Thüringen
AfD-Bundesparteitag von weitreichenden Protestaktionen begleitet - AfD-Chefin Weidel stellt Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste in Aussicht

Auf dem von Protesten begleiteten Bundesparteitag der AfD in Erfurt hat die Parteiführung eine mögliche Kontroverse um die Öffnung gegenüber Rechtsextremen verhindert.

    Tino Chrupalla und Alice Weidel nehmen zu Beginn des Parteitags in Erfurt auf dem Podium Platz.
    Die AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel haben gleich zu Beginn des Parteitags einen Antrag abgewendet, der möglicherweise eine kontroverse Debatte zur Unvereinbarkeit mit rechtsextremen Gruppierungen ausgelöst hätte. (AFP / JOHN MACDOUGALL)
    Parteichefin Weidel stellte zu Beginn der Tagung eine Überarbeitung der sogenannten Unvereinbarkeitsliste binnen eines Jahres in Aussicht. Ein vom Thüringer AfD-Chef Höcke unterstützter Antrag wurde kurzfristig zurückgezogen und wird daher nicht mehr auf dem Parteitag behandelt. Trotz der Proteste erreichten fast alle der 600 Delegierten den Parteitag pünktlich. Viele AfD-Delegierte waren schon in der Nacht angereist. AfD-Parteichef Chrupalla warf den Demonstrierenden vor, "gegen die demokratische Willensbildung" zu protestierten.
    Laut Polizei waren am frühen Morgen mehr als 200 Reisebusse mit Demonstranten in der Thüringer Landeshauptstadt angekommen. Auf einer Zufahrtsstraße zum Messegelände beteiligten sich mehr als 800 Menschen an einer Sitzblockade. Mehrere Straßenbahnlinien wurden unterbrochen. Auch ein Teilstück der Autobahn 71 wurde gesperrt, weil dort ebenfalls tausende Demonstranten eine Sitzblockade errichtet hatten. Das Bündnis "Widersetzen" hatte bereits im Vorfeld Blockaden angekündigt und wertet die Aktion nach eigener Aussage als Erfolg.
    Zehntausende Beamte sind im Einsatz. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden ein Bürgerbüro der AfD und mehrere Polizisten mit Pyrotechnik und Farbbeuteln angegriffen. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers liegen bisher keine Hinweise vor, dass bei den Protestaktionen oder Blockaden Teilnehmende oder Polizisten ernsthaft verletzt wurden.
    Die Grünen-Politikerin Göring-Eckardt sagte im Deutschlandfunk, die AfD sei keine ganz normale Partei, sondern in Teilen rechtsextrem. Zudem sei Termin und Ort des Treffens auf den Tag genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Reichsparteitag im benachbarten Weimar nicht zufällig gewählt, und man könne nicht so tun, als ob dies ein ganz normaler Vorgang wäre. Sie rief zu Protesten auf und betonte, Blockaden seien vom Recht auf Versammlungsfreiheit gedeckt, solange sie friedlich blieben.
    Am Nachmittag stellen sich die Parteivorsitzenden Weidel und Chrupalla zur Wiederwahl. Die AfD will laut Beobachtern ein Zeichen der Geschlossenheit vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern aussenden, wo die Partei jeweils in Umfragen führt.
    Diese Nachricht wurde am 04.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.