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AfD in Rheinland-Pfalz Einfache Antworten zum Wahlkampfauftakt

Was der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland beim Wahlkampfauftakt in Mainz von sich gab, war vorhersehbar. Trotz – oder vielleicht gerade wegen allzu einfacher Antworten trauen Demoskopen der Partei zu, im März mit sieben Prozent in den Mainzer Landtag einzuziehen.

Von Anke Petermann | 06.01.2016

Menschen demonstrieren am 05.01.2016 in Mainz (Rheinland-Pfalz) gegen eine AfD-Versammlung.
Auch mehrere hundert Gegendemonstranten kamen nach Mainz. (picture alliance / dpa - Fredrik Von Erichsen)
Polizeidurchsage: "Wir bitten Sie, den Eingangsbereich freizuhalten!"
Die rund 300 AfD-Anhänger müssen sich mühsam den Weg zum abendlichen Wahlkampf-Auftakt im Finther Bürgerhaus bahnen, durch die Reihen von etwa ebenso vielen Gegendemonstranten des rot-rot-grünen und gewerkschaftlichen Spektrums.
Ulrich Feuerhelm: "Wir wollen gegen die AfD und gegen die Brandstifter demonstrieren - die AfD und die ganzen Rechtspopulisten sind die Brandstifter, und ihre Parolen wirken sich aus in Ausländerheimen, die angezündet werden. Sie sind die Brandstifter. Zum Beispiel er - und er."
Der Gewerkschafter deutet auf AfD-Anhänger, die den schmalen Durchgang passiert haben. Drinnen im Saal feiert die Parteiführung ihr Publikum als "Mutbürger", die ihr Recht auf Versammlungsfreiheit erkämpft hätten. Nur wenige Frauen darunter, keine am Rednerpult. Eine ist extra wegen Alexander Gauland gekommen. Die Frau im grünen Pulli schätzt am stellvertretenden Bundesvorsitzenden, dass er "die Realitäten" klar anspreche. Nämlich, "dass nicht jeder, der zu uns kommt, auch von uns mit offenen Armen empfangen werden sollte. Also, ich denke, wir überfordern unsere Gesellschaft ganz massiv, und es hat mir fast schon den Anschein, als wäre das nicht zufällig so."
Die Rede vom "Überschuss von den Menschen"
Soll Deutschland etwa abgeschafft werden, schwingt da als Frage oder Verschwörungstheorie mit. Der Klartext-Redner mit dem Markenzeichen Tweed-Sakko hält im fastnachtsdekorierten Bürgerhaus allerdings keine Wahlkampfrede, sondern einen außenpolitischen Vortrag. Das Referat beschließt er allerdings mit einem donnernden Plädoyer fürs Selbstbestimmungsrecht der "Vaterländer": "Und wenn die Polen keine Veränderung ihrer Zusammensetzung wollen, dann haben sie das Recht, und sie müssen keine Flüchtlinge aufnehmen."
Vor allen Dingen müssten sie nicht,
"Ich sag's jetzt ganz deutlich, den Überschuss von den Menschen aufnehmen, die Frau Merkel hierher geholt hat, und mit denen sie nicht fertig wird und auch nicht fertig werden wird in Zukunft."
Sorgen um die Bundestagswahl
Grenzen zumachen heißt Gaulands Devise. Die Kanzlerin, die gegen Zäune und Obergrenzern argumentiert, geißelt der rheinland-pfälzische AfD-Spitzendkandidat Uwe Junge als "Verräterin". Wie Gauland war Junge früher Christdemokrat. Für wichtig hält das Bundesvize Gauland, "weil Rheinland-Pfalz neben Baden-Württemberg ein westdeutsches Flächenland ist und wir ja bis jetzt mehr in den ostdeutschen Flächenländern vertreten sind. Und wenn wir's schaffen, in Mainz und in Stuttgart in den Landtag zu kommen, mache ich mir um die Bundestagswahl überhaupt keine Sorgen."
Sorgen machen sich die Demonstranten draußen vorm Bürgerhaus. "Nazis raus", skandieren sie, während Alexander Gauland drinnen die umstrittene Rede des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke über den "afrikanischen Reproduktionsüberschuss" für "nicht rassistisch", aber für "unklug" erklärt.