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AstronomieVergessene Stars: James Gilliss

Unser Nachbarplanet Venus beendet in diesen Wochen seine Vorstellung als Morgenstern. Zum Abschluss zieht er morgen und übermorgen früh an Regulus im Löwen vorbei.

04.09.2014

Freitag gegen sechs Uhr früh lässt sich die Venus ein Stück oberhalb des Sterns ausmachen, Sonnabend dann genau links von ihm. Regulus ist in der hellen Dämmerung allerdings nur in einem Fernglas zu sehen.
Im Zeitalter der Raumfahrt spielen klassische Teleskopbeobachtungen bei der Venusforschung keine große Rolle mehr. Doch in der Mitte des 19. Jahrhunderts war das noch anders: Damals reisten die Astronomen um die halbe Welt, um den Lauf der Venus präzise zu verfolgen.
Der Marineleutnant James Melville Gilliss leitete drei Jahre lang eine Expedition durch Chile. Das Hauptziel der Reise war, durch simultane Positionsmessungen der Venus von Chile und von Washington aus, die exakte Größe des Sonnensystems zu bestimmen.
Zwar erwiesen sich die Beobachtungen als zu ungenau, doch James Gilliss wirkt dennoch bis heute nach: Schon vor der Reise hatte er in Washington für die Gründung des US Naval Observatory gesorgt.
Unterwegs veranlasste er dann den Bau der Nationalsternwarte in Santiago. Die große astronomische Tradition Chiles hat vor mehr als 150 Jahren mit James Gilliss begonnen.
Später leitete er zwei Expeditionen zu totalen Sonnenfinsternissen in Peru und an der amerikanischen Westküste. Die letzten vier Jahre seines Lebens war er Direktor des Naval Observatory in Washington - dort starb er 1865 im Alter von 53 Jahren.