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Adieu TristesseFrankreichs Norden versucht den Aufbruch

Mitte März sind Kommunalwahlen in Frankreich. Spannend wird es im Norden, wo der rechtsextreme „Rassemblement National“ fest verankert ist und neue Rathäuser erobern will. In manchen Städten in der Region ist jeder Dritte arbeitslos. Doch es gibt auch Ansätze eines ökologisch-demokratischen Aufbruchs.

Von Bettina Kaps | 14.03.2020

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Graffiti-Erinnerung an die Bergmänner Nordfrankreichs - heute kämpft die Region mit dem Strukturwandel (Stefanie Otto)
Regnerisch, trüb und problembeladen: Dieser Stempel haftet der Region "Hauts-de-France" an. Die Gegend an der Grenze zu Belgien ist arm, die Bevölkerung leidet noch immer unter dem Ende der Kohle-, Stahl- und Textilindustrie.
Aber großartige Kulturstätten wie der Ableger des Pariser Louvre-Museums sind nach Nordfrankreich gezogen, binden die Bevölkerung in ihre Arbeit ein. Und auch kleine Städte beweisen Ehrgeiz: So macht ein Bürgermeister von sich reden, weil er mit seiner 7.000-Einwohner-Kommune den Weg in ein Jahrhundert der Demokratie, der Kooperation und Ökologie antritt.
Ob die Menschen an diese Werte glauben – auch darüber werden die Wahlergebnisse im März Rückschlüsse zulassen.
Der französische Fotograf Vincent Jarousseau
Ein Fotograf sucht die Wurzeln des Zorns
In Nordfrankreich hat der rechtsextreme "Rassemblement National" besonders viele Sympathisanten. Etwa in Denain. Der Fotograf Vincent Jarousseau hat dort Menschen porträtiert, die am unteren Rand der Gesellschaft leben.
Blick auf Loos-en-Gohelle im Nordfranzösischen Kohlerevier - Unesco-Weltkulturerbe seit 2012
Eine Kleinstadt wagt die Öko-Demokratie
In vielen früheren Bergarbeiterstädten in Nordfrankreich herrscht Frust. In Loos-en-Gohelle dagegen setzt ein grüner Bürgermeister auf Ökologie und Bürgerbeteiligung - mit Erfolg: Zu den Kommunalwahlen gibt es keine Gegenkandidatur von rechts.
Das Louvre Lens mit seiner markanten Pyramidenoptik
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Sonnenaufgang über dem nordfranzösischen Kohlerevier
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Die Unesco zeichnete 2012 große Teile des nordfranzösischen Kohlereviers als Weltkulturerbe aus. So sollen Touristen und Investoren angelockt und der Stolz auf die Industriekultur in der strukturschwachen Region geweckt werden. Auch zum deutschen Ruhrgebiet besteht enger Kontakt.
Die Computerexperten Dylan und Malcolm im
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Fourmies war einmal Industriezentrum für Wollspinnerei, doch heute ist die Stadt abgehängt, die Arbeitslosigkeit ist enorm. Jetzt hat das Rathaus die Digitalisierung entdeckt: Junge Experten sollen den Bürgern mit digitaler Technik neue Perspektiven bieten.