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StartseiteForschung aktuellNew Horizons auf Tuchfühlung im Nirgendwo02.01.2019

Asteroid Ultima Thule New Horizons auf Tuchfühlung im Nirgendwo

Erst vor vier Jahren entdeckten Forscher den Asteroid Ultima Thule - unter Experten auch 2014 MU69 genannt. Er liegt sechseinhalb Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Der Raumsonde New Horizons gelang nun ein neuer Entfernungsrekord: Sie flog am Asteroiden vorbei und sammelte Informationen.

Von Karl Urban

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Künstlerische Darstellung: Die Raumsonde "New Horizons" fliegt am Asteroiden Ultima Thule vorbei (imago stock&people)
Künstlerische Darstellung: Die Raumsonde "New Horizons" fliegt am Asteroiden Ultima Thule vorbei (imago stock&people)
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"Wir haben eine intakte Raumsonde, die gerade den entferntesten Vorbeiflug gemeistert hat. Wir sind bereit für die Übertragung der wissenschaftlichen Daten, die uns helfen, den Ursprung des Sonnensystems zu verstehen."

Das neue Jahr ist in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland gerade eine halbe Stunde alt, als Alice Bowman, Betriebsleiterin von New Horizons, den Erfolg eines waghalsigen Manövers verkündet. In einem Abstand von 3.500 Kilometern ist New Horizons an 2014 MU69 vorbeigeflogen. Dieser von der NASA informell als Ultima Thule bezeichnete Asteroid ist sechseinhalb Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt, 40 Mal weiter als die Erde. Gestern gelang somit der entfernteste Vorbeiflug einer Raumsonde an einem Objekt des Sonnensystems.

Lange Leitung bis zur Erde

Ganze sechs Stunden braucht ein Signal mit Lichtgeschwindigkeit von dort bis zur Erde. Die ersten verwaschenen Bilder stammen noch aus einer Entfernung von 800 Millionen Kilometern zu dem Objekt. Die ersten Aufnahmen vom Vorbeiflug werden derzeit noch von den Forschern empfangen und verarbeitet, sagt Projektwissenschaftler Hal Weaver.

"Diese Bilder haben es uns schon erlaubt, ein erstes Rätsel zu lösen. Denn wir waren uns sehr sicher, dass der Asteroid eine längliche Form hat und daher rotieren dürfte. In so einer Situation hätten wir aber eine schwankende Helligkeit erwarten müssen, was nicht der Fall war. Jetzt wissen wir, wieso die Helligkeit gleich blieb: Die Polachse des Asteroiden zeigt genau auf unsere Raumsonde. Wir blicken also von oben auf eine Art Propeller."

Nasa-Mitarbeiter feiern die historische Begutachtung des Asteroiden Ultima Thule (Picture alliance / MAXPPP)Nasa-Mitarbeiter feiern die historische Begutachtung des Asteroiden Ultima Thule (Picture alliance / MAXPPP)

Ultima Thule ist Teil des Kuiper-Gürtels, eines sich weit erstreckenden Bandes von hunderttausenden Asteroiden, zu dem auch der Pluto gehört. Doch anders als auf dem Zwergplaneten wirken auf die meisten kleineren Asteroiden des Kuipergürtels kaum irgendwelche Kräfte.

Vier Milliarden Jahreohne Veränderung

Dazu ist die Sonne so weit entfernt, dass das Material von Ultima Thule buchstäblich seit der Entstehung des Sonnensystems vor über vier Milliarden Jahren unverändert ist. Der Asteroid ist mit 32 Kilometern doppelt so lang wie breit – und das ist offenbar eine typische Form.

"Die meisten kleinen Körper des Sonnensystems haben eine längliche Form, weil auf ihnen nicht die nötige Schwerkraft wirkt, um zu einer Kugel zusammengedrückt zu werden. Sie konnten sich nur locker aus dem Material zusammenklumpen, aus dem sich das Sonnensystem einmal gebildet hat. Das haben wir beispielsweise beim Kometen Tschurjumow-Gerasimenko gesehen, dem Ziel der Rosetta-Mission. Auch das war ein hantelförmiges Objekt, was unter den Kometenkernen und auch unter den Asteroiden häufig vorkommt."

New Horizons hat während des Vorbeiflugs bereits einige Gigabytes an Daten aufgezeichnet. Die können jetzt nur stückweise und langsam zur Erde übertragen werden: Wegen der großen Distanz wird das erste übertragene Bild aus der Nähe gerade hundert mal hundert Pixel groß sein. Nächste Woche wird die Raumsonde außerdem einige Zeit von der Sonne bedeckt, weshalb die Datenübertragung dann pausieren muss. Erste hochaufgelöste Bilder vom entferntesten Vorbeiflug an einem Asteroiden sind damit erst im Februar zu erwarten.

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