Samstag, 18. Mai 2024

Kommentar zu Netrebko in Berlin
Das falsche Signal

An vier Abenden tritt Anna Netrebko in der Berliner Staatsoper auf. Das Haus hätte die russische Opernsängerin wegen ihrer fehlenden Distanzierung von Wladimir Putin ausladen sollen, findet Claudia van Laak.

Ein Kommentar von Claudia van Laak | 15.09.2023
Opernsängerin Anna Netrebko
Opernsängerin Anna Netrebko (picture alliance / Georg Hochmuth / APA)
"Wir dürfen dem Publikum diese Ausnahmekünstlerin nicht vorenthalten" – unter anderem mit diesem Argument begründet die Berliner Staatsoper Unter den Linden den heutigen und die drei folgenden Auftritte von Anna Netrebko. Doch wer die russische Sopranistin hören und sehen will, muss nicht das Berliner Opernhaus besuchen. Sie tritt weiterhin live auf, zuletzt in Verona, Wien und Hamburg. Hier wird niemandem etwas vorenthalten, dieses Argument zieht nicht.
Anna Netrebko in der Berliner Staatsoper singen zu lassen, ist das falsche Signal. Die Ausnahmesängerin hat sich zwar ganz allgemein vom Krieg in der Ukraine distanziert, den Aggressor und Kriegstreiber Wladimir Putin will sie allerdings nicht beim Namen nennen. Sie beharrt darauf, als Künstlerin unpolitisch sein zu dürfen.
Doch wer noch vor zwei Jahren den 50. Geburtstag im Kreml feierte und wer Putin nicht als Wurzel des Übels benennt, der steht an seiner Seite.

Steht Berlin wirklich an der Seite der Ukraine?

Erst gestern sind Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Kiews Bürgermeister Vitaly Klitschko gemeinsam durch das Brandenburger Tor spaziert, haben eine Städtepartnerschaft geschlossen. „Berlin steht unverbrüchlich an der Seite der Ukraine“ verkündete Regierungschef Wegner.
Doch wie kann es dann sein, dass eine Institution des Landes Berlin Anna Netrebko eine Bühne bietet?

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Die Metropolitan Opera New York war da konsequenter. Der Intendant verlangte von der russischen Operndiva, sich klar vom Putin-Regime zu distanzieren. Dies tat sie nicht, die Met kündigte daraufhin den Vertrag mit ihr auf, das Netrebko-Management klagt jetzt auf Schadensersatz in Höhe von 360.000 Dollar.

Ein schaler Nachgeschmack

Das Beste wäre gewesen, die Staatsoper Unter den Linden hätte sich ein Beispiel an Prag genommen. Im Gegensatz zu Berlin erkannte Prag früh den politischen Sprengsatz, der in einem Auftritt Netrebkos liegt. Die Stadtverwaltung hat den ukrainischen Botschafter in Tschechien um eine Einschätzung gebeten. Nachdem sich dieser gegen einen Auftritt Netrebkos ausgesprochen hatte, verhandelte Prag mit dem Management der russischen Opernsängerin – ohne Schadensersatzforderungen Netrebkos konnte der Vertrag gelöst werden.
Von den Auftritten der vermeintlich unpolitischen russischen Opernsängerin in der Hauptstadt wird ein schaler Nachgeschmack bleiben. Unverbrüchlich an der Seite der Ukraine zu stehen, sieht anders aus.