arbeiteten damals für die Bell Telephone Labs und sollten untersuchen, ob sich per Satellit interkontinentale Funkverbindungen herstellen lassen. Bei ihren Messungen mit einem besonders empfindlichen Radioteleskop stießen Robert Wilson und Arno Penzias auf ein rätselhaftes Rauschsignal. Es kam gleichmäßig aus allen Richtungen. Zunächst glaubten sie an eine irdische Störstrahlung. Sie entfernten sogar den Kot, den Fledermäuse und Tauben in dem 15 Meter großen Instrument hinterlassen hatten – sie sprachen von "weißem dielektrischen Material".
Schließlich waren alle möglichen Störquellen ausgeschlossen. Das Signal musste aus den Tiefen des Kosmos kommen, ohne dass die beiden Astronomen wussten, was das sein könnte. Erst der Kontakt zu Kollegen der Princeton Universität ganz in der Nähe brachte Klarheit: Wilson und Penzias hatten die von der Urknalltheorie vorhergesagte kosmische Hintergrundstrahlung entdeckt.
In den 1960er-Jahren nur eine Ahnung, heute in allen Details vermessen: Die kosmische Hintergrundstrahlung
In den 1960er-Jahren nur eine Ahnung, heute in allen Details vermessen: Die kosmische Hintergrundstrahlung (ESA)
Demnach muss ein Universum, das aus einem extrem heißen Anfang hervorgegangen ist, heute noch nachglühen – bei einer Temperatur von etwa drei Grad über dem absoluten Nullpunkt. Wilson und Penzias veröffentlichten den Fachartikel "Die Messung einer erhöhten Antennentemperatur bei 4080 Megahertz". Für die anderthalb Seiten gab es 1978 den Nobelpreis für Physik.