Freitag, 17.08.2018
 
Seit 15:35 Uhr @mediasres
StartseiteUmwelt und VerbraucherNur empfohlene Menge Pflanzenschutzmittel verwenden 11.06.2014

ArtenvielfaltNur empfohlene Menge Pflanzenschutzmittel verwenden

Wenn im Garten die Nacktschnecken den Salat verputzen und in jeder Kirsche eine Fruchtfliege steckt - eine Lösung versprechen viele Pflanzenschutzmittel. Um die Artenvielfalt auch im Garten nicht zu schädigen, empfiehlt Henrike Mühlichen vom Umweltbundesamt, die Anwendungsbeschreibungen zu befolgen.

Henrike Mühlichen im Gespräch mit Stefan Römermann

Jemand begießt Salatpflanzen mit Wasser. (picture alliance / dpa)
Um die richtige Wirkung zu erzielen, müsse die Verpackungsanweisung befolgt werden, betont Henrike Mühlichen. (picture alliance / dpa)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Weiterführende Information

Ecovin - Ökowein und das neue EU-Pflanzenschutzrecht (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 26.05.2014)

Kleingärten und Artenvielfalt: Heimat für Molch, Hummel und Sperling (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 11.06.2014)

Stefan Römermann: Insektenhotel hin, Nistkasten her - das Verständnis für Artenvielfalt im eigenen Garten stößt für viele Gärtner spätestens dann auf Grenzen, wenn die Nacktschnecken die gesamte Salaternte verputzen, oder wenn in wirklich jeder Kirsche die Kirschfruchtfliege steckt, oder das hartnäckige Unkraut ein ganzes Beet überwuchert. Eine einfache Lösung versprechen hier viele Pflanzenschutzmittel. Manche angeblich harmlos, weil biologisch, andere hoch wirksam mit langen Warnhinweisen über Risiken und Nebenwirkungen. Was es damit auf sich hat, darüber möchte ich jetzt sprechen mit Henrike Mühlichen vom Umweltbundesamt. Frau Mühlichen, wir haben ja hier auch auf dem Tisch ein paar typische Sachen hingestellt, typische Pflanzenschutzmittel. Wie zielgenau sind denn solche Mittel? Ist da die Gefahr groß, dass ich dort vielleicht doch Nützlinge mit schädige, oder den Boden, oder Ähnliches, oder treffe ich da wirklich nur die Bösen, die ich erwischen will?

"Die allermeisten Wirkstoffe wirken natürlich breit"

Henrike Mühlichen: Das kommt natürlich immer auf die Wirkstoffe an sich an. Aber prinzipiell kann man schon sagen, dass die allermeisten Wirkstoffe natürlich breit wirken. Zum Beispiel Herbizide wirken meistens breit gegen verschiedene Pflanzenarten und Insektizide breit gegen viele Insekten. Es gibt für jedes Mittel zugelassene Anwendungen und für diese zugelassenen Anwendungen, die auch auf der Verpackung stehen, nur für die kann sichergestellt werden, dass die Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen akzeptabel sind.

Anwendung von Herbiziden auf Wegen und Plätzen verboten

Römermann: Wir haben hier zum Beispiel so ein typisches Unkrautmittel. Nun könnte ich das beispielsweise auch sprühen, wenn bei mir zwischen den Gehwegplatten das Unkraut sprießt. Das wird ja in vielen Baumärkten auch so angepriesen.

Mühlichen: Auf keinen Fall! Die Anwendung auf Wegen und Plätzen für Herbizide ist generell verboten aufgrund der Abstimmungsgefahr. Das heißt, dadurch, dass dort keine Erde ist, sondern befestigte Wege oder Plätze, würden die Herbizide abschwemmen, würden in die Kanalisation gelangen, würden in Gewässer gelangen, ins Grundwasser und könnten dort Schäden anrichten. Die Anwendung auf Wegen und Plätzen ist prinzipiell verboten, aber man kann sich eine Genehmigung holen.

Römermann: Wir können ja mal schauen. Es stehen hier relativ detaillierte Anwendungshinweise drauf. Warum ist es denn wirklich wichtig, bei diesen Mitteln immer diese Anwendungshinweise zu benutzen? Hier steht dann explizit nicht Kulturland, genehmigungspflichtig, und dann steht, hier muss man dieses beachten, Düse auf das stellen. Warum ist das wichtig, diese Anwendungshinweise wirklich gerade bei Pflanzenschutzmitteln genau zu beachten?

Mühlichen: Zum einen, weil sie nur so richtig wirken können. Das heißt, nur für diese Anwendung ist sichergestellt, dass sie auch wirklich wirken, und nur für die Anwendung ist auch sichergestellt, dass andere Organismen, die nicht bekämpft werden sollen, auch nicht nachhaltig bekämpft werden.

Römermann: Ein ganz typischer Satz, den man so hört zum Thema Pflanzenschutzmittel, ist: Na ja, viel hilft viel. Das ist so eine typische Einstellung. Kann man das so sagen? Ist das wirklich so, wenn ich da ein bisschen mehr draufsprühe, dass das auch wirklich mehr hilft?

Mühlichen: Nein, denn die angegebene Menge, die hilft ja schon. Für die ist klargestellt, dass sie hilft. Alles was mehr angewendet werden würde, würde nur noch mehr schaden, aber nicht mehr helfen.

Studie: Insektizide im großen Stil eingesetzt, können Auswirkungen auf Feldvögel haben

Römermann: Was für einen Einfluss haben denn solche typischen Pflanzenschutzmittel? In diesem Unkraut-Vernichtungsmittel und auch in dem anderen Mittel, was wir hier haben, das ist das Kirschmittel, ist Glyphosat beispielsweise drin. Können solche Mittel auch indirekte Auswirkungen auf die Artenvielfalt haben? Ich hatte gelesen, dass das Umweltbundesamt auch eine interessante Studie dazu hat.

Mühlichen: Die Studie ging um die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft und deren Auswirkungen auf Feld-, Vogel- und Säugetierarten. Es ist tatsächlich so, dass zum Beispiel Insektizide, die in großem Stil eingesetzt werden, starke Auswirkungen haben können auf Feldvögel. Wenn zum Beispiel Feldlärchen während der Jungenaufzucht im Feld nach Insekten suchen, um die Jungen zu füttern, und die Insekten werden dann großflächig weggespritzt, dann kann es dazu führen, dass zum Beispiel die Jungen verhungern.

Römermann: Henrike Mühlichen vom Umweltbundesamt, ganz vielen Dank.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk