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StartseiteForschung aktuellAbschied für immer21.07.2011

Abschied für immer

Eindrücke vom letzten Flug des Space Shuttle

Raumfahrt. - Jetzt ist die Klappe endgültig gefallen. Das letzte US-Spaceshuttle ist zurück im Kennedy Space Center in Florida. Das Raumfährenprogramm der Nasa ist nach 30 Jahren beendet. Die Nasa beging das Ende einer Ära mit allem Pomp, der ihr möglich war. Was danach kommt, wird sich zeigen.

Von Ralf Krauter

Ende einer Ära: Als letztes Space Shuttle landete die  Atlantis  in Cape Canaveral (AP / Pierre Du Charme)
Ende einer Ära: Als letztes Space Shuttle landete die Atlantis in Cape Canaveral (AP / Pierre Du Charme)

Keine Frage: Die geflügelten Raumfähren haben Raumfahrtgeschichte geschrieben. Aber so penetrant, wie uns die Nasa während der Abschiedsvorstellung darauf hinwies, war es dann doch etwas viel Selbstbeweihräucherung.

"T minus 10, 9, 8, 7, 6, 5... all three engines up and burning... 2, 1, 0... and lift off. The final lift-off of Atlantis. On the shoulders of the space shuttle America will continue to dream…"

"Auf den Schultern des Space Shuttles wird Amerika weiter träumen", verspricht der Kommentator beim Start. Und es kommt noch besser.

"The Space Shuttle spreads its wings one final time for the start of a sentimental journey into history."

"Das Space Shuttle entfaltet seine Schwingen ein letztes Mal, für eine sentimentale Reise in die Geschichte." Spätestens hier war klar: Diesmal muss Hollywood Textbausteine geliefert haben.

"For the last time, the Space Shuttle main engines have fallen silent, as the Shuttle slips into the final chapter of a storied 30-year adventure."

"Der Flug der Atlantis - das letzte Kapitel eines 30-jährigen Abenteuers." Das mag schon sein, aber muss man deshalb das Abschalten der Triebwerke zu einem historischen Moment stilisieren? Etwas weniger Pathos hätte es auch getan. Aber so sind sie nun mal, "die Amerikaner". Wenn schon Inszenierung, dann richtig.

So kam die Nasa zum Beispiel auf die tolle Idee, die Atlantis-Crew jeden Morgen von Weltstars wecken zu lassen.

"Good Morning Atlantis, this is Elton John. We wish you much success on your mission. And a huge thank you to all the men and women at Nasa who worked on the Shuttle for the last three decades. Good morning Houston. Wow, Elton John, music legend. That was absolutely fantastic."

Tags darauf ist REM-Sänger Michael Stipe dran.

"If you believed, they put a man on the moon."

Weil seine Botschaft haargenau gleich lautet, wie die von Elton John, wird allerdings klar: Es sind Tonkonserven, die da gespielt werden, mit vorgefassten Texten, in denen sich die Nasa selbst loben lässt. Wer so was nötig hat, muss tief in der Sinnkrise stecken. Kein Wunder, schließlich kommen Amerikaner die nächsten Jahre nur mit russischen Raketen ins All. Präsident Obama bemühte sich deshalb, für Erheiterung zu sorgen. Indem er bei seinem Anruf vorgab, er wolle eigentlich nur Pizza bestellen.

"Hello."

"Hello, this is the ISS."

"That’s funny, see, because I was just dialing up for pizza and I didn’t expect to end up in space."

"Well, Sir, it’s really an honor and a privilege that you took some time out of your busy day to meet with us."

Doch allen Live-Schaltungen, Lobhudeleien und inszenierten Sentimentalitäten zum Trotz: Die letzte Mission der Atlantis bleibt unspektakulär. Die Raumfähre bringt Tonnen von Vorräten zur internationalen Raumstation - und Müll und Elektroschrott zurück zur Erde. Bevor sie wieder ablegt, gibt es eine Zeremonie in der Verbindungsschleuse. Shuttle-Commander Christopher Ferguson überreicht der ISS-Besatzung vor laufender Kamera ein Modell des Space Shuttles – zur Erinnerung an alte Zeiten.

"It looks absolutely fantastic, Mike. It’s the next best thing to actually being here."

"Sieht phantastisch aus. Das ist fast so gut wie wirklich hier zu sein", kommentiert Ferguson die Installation des Modells an der ISS-Bordwand.

"and that presentation is a special flag…"

Dann überreicht er noch eine US-Flagge, die 1981 mit dem ersten Shuttle geflogen war, und nimmt endgültig Abschied. Schulterklopfen, Umarmungen, dann schwebt die Crew durch die Schleuse. Klappe zu, Kapitel abgeschlossen. Es war der 37. und letzte Besuch eines Space Shuttles. Das ISS-Kontrollzentrum in Houston bedankt sich mit einem abgelesenen Text.

"Of course, the ISS wouldn’t be here without the space shuttle…"

"Natürlich gäbe es die ISS ohne das Space Shuttle gar nicht. Deshalb wollen wir Danke und den tollen Maschinen und ihren Besatzungen Lebewohl sagen, die unser Weltklasse-Labor in den Orbit gebracht und dort Schritt für Schritt zusammen gebaut haben."

"So Fergie, Junkie, Sandy and Rex get home safely and enjoy the last days in the space shuttle Atlantis."

Um 11 Uhr 57 heute Mittag haben Fergie, Doug, Sandy und Rex die Raumfähre Atlantis heil auf dem Kennedy Space Center in Florida gelandet. Die Space Shuttle sind damit endgültig Geschichte. Aus, Schluss, vorbei. Die Nasa hat damit mehr als nur ein Transportproblem. Sie muss sich dringend was Neues einfallen lassen müssen, um die Menschen auch künftig medienwirksam für die bemannte Raumfahrt zu begeistern.

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