Samstag, 31.07.2021
 
StartseiteInformationen am MorgenSteinmeier und die Jugend von Ghana13.12.2017

Afrika-ReiseSteinmeier und die Jugend von Ghana

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht den afrikanischen Kontinent. Mit deutscher Aufbauhilfe will er in Ghana ein Problem bekämpfen, das indirekt auch Auswirkungen auf Deutschland hat.

Von Stephan Detjen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Fahrschülerinnen, die eine Ausbildung als Busfahrerinnen in Accra machen. (deutschlandradio / Stephan Detjen)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Fahrschülerinnen, die eine Ausbildung als Busfahrerinnen in Accra machen. (deutschlandradio / Stephan Detjen)
Mehr zum Thema

Afro-Tech-Ausstellung in Dortmund Silicon Valley auf Afrikanisch

Eine deutsch-ghanaische Kolonialgeschichte Unter Deutschen am Volta

Medienmarkt Ghana "Pressefreiheit ist losgelöst von Meinungsvielfalt"

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller "Wir führen den Planeten an den Rand der Apokalypse"

Afrika-Gipfel Ein Kontinent rückt in den Fokus

Niger Gefährliche Flucht durch die Wüste

Der Präsident hat keine Zeit für den König, denn der Bundespräsident aus Deutschland ist da. Deshalb muss der König draußen warten.

"Mein Name ist Ochihinana Barima Akwatia der Zweite."

Barima Akwatia der Zweite ist Chief, königliches Oberhaupt einer Region im Osten Ghanas. Er wollte dem Staatspräsidenten in Accra eine Resolution übergeben. Es geht um die Neueinteilung von Verwaltungsbezirken. Aber Staatspräsident Akufo-Adda hat Besuch aus Deutschland. Und der wartende König weiß, dass die beiden Präsidenten hinter verschlossenen Türen über Wichtigeres zu sprechen haben: über die Zukunft der Jugend von Ghana.

Ein König als illegaler Einwanderer

Auch zu ihm kommen immer wieder junge Leute, die sich auf den Weg nach Europa machen wollen. Der König hat dann einen klaren Rat, denn er kann auf eigene Erfahrungen verweisen: "Wenn ihr geht und als illegaler Immigranten leben wollt, habt ihr nichts, gar nichts! Ich habe selbst als illegaler Immigrant in London gelebt – und das ist wirklich nicht einfach!"

Der ghanaische Chief Barima Akwatia II.(li.) im Gespräch mit Stephan Detjen.  (deutschlandradio / Stephan Detjen)Der ghanaische Chief Barima Akwatia II.(li.) im Gespräch mit Stephan Detjen.  (deutschlandradio / Stephan Detjen)

Anfang der 80er-Jahre lebte der frisch gekrönte König aus Ghana zehn Jahre lang als illegaler Einwanderer in Großbritannien. Die ghanaische Jugend von heute hat das nicht mehr nötig, meint Barima Akwatia der Zweite und blickt jetzt hinüber zu seinem Staatspräsidenten, der an der Seite von Frank-Walter Steinmeier am anderen Ende der Eingangshalle des Präsidentenpalasts erscheint: "Die Menschen in Ghana haben ihre Zukunft in die Hand genommen", sagt Nana Akufo Addo, der vor einem Jahr in demokratischen Wahlen zum neuen Präsidenten Ghanas gewählt wurde. Er hat sich ein "Ghana beyond aid" - ein Land jenseits fremder Hilfe - zum Ziel gesetzt.

Duale Berufsausbildung aus Deutschland in Accra

Für Frank-Walter Steinmeier ist der Besuch in Ghana ein Zeichen der Unterstützung für ein demokratisches und ökonomisches Musterland in Westafrika. Wo, wenn nicht hier, in einem stabilen und prosperierenden Land wie Ghana, sollen die Jugendlichen Afrikas eine Perspektive finden? Lamena Bena hat sie bei der Volkswagen Tochter Scania gefunden. Der Lastwagenbauer hat das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung in einen Vorort der ghanaischen Hauptstadt Accra gebracht.

"Es ist gut, denn nicht jeder hat hier eine Möglichkeit, eine so internationale Ausbildung zu bekommen." 

Kurz nach dem Besuch in der Lastwagenwerkstatt sitzt Frank-Walter Steinmeier in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Auditorium der Universität von Accra und stößt auf eine kritische Jugend Ghanas. Kaum sind die freundlichen Begrüßungsworte ausgetauscht, wird der Bundespräsident von Studenten mit der europäischen Grenzpolitik konfrontiert: "Migranten werden mit brutaler Gewalt abgehalten, vor den kanarischen Inseln und in Ceuta und Melilla. So erinnert uns das an den Kolonialismus. Ich möchte gerne wissen, ob Europa sich dieser Gewalt bewusst ist."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Auszubildende in einer Werkstatt des LKW-Hersteller Scania in Accra. (deutschlandradio / Stephan Detjen)Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Auszubildende in einer Werkstatt des LKW-Hersteller Scania in Accra. (deutschlandradio / Stephan Detjen)

"Probleme müssen immer im Land selbst gelöst werden"

Er wolle hier nicht über die spanische Grenzpolitik sprechen, weicht Frank-Walter Steinmeier der Frage nach den Grenzenklaven Ceuta und Melilla aus. Deutschland aber habe in den letzten beiden Jahren rund eine Million Flüchtlinge aufgenommen, erklärt der Bundespräsident. "Und das ist eine große Herausforderung für ein Land wie Deutschland - sie nicht nur aufzunehmen, sondern zu integrieren."

Neben dem Bundespräsidenten sitzt Lucy Quist vor den Studierenden der Universität von Accra. Die in London geborene Ghanaerin war Vorstandschefín eines Mobiltelefonunternehmens in Ghana und fördert heute Netzwerke von jungen Frauen und Unternehmerinnen in Westafrika. Quist hat eine Botschaft in zwei Richtungen: "Die Jugend Afrikas muss erkennen, dass sie alle Möglichkeiten hat, ihr Zukunft selbst zu gestalten. Und zugleich müssen die Partner wie Deutschland sehen, dass hier die Potenziale sind, die Probleme von Afrika zu lösen. Das kann nicht von außen geschehen. Probleme müssen immer im Land selbst gelöst werden."

Heute eröffnet Frank Walter Steinmeier ein mit deutschen Mitteln errichtetes Beratungszentrum für junge Ghanaer. Sie sollen dort Informationen über neue Möglichkeiten erhalten, auf legalem Wege Studien- und Ausbildungsplätze in Deutschland zu erhalten. Zugleich sollen junge Rückkehrer aus Europa bei der Integration in den ghanaischen Arbeitsmarkt unterstützt werden.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk