Dienstag, 29. November 2022

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Antonella Nota und das nächste Superauge
Europas Frau für das Webb-Teleskop

Wie beim Hubble-Weltraumteleskop arbeiten die NASA und Europas Weltraumorganisation ESA auch beim James-Webb-Teleskop zusammen, das Ende des Jahres starten soll. Europa ist wieder zu 15 Prozent beteiligt.

Von Dirk Lorenzen | 10.06.2021

Frühestens im Sommer 2020 wird das James-Webb-Weltraumteleskop im All im Einsatz sein (Zeichnung)
Das James Webb Space Telescope im Weltraum (Animation) (NASA)
Die ESA-Projektwissenschaftlerin für Hubble und Webb ist Antonella Nota. Als – salopp formuliert – europäische Chef-Astronomin der beiden arbeitet sie am Institut der Weltraumteleskope in Baltimore in den USA.
Sie plant die wissenschaftlichen Projekte und versucht, die Fachleute in Europa so gut wie möglich einzubinden.
Sie selbst erforscht junge massereiche Sternhaufen. Antonella Nota hat mit Hubble beobachtet, wie diese Sterne entstehen und sich entwickeln.
Künftig hofft sie auf noch bessere Daten mit dem James-Webb-Teleskop – denn das sieht noch schärfer und arbeitet zudem im Bereich der Infrarotstrahlung. Da lassen sich entstehende Sternhaufen besonders gut untersuchen.
Europas Erfolgsgeschichte: Start einer Ariane-5-Rakete in Kourou
Das James Webb Teleskop soll Ende des Jahres mit einer Ariane-5-Rakete von Kourou aus in den Weltraum starten (ESA/Arianespace)
Allerdings bekommt auch eine Projektwissenschaftlerin keine Beobachtungszeit geschenkt. Antonella Nota muss sich genauso bewerben wie die Kolleginnen und Kollegen.
Dass sie überhaupt Europas Repräsentantin bei den zwei wichtigsten Teleskopen ist, hätte während ihres Studiums in Padua kaum jemand geglaubt. Kürzlich erinnerte sie sich in einem Gespräch, dass anfangs Frauen das Observatorium der Universität nicht einmal betreten durften – weil die Männer fürchteten, sie würden die Instrumente kaputt machen.
Aus der vermeintlichen Teleskopzerstörerin wurde einige Jahre später Europas Chefin der wertvollsten Fernrohre überhaupt.