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StartseiteKultur heuteDes Kaisers alte Schätze15.07.2019

Ansprüche der HohenzollernDes Kaisers alte Schätze

Bleibendes Wohnrecht auf Schloss Cecilienhof und in anderen Häusern, Rückgabe tausender Kunstwerke aus öffentlichen Sammlungen - das fordern die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers aus dem Haus Hohenzollern. "Unfassbar", urteilte der Historiker Stephan Malinowski im Dlf.

Stephan Malinowski im Gespräch mit Michael Köhler

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Prinz Georg Friedrich von Preußen steht am 16.08.2017 auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen (Baden-Württemberg).  (picture alliance/Patrick Seeger/dpa)
Prinz Georg Friedrich von Preußen vor der Burg Hohenzollern. Er fordert unter anderem unentgeltliches Wohnrecht im Schloss Cecilienhof bei Potsdam (picture alliance/Patrick Seeger/dpa)
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Seit 2013 verhandelt die Familie der Hohenzollern mit Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg über Rückgabe von Kunstwerken, Zahlungen in Millionenhöhe und bleibendes Wohnrecht auf diversen Schlössen. "Jeder, der republikanisch denkt, kann nur mit einer Mischung aus Entsetzen, Belustigung und Fassungslosigkeit auf diesen Forderungskatalog schauen." Man könne sich das vielleicht so erklären, dass die Familie Maximalforderungen stelle, um schlussendlich dann zwei bis drei Prozent davon zugesprochen zu bekommen. Er könne sich jedenfalls nicht vorstellen, dass irgendjemand in der deutschen Medienlandschaft die Position der Hohenzollern verteidigen werde, so Stephan Malinowski. "Ich halte das für das größte PR-Desaster, was den Hohenzollern seit der Daily Telegraph-Affäre 1908, oder seit 1918, der Kaiserflucht, zugestoßen ist." Mit bürgerlicher Rechtsordnung habe das nicht mehr zu tun.

Kollaboration mit den rechten Kräften

Die Geschichte der Hohenzollern nach 1918 ist auch eine Geschichte des Streits um Rückgabe mit der Weimarer Republik und später der Bundesrepublik. Dabei sei die Rolle der Familie gerade in der jungen Demokratie hochproblematisch: Die nächtliche Flucht Kaiser Wilhelms II. nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg habe in Deutschland zunächst ein Machtvakuum hinterlassen, so der Historiker Stephan Malinowski. Es sei auch ein charismatisches Vakuum gewesen, das dann schon bald Adolf Hitler besetzt habe. Dabei wäre es durchaus denkbar gewesen, diese Leerstelle mit einer Person aus dem Haus Hohenzollern zu füllen, "aber diese Leistung hat das Haus nicht erbracht". Man müsse eher von Kollaboration mit den rechten Kräften sprechen. Immerhin hätten der Kaiser und seine zweite Frau hochrangige Nationalsozialisten wie Hermann Göring im Exil empfangen. Ein Kaisersohn tritt schon 1930 in die NSDAP ein und wird später Gruppenführer der SA, ein "Paradepferd für die Nationalsozialistische Bewegung". Das sei für die Bewegung ein "unglaublicher Triumph" gewesen, so Malinowski.

Der Mythos von der Verhinderung des Schlimmsten

Widerstand habe es in der Familie Hohenzollern nicht gegeben, so Malinowski, allerdings teilten nicht alle Historiker seine Sichtweise. Der Kronprinz sei für den konservativen Widerstand gegen das Nazi-Regime zwar eine "logische Figur" für eine Rückkehr zur Monarchie gewesen, dieser habe sich aber niemals aktiv am Widerstand beteiligt. Im Gegenteil, noch 1932 habe der Kronprinz die NSDAP und Hitler unterstützt, indem er zum Beispiel einen Wahlaufruf für Hitler veröffentlicht habe. Die Begründung der Familie, man habe das alles nur getan, um noch Schlimmeres zu verhindern, halte er für eine verharmlosende und falsche Sichtweise, erklärt Malinowski.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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