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StartseiteForschung aktuellKatastrophales Katastrophen-management15.12.2015

AlaskaKatastrophales Katastrophen-management

Am Nordpol gibt es kaum Infrastruktur, riesige Entfernungen, extreme Wetterbedingungen und kleine, isolierte Gemeinden. Naturkatastrophen lassen sich hier kaum beherrschen. Forscher drängen deshalb darauf, speziell für die Arktis ein Risikomanagement zu entwickeln.

Von Monika Seynsche

Die Mayrkette (norwegisch: Jutulsessen), ein Gebirge in der Antarktis (picture alliance / dpa / Heiko Junge)
Generell müsste ein Katastrophenmanagement speziell für die Arktis entwickelt werden. (picture alliance / dpa / Heiko Junge)
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Die Gefahr droht jedes Jahr im Frühling. Die Temperaturen steigen, und nach und nach durchziehen Risse die meterdicken Eisdecken auf den Flüssen Alaskas. Irgendwann brechen die Schollen auf und der Fluss schiebt sie vor sich her. Bis zum nächsten Hindernis, an dem sie sich auftürmen und die Wassermassen hinter sich stauen. Ein instabiler Staudamm, der jederzeit brechen kann.

"In meiner Studie habe ich eine abgelegene Gemeinde mit 500 Einwohnern untersucht. Sie heißt Galena und liegt am Ufer des Yukon, mehr als 400 Kilometer entfernt von der nächsten größeren Stadt, Fairbanks. Galena kann nur per Flugzeug oder per Schiff erreicht werden."

Kulturelle Aspekte berücksichtigen

Im Frühling 2013, erzählt Katia Kontar von der Universität von Alaska in Fairbanks, hatten sich Eisschollen überall auf dem Yukon verkantet. Ende Mai brach sich das aufgestaute Wasser seinen Weg.

"Es war wirklich katastrophal. Innerhalb weniger Stunden zerstörten die Fluten fast das komplette Dorf. 90 Prozent der Infrastruktur, wie Häuser, Straßen, Elektrizität und Wasserversorgung waren zerstört. Und hier in Alaska haben Sie nur drei Monate Zeit, das alles wieder aufzubauen, bevor der nächste Winter kommt. Obwohl seit der Flut mehr als zwei Jahre vergangen sind, ist die Gemeinde deshalb bis heute mit dem Wiederaufbau beschäftigt."

Katia Kontar hat das Katastrophenmanagement während der Flut in Galena analysiert. Es sei zum Teil verheerend gewesen, sagt die Forscherin, denn es folge Richtlinien, die in Washington entworfen wurden - fernab der Arktis.

"Als die Gemeinde evakuiert werden sollte, weigerten sich die Katastrophenschützer zum Beispiel, Hunde an Bord zu lassen. Aber in Alaska sind Hunde nicht einfach nur Haustiere, sondern von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Sie sind wichtig für den Transport und zum Schutz vor wilden Tieren. Sie zurückzulassen war sehr schwierig für die Menschen."

Gegen ihren Willen in Sicherheit gebracht

Außerdem seien viele Leute gegen ihren Willen in Sicherheit gebracht worden. Denn einmal an einem anderen Ort in Alaska, könnten es sich die allerwenigsten leisten, nach der Katastrophe in ihre Heimat zurückzukehren. Galena ist nicht ans Straßennetz angeschlossen und ein Flug dorthin kostet 600 bis 900 Dollar. Ein Vermögen für die zumeist indigene Bevölkerung, die noch weitgehend von der Jagd und dem Fischfang lebt. Statt die Leute wegzubringen, plädiert Katia Kontar deshalb dafür, in den abgelegenen Gemeinden in Flussnähe selbst Schutzräume zu bauen, in denen die Menschen ausharren könnten. Generell müsste ein Katastrophenmanagement speziell für die Arktis entwickelt werden.

"Bei der Verteilung von Hilfsgeldern müssten auch kulturelle Aspekte berücksichtigt werden. In Galena etwa waren die Behörden nicht bereit, Kühlboxen bereit zu stellen, nachdem der Strom ausgefallen war. Aber die Menschen dort brauchen Kühlschränke, damit ihre Jagdbeute nicht verwest. Denn von dem Fleisch und Fisch leben sie den Rest des Jahres."

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