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StartseiteInterviewFahndung nach Täter läuft12.12.2018

Angriff in StraßburgFahndung nach Täter läuft

Nach dem Angriff nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt mit Toten und Verletzten sucht die französische Polizei weiter nach dem Täter. An der Fahndung sind 350 Sicherheitskräfte beteiligt - Verstärkung ist auf dem Weg. Bei dem Täter soll es sich um einen 29-jährigen Straßburger handeln, der als Gefährder registriert war.

Von Peter Kapern

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Bewaffnete Polizisten mit Warnwesten stehen am Straßenrand und beobachten vorbeifahrende Autos. (dpa/Christoph Schmidt)
Nach dem Angriff nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt wurden in Kehl die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze verstärkt (dpa/Christoph Schmidt)

Am Dienstagabend hatte ein Täter an mehreren Stellen nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt in der Innenstadt das Feuer eröffnet. Nach Angaben des französischen Innenministers wurden drei Menschen getötet und 13* verletzt. Der mutmaßliche Täter ist auf der Fluicht. Die französische Polizei sucht ihn mit einem Großaufgebot. Peter Kapern ist Korrespondent für das Deutschlandradio in Brüssel und war während des Terroranschlags in Straßburg.  

Wie ist der gestrige Abend verlaufen?

Ich hatte gestern Abend kurz vor 20 Uhr das Europaparlament verlassen und etwa eine knappe halbe Stunde machten dann die ersten Meldungen von diesem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt die Runde. Kurz darauf meldeten sich dann auch schon die ersten Kollegen bei mir, um zu fragen, wer sich wo befindet. Hier in Straßburg sind Hunderte von Journalisten, um über die Plenarwoche im Europaparlament zu berichten und viele von denen waren natürlich gestern in der Innenstadt. Ein Kollege, mit dem ich gesprochen haben, hatte mir geschildert, wie gespenstisch die Szenerie in der Innenstadt, in der Altstadt von Straßburg, war nach dem Attentat, nachdem die Menschen aus den Gassen dort geflüchtet waren, alles menschenleer war und die Absperrungen schon standen. Kurz darauf meldete sich ein österreichischer Kollege, Peter Fritz vom ORF, per Twitter, der darüber berichtete, dass er versucht hatte eine bei dem Attentat angeschossenen Person 45 Minuten lang wiederzubeleben.  

Wie ist der Stand jetzt - am Morgen danach? 

Der Täter ist nach wie vor auf der Flucht. Gegen 20 Uhr hat der Mann das Feuer auf dem Weihnachtsmark eröffnet. Dabei mehrere Personen getroffen. Der französische Innenminister, Christophe Castaner, spricht von mindestens drei Toten, zwölf Verletzten, sechs davon im kritischen Zustand, dann hat der Täter die Flucht ergriffen. Auf seiner Flucht haben ihm Polizisten, Sicherheitskräfte und Militärs, die hier patrouillierten, nachgesetzt. Es hat dann zwei weitere Schusswechsel gegeben und dann ist der Täter entkommen, offenbar mit einem gestohlenen Taxi. Er wird hier in einem Ortsteil namens Neudorf, aber auch in der Straßburger Innenstadt, aber außerhalb der Altstadt vermutet. Gestern gab es zuerst Berichte, die Polizei habe ihn gestellt, offenbar ist das nicht so. Die Suche läuft noch immer weiter. 350 Sicherheitskräfte sind daran beteiligt. Und Christophe Castaner, der Innenminister hat gesagt, dass weitere Sicherheitskräfte auf dem Weg nach Straßburg seien. 

Die Behörden gehen von einem Terroranschlag aus. Was weiß man von dem Täter?

Es handelt sich um einen 29-Jährigen, der in Straßburg geboren wurde, der auch hier lebt. Er hat ein Vorstrafenregister, ist wegen gewöhnlicher Kriminalität in Frankreich und Deutschland bereits verurteilt. Er war verzeichnet in einer Datei für Gefährder in Frankreich. Gestern Morgen hat es in seiner Wohnung eine Durchsuchung gegeben. Dabei haben die Polizisten, die die Durchsuchung durchgeführt haben, den Verdächtigen, den mutmaßlichen Täter nicht angetroffen. Der war nicht in seiner Wohnung. Dort wurden aber Berichten zufolge eine Waffe und mehrere Handgranaten gefunden. Es gibt Berichte darüber, dass er im Visier der französischen Sicherheitskräfte war, weil er als radikalisiert galt – und nun ist er eben nach wie vor auf der Flucht.

Zwischendurch war das Europaparlament hermetisch abgeriegelt worden – bis tief in die Nacht, bis zum frühen Morgen waren da mehrere hundert Menschen, Abgeordnete, Mitarbeiter, Journalisten, die das Gebäude nicht verlassen durften. Niemand konnte hinein, niemand heraus. Erst am frühen Morgen änderte sich die Situation. Über die Situation im Parlament am Abend berichtete EU-Abgeordneter Elmar Brok im Dlf.

Die französischen Sicherheitsbehörden haben die Terrorwarnstufe auf die höchste Warnstufe angehoben. Die Vorschulen und Grundschulen bleiben heute geschlossen. Die Eltern sollen ihre Kinder zuhause lassen. Nur die weiterführenden Schulen werden ihr übliches Programm fahren. 

*Anm. der Redaktion: Im ursprünglichen Beitragstext war von zwölf Verletzten die Rede. Diese Zahl haben wir korrigiert.

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