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American Football
Hymnenstreit geht in eine neue Saison

Trotz neuer Strafandrohungen gehen die Hymnen-Streiks in der American-Football-Liga NFL weiter. Die afroamerikanischen Spieler fühlen sich weiterhin mit ihren Problemen nicht ernst genommen. Und auch die Teambesitzer haben durchaus unterschiedliche Ansichten.

Von Martina Buttler | 20.08.2018

    Drei Spieler der NFL-Mannschaft "San Francisco 49ers" knien während der Nationalhymne vor einem Football-Spiel
    Das Knien von Colin Kaepernick von den San Francisco 49ers startete die ganze Debatte vor zwei Jahren (picture alliance / dpa / Marcio Jose Sanchez)
    Sie recken die rechte Faust in den Himmel. Sie knien. Sie bleiben in der Umkleide. Einige NFL-Profis protestieren bei den Vorbereitungsspielen für die neue Saison wieder gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze wenn die Nationalhymne gespielt wird. Und Donald Trump kritisiert und beschimpft sie wieder dafür:
    "Wenn ihr die Flagge nicht respektiert, das Land nicht mögt, dann geht doch in die Umkleide."
    Die Probleme der schwarzen Community interessieren nicht
    Er unterstellt, dass die Spieler nicht wissen, wogegen sie protestieren. Der Vorwurf: sie seien unpatriotisch. Malcolm Jenkins vom Super-Bowl-Sieger Philadelphia Eagles hat genauso wie eine ganze Reihe seiner Kollegen die Faust in die Luft gereckt. Er will nicht aufhören. Das Thema ist zu wichtig für den schwarzen Defensivspieler. Den Kritikern des Hymnenprotests sagt er im Interview mit NBC:
    "Wir können über soziale Probleme reden und trotzdem ein tolles Spiel haben. Wir haben ein Jahr lang über häusliche Gewalt geredet. Wir reden jedes Jahr einen Monat lang über Krebs und tragen pink. Kein Thema. Aber wenn wir über Probleme der schwarzen Community und Rassismus reden, heißt es plötzlich: wir wollen nur den Sport, nicht all dieses Drumherum."
    Der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, kniet während der Nationalhymne.
    Die sportlicher Karriere von Quarterback Colin Kaepernick ist so gut wie beendet. (dpa-Bildfunk / AP / Dennis Poroy)
    In der spielfreien Zeit hat er sich bei Football-Camps engagiert. Der schwarze Profi will für junge Leute ein Vorbild sein. Er will auch abseits des Spielfelds einen Unterschied machen. "Bleibt stark Brüder", schrieb Colin Kaepernick. Der Ex-Quarterback hatte den Spieler-Protest vor zwei Jahren angefangen. Der ehemalige Spieler und Trainer Tony Dungy verteidigt die protestierenden Profis:
    "Diese Jungs sind nicht unpatriotisch. Sie stellen sich nicht gegen unser Land. Sie knien gegen das, was in unserem Land falsch läuft."
    Teambesitzer erzielten Einigung, legten sie dann aber wieder auf Eis
    Im Frühjahr hatten sich die Besitzer der NFL-Teams darauf geeinigt, dass das Knien während der Hymne bestraft werden soll. Kritische Spieler sollten allerdings in der Kabine bleiben dürfen. Kurze Zeit später wurde diese Regelung auf Eis gelegt bis eine Lösung im Hymnenstreit gefunden worden ist. Der Eigentümer der Dallas Cowboys, Trump-Freund Jerry Jones hat seinen Spielern eine Ansage gemacht: bei der Hymne wird gestanden, Zehenspitzen auf der Linie.
    Malcolm Jenkins kritisiert Jones dafür, daß er die Spieler auf Linie bringen will: "Es ist bedauerlich, dass es solche Eigentümer gibt, die absichtlich Spieler einschüchtern wollen, weil sie eigene Ansichten und eine eigene Stimme haben."
    Der Hymnenprotest wird auch in der nächsten Saison weiter ein Thema in der NFL sein. Die Eigentümer der Teams haben durchaus unterschiedliche Ansichten dazu. Trumps Beschimpfungen sind genauso garantiert wie der stille Protest der Spieler vor dem Anpfiff. Aus der Welt ist das Thema auch lange nach dem Saisonstart am 6. September noch lange nicht. Es ist nur die nächste Runde eines Konflikts, dessen Lösung nicht in Sicht ist.