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StartseiteInformationen am MittagEine Festnahme und viele offene Fragen09.04.2016

Anschläge in BrüsselEine Festnahme und viele offene Fragen

Zweieinhalb Wochen nach den Anschlägen von Brüssel wird das Bild des weitverzweigten islamistischen Terror-Netzwerks immer klarer. Mehr und mehr Verbindungen zwischen den Attentaten von Brüssel und Paris werden bekannt. Allerdings ist unklar, wie viele direkt oder indirekt Beteiligte sich noch auf freiem Fuß befinden.

Von Thomas Otto

Im Brüsseler Stadtteil Anderlecht ist den Fahndern unter anderem Mohamed Abrini ins Netz gegangen (picture alliance/dpa/Stephanie Lecocq)
Im Brüsseler Stadtteil Anderlecht ist den Fahndern unter anderem Mohamed Abrini ins Netz gegangen (picture alliance/dpa/Stephanie Lecocq)
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Zuletzt hatte es viel Kritik an der Arbeit der belgischen Behörden gegeben. Gestern Abend konnte die Generalstaatsanwaltschaft allerdings einen großen Ermittlungserfolg präsentieren: Im Brüsseler Stadtteil Anderlecht ist den Fahndern unter anderem Mohamed Abrini ins Netz gegangen - der Mann, der die Anschläge von Paris mit vorbereitet haben soll. Möglicherweise war Abrini außerdem direkt an den Anschlägen von Brüssel beteiligt, erklärte Eric van der Sypt, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft: "Im Moment überprüfen die Ermittler, ob Mohamed Abrini als der dritte Attentäter vom Flughafen identifiziert werden kann - der sogenannte Mann mit dem Hut."

Seit den Anschlägen von Brüssel am 22. März suchen die Ermittler nach diesem Tatverdächtigen. Auf Bildern einer Überwachungskamera am Flughafen war er mit den beiden Attentätern zu sehen, die dort zwei Bomben zündeten. Die dritte Bombe explodierte nicht und konnte entschärft werden. Die Polizei konnte rekonstruieren, wie sich der gesuchte Mann nach dem Anschlag vom Flughafen aus zu Fuß auf den Weg in die Stadt machte. Im Stadtteil Schaerbeek verlor sich dann seine Spur. Erst vor zwei Tagen hatten die Ermittler neue Bilder des Gesuchten veröffentlicht.

Ermittler finden DNA-Spuren in Terroristen-Wohnung

Nach Abrini hatten die Behörden seit den Anschlägen von Paris im November vergangenen Jahres gefahndet. "Er wurde am 11. November zusammen mit Salah Abdeslam an einer Tankstelle kurz vor Paris gesehen. Außerdem haben die beiden eine Wohnung angemietet, die von den Attentätern von Paris kurz vor den Anschlägen genutzt wurde", so der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft.

Dann kehrte der 31-Jährige nach Brüssel zurück und soll laut Medienberichten einen Tag vor den Pariser Anschlägen erneut von einer Sicherheitskamera gefilmt worden sein - diesmal zusammen Abdeslam Brahim, einem der Attentäter von Paris. Die Ermittler fanden außerdem Fingerabdrücke und DNA-Spuren von Abrini in zwei Verstecken der Brüsseler Attentäter.

Fahndungshelfer Facebook

Auch der zweite verhaftete, Osama K., ist kein unbeschriebenes Blatt. Nach Medieninformationen soll der Mann bereits wegen eines bewaffneten Raubüberfalls verurteilt worden sein. "Die Ermittlungen nach den Anschlägen von Paris haben gezeigt, dass Osama K. in Ulm abgeholt und am 3. Oktober nach Belgien gebracht wurde mit einem Mietwagen, der von Salah Abdeslam angemietet wurde. Die Ermittler prüfen nun, ob Osama K. der zweite Mann ist, der beim Anschlag auf die Metrostation Maelbeek anwesend war", so Eric van der Sypt von der Generalstaatsanwaltschaft.

Diese zweite Person soll am 22. März in der Brüsseler Metro zusammen mit Khalid El Bakraoui gefilmt worden sein, kurz bevor der sich an der Station Maelbeek in die Luft sprengte. Der Gesuchte soll außerdem von einer Überwachungskamera in dem Kaufhaus gefilmt worden sein, in dem die Koffer für die Anschläge von Brüssel gekauft wurden. Ob Osama K. tatsächlich der Mann auf den Überwachungsbildern ist, wird von den Ermittlern noch geprüft.

Nach Informationen des niederländischsprachigen belgischen Rundfunks kamen ihm die Ermittler mit Hilfe des schwedischen Geheimdienstes auf die Spur. Außerdem soll ihnen eine Facebook-Nachricht von Osama K. an seinen Bruder weitergeholfen haben. Ferner wurden gestern drei weitere Personen verhaftet. Mehr Informationen dazu gab die Staatsanwaltschaft aber zunächst nicht bekannt.

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