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Astronomie
Tapire und Pekaris am Himmel

An der Nordküste Brasiliens leben die Tupinamba, die eine große Tradition als exzellente Himmelsbeobachter haben. Der französische Pater Claude d'Abbeville hat Anfang des 17. Jahrhunderts staunend festgestellt, dass dieser Indianerstamm die Gezeiten des Meeres mit dem Stand des Mondes in Verbindung brachte - in Europa war das damals noch unbekannt.

Von Dirk Lorenzen |
    Der Strauß am Himmel der Tupinamba
    Der Strauß am Himmel der Tupinamba (IAU)
    Ihre wichtigsten Sternbilder ordneten die Tupinamba entlang der Milchstraße an und nicht entlang der Ekliptik, wie die europäischen Kulturen. Anders als bei uns ist nahe dem Äquator die Milchstraße komplett zu beobachten.
    Die Tupinamba haben auch sehr helle Nebel oder dunkle Wolken in der Milchstraße in ihre Figuren eingebaut. So stellten für sie die beiden Magellanschen Wolken Wasserlöcher dar, an denen Tapire und Pekaris tranken.
    Die Indianer Brasiliens kannten über hundert Sternbilder am Himmel - wir haben heute nur achtundachtzig. Sie hielten den Himmel für eine unvollendete Kopie der Erde und meinten, dass alle Tiere auch in den Sternen vorkommen müssten.
    Zu den wichtigsten Figuren zählte der Strauß, der sich entlang der Milchstraße vom Kreuz des Südens bis zum Skorpion erstreckt. Die zwei hellsten Sterne der Fliege stellen zwei Eier dar, die der Strauß fressen möchte.
    Alpha und Beta Centauri, heute die Zeigersterne zum Kreuz des Südens, sind zwei bereits verspeiste Eier im Hals des Vogels. Antares und der Kopf des Skorpions galten als seine Schwanzfedern.
    Im Laufe der Nacht zieht der Kopf des Skorpions bei uns über den Südhimmel - der Straußenschwanz ragt also über den Horizont.