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StartseiteMarkt und MedienAlter Wein in neuen Schläuchen06.10.2007

Alter Wein in neuen Schläuchen

Die "FAZ" präsentiert sich in einem neuen Layout

Farbfoto und Navigationshilfe – das sind die prägnantesten Änderungen nach dem Relaunch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Trotz neuer, bunter Gestaltung bleibt die liberal-konservative Zeitung sich jedoch inhaltlich weiterhin treu.

Von Klaus Deuse

Die  "Frankfurter Allgemeine Zeitung" - jetzt auch in Farbe. (AP)
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" - jetzt auch in Farbe. (AP)
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Nach langen 58 Jahren ziert jeden Tag ein farbiges Foto die Titelseite der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Und selbst vor der Farbe rot als Navigationshilfe durch den Inhalt schreckt das konservative Traditionsblatt nicht mehr zurück. Von einer Revolution im deutschen Blätterwald kann allerdings kaum die Rede sein. Alles ist im Fluss - behaupteten schon die alten griechischen Philosophen. Und das gilt offenbar auch für die lesende Kundschaft der "FAZ" - wie Mitherausgeber Werner D’Inka nüchtern anmerkt.

"Wir sehen, dass die Art und Weise, wie Zeitung gelesen wird, sich wandelt. Die Seh- und Lesegewohnheiten ändern sich. Und diesen Wandel nehmen wir auf und respektieren ihn."

Seit 2001 ging die verkaufte Auflage um über 40.000 Exemplare auf derzeit knapp 360.000 zurück. Auf dem hart umkämpften Zeitungsmarkt stellte sich somit die Frage, ob das Produkt in seiner bisherigen Form noch ankommt. Und die befragten Leser, denen die "FAZ" neue gestaltete Titelseiten präsentierte, gaben eine unmissverständliche Antwort.

"Wir entsprechen mit diesen Änderungen den Wünschen einer ganz großen Lesermehrheit. Mehr als drei Viertel unserer Leser sagen, sie begrüßten die neue Gestaltung, sie gefalle ihnen besser. Sie empfinden sie als frischer und einladender, ohne dass sie Abstriche an der Seriosität, an der Übersichtlichkeit oder auch an der Unverwechselbarkeit machen."

Ratz-"FAZ" fanden die Veränderungen, die die Absatz-Zukunft sichern sollen, jedenfalls nicht statt, sondern erst nach einer gründlichen Analyse.

"Die Mehrheit für die neue Gestaltung zieht sich quer durch alle Altersgruppen, quer durch alle Lesergruppen. Die Zustimmung ist bei den unter 35-Jährigen natürlich eher stärker. Aber auch 70 Prozent der über 50-jährigen Leser, fast 70 Prozent der langjährigen Abonnenten begrüßen diese neue Gestaltung."

Trotz des neuen Erscheinungsbildes aber ist und bleibt die "FAZ" das, was sie war.

"Die 'FAZ' wird überwiegend als konservativ-liberal, liberal-konservativ bezeichnet. Gegen diese Bezeichnung ist nichts einzuwenden. Dabei wird es bleiben."

Auch wenn das Foto auf Seite eins einmal im Querformat drei- oder vierspaltig daherkommt, mal im Hochformat. Da muss der "FAZ"-Leser stark bleiben und sich auf tägliche Veränderungen gefasst machen. Aber am Inhalt und der Ausrichtung wird sich nichts ändern. Präsentiert wird quasi alter Wein in neuen Schläuchen. Und auch sonst wird sich kaum etwas ändern. Niemand im "FAZ"-Führungszirkel denkt auch nur im Entferntesten daran, die Frakturschrift auf dem Altar des Zeitgeschmacks zu opfern.

"Der Titel bleibt, das stand überhaupt nicht zur Debatte. Das ist ein markantes, prägnantes Erkennungsmerkmal. Man erkennt daran die Zeitung schon auf 100 Metern."

Es geht also kein Rauschen durch den deutschen Blätterwald. Eigentlich handelt es sich allenfalls um ein Blubbern im Wasserglas. Aber auch dafür muss man ein bisschen Werbung machen. Mit einer weißen Kampagne, damit die klugen deutschen Köpfe zur Kenntnis nehmen, dass die Farbe weiß für den Neuaufbruch der "FAZ" steht. Mit von der Partie ist unter anderem Familienministerin Ursula von der Leyen, die sich mit der neuen "FAZ" vor der Nase inmitten von etwa 100 weißen Kaninchen ablichten ließ. Eine Mutter von sieben Kindern, umringt von langohrigen Kuschel-Kreaturen, denen man nachsagt, so etwas wie die Verkörperung idealer Fruchtbarkeit darzustellen. Was will die "FAZ" damit sagen? Womöglich, dass sich ihre intellektuelle Leserschaft zwecks Vermehrung mehr miteinander als mit der Lektüre der Zeitung beschäftigen sollte? Dann müsste die "FAZ" künftig noch mehr Bilder servieren.

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