Mittwoch, 27.03.2019
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteUmwelt und VerbraucherDer weite Weg bis zur Barrierefreiheit 18.12.2018

ADAC-Test Der weite Weg bis zur Barrierefreiheit

Fehlende Aufzüge, zu hoch angebrachte Bedienelemente, zugestellte Behindertentoiletten: Für Menschen mit Behinderung ist es noch immer schwierig, sich durch Innenstädte problemfrei zu bewegen. Denn an der Barrierefreiheit wird zwar vielerorts gearbeitet - aber richtig gut umgesetzt ist sie noch nirgends.

Von Tobias Krone

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Rollstuhlfahrer verlässt einen U-Bahnhof über eine Rampe. (picture alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Für viele Rollstuhlfahrer ist die Fahrt mit der U-Bahn in die Innenstadt eine große Herausforderung (picture alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Mehr zum Thema

Raul Krauthausen, Inklusions-Aktivist "Wir brauchen so strenge Gesetze wie beim Brandschutz"

Verkehrsplanung Besser zu Fuß durch die Stadt

Neue Technik für Blinde Die Erben des Louis Braille

Welt-Braille-Tag Barrierefreiheit im Fernsehen hat Entwicklungspotential

Inklusionsforschung Teilhabe in der Wissenschaft stärken

Inklusions-Initiative "Im Moment herrscht eine ganz große Sorge"

Barrierefreies Planen und Bauen Im Blick haben, wie sich das Leben verändern wird

Ein Besuch auf dem Amt - und danach ein kleiner Bummel im Einkaufszentrum nebenan. Alltag für so gut wie jeden von uns. Doch nicht alle haben einen gleich guten Zugang. Wer im Rollstuhl sitzt, oder sehbehindert ist - kann schnell wortwörtlich vor kaum überwindbaren Hürden stehen. In einem Test war der ADAC in zehn deutschen Großstädten unterwegs - und wendete die diversen gesetzlichen Normen auf die Realität an. Sprecher Johannes Boos.

"Dort haben wir jeweils fünf große Einrichtungen unter die Lupe genommen, zum Beispiel das zentrale Einwohnermeldeamt, den Hauptsitz der Volkshochschule und das größte Einkaufszentrum mit mindestens zwei Etagen. Und das immer in Verbindung mit der nächsten ÖPNV-Haltestelle und barrierefreien Parkmöglichkeiten."

ADAC sieht überall Defizite

Die Ergebnisse lassen sich wohl am Besten so zusammenfassen: An der Barriefreiheit wird gearbeitet - aber richtig gut umgesetzt ist sie noch nirgends. Auf ein Städteranking haben die Tester verzichtet.

"Stattdessen haben wir über alle Einrichtungen hinweg verschiedene Einzelpositionen herausgearbeitet. Am Ende wird also zum Beispiel die Frage beantwortet, wie die barrierefreie Qualität aller Aufzüge im Test war oder die Qualität aller Treppen, die wir in den Einrichtungen und in deren Umfeld getestet haben."

Für Rollstuhlfahrer sind gute Aufzüge wichtig, für Sehbehinderte auch gut markierte Treppen. Hier sieht der ADAC überall Defizite.

"Wir haben im Test keine einzige Treppe gefunden, die komplett barrierefrei gewesen wäre. Das heißt, dass es zum Beispiel am oberen Anfang kontrastreiche und ertastbare Felder gibt, die Menschen mit Sehbehinderungen warnen. Bei den Aufzügen haben nicht mal ein Drittel die Mindestanforderungen erfüllt. Da muss sich auf jeden Fall etwas ändern."

Auch beim Kauf einer Fahrkarte warten Hürden

Besser werden muß auch der Zugang zum Nahverkehr, und die Möglichkeit zu parken. Auch hier gibt es Hürden für Menschen mit Handicap - und zwar vor allem beim Kaufen der Fahrkarte oder des Parkscheins.

"Die Bedienelemente sind häufig zu hoch angebracht, das war bei fast zwei Drittel der Parkscheinautomaten und bei mehr als drei Viertel der Ticketautomaten im ÖPNV der Fall. Automaten und Theken hatten zwar genügend Freiraum, die Theken selbst waren aber nur selten unterfahrbar. Das ist für Rollstuhlfahrer wichtig."

Grundsätzlich waren dem Test zufolge die Abstände zwischen Hindernissen für Rollstuhlfahrer meist breit genug angelegt, aber nicht immer mit kontrastreichen Feldern versehen ein Problem für Sehbehinderte. Jedoch nicht überall müssen gleich neue Konstruktionen her. Manchmal würde auch eine bewusstere Einstellung des Personals reichen.

"Manchmal sind im Test Kleinigkeiten aufgefallen, die sich schnell ändern ließen. Zum Beispiel ein abgestellter Putzwagen vor dem Zugang zur Behindertentoilette."

Kein zufriedenstellendes Fazit

Der Test in den zehn Großstädten hat die Prüfer nicht zufriedengestellt. Das Fazit von ADAC-Sprecher Boos.

"Es sind noch viele Anstrengungen nötig, bis wir alle Wege unseres täglichen Lebens barrierefrei gehen können. Kommunen und Betreiber von Einrichtungen des öffentlichen Lebens sind gleichermaßen gefordert, sich für dieses wichtige Thema noch mehr zu engagieren als bisher."

Und grundsätzlich gilt: Auch als älterer Mensch oder als Eltern mit Kinderwagen freut man sich über funktionierende Aufzüge, gesicherte Rampen und gut zugängliche Fahrkartenautomaten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk