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AtomabkommenFreude in Teheran

In der iranischen Hauptstadt sind tausende Menschen auf den Straßen, um das Abkommen zu feiern. (picture-alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)
In der iranischen Hauptstadt sind tausende Menschen auf den Straßen, um das Abkommen zu feiern. (picture-alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)

Die Atom-Einigung steht, und in der iranischen Hauptstadt sind die Menschen auf die Straßen gegangen, um zu feiern. Sie versprechen sich viel von dem Abkommen - das nun aber erst einmal umgesetzt werden muss. Immerhin: Der religiöse Führer hat sich bereits zu Wort gemeldet: Ayatollah Ali Chamenei würdigte die "aufrichtige und schwierige" Arbeit der iranischen Delegation. Doch die Kritiker vor allem im Ausland sind alles andere als überzeugt.

Ali Chamenei hatte am Tag der Einigung mit den UNO-Vetomächten und Deutschland den iranischen Präsidenten Hassan Rohani und dessen Minister zum Fastenbrechen eingeladen.

"Ich bedanke mich und würdige die aufopferungsvollen Bemühungen des Atomteams", sagte er. Die Deutsche Presse-Agentur schreibt, schon die Einladung an sich sei - Beobachtern zufolge - als Zustimmung zu dem Atom-Abkommen zu bewerten.

Freude in Teheran: Vor allem junge Leute feiern das Abkommen (picture-alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)Freude in Teheran: Vor allem junge Leute feiern das Abkommen (picture-alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)

Die Straßen von Teheran boten am Dienstagabend dann auch ein Bild der Ausgelassenheit: Viele Menschen, darunter besonders viele junge Leute, haben sich nach dem Ende des Fastenbrechens aufgemacht in die Stadt. Einer der Treffpunkte ist die Nord-Süd-Achse, die Vali-Asr-Straße. Die Menschen haben ihre Handys am Ohr, sie schwenken die iranische Flagge, sie können es kaum glauben. Es bilden sich Auto-Korsos, die Stimmung erinnert an einen Sieg im Fußball. "Obama, Obama"-Sprechchöre sind zu hören, auf Bannern danken die Menschen aber auch Präsident Rohani und Außenminister Mohammad Javad Sarif.

In den USA hatte zuvor schon Präsident Barack Obama klare Worte gesprochen: Er sprach von einem diplomatischen Durchbruch und drohte mit seinem Veto, sollte der Kongress die Umsetzung des Abkommens stoppen. Eine ganze Reihe von Republikanern steht dem Abkommen im Besonderen und dem Iran im Allgemeinen kritisch gegenüber und hätte sich viel strengere Auflagen gewünscht.

Besonders scharf fiel die Kritik aus Israel aus:

Die israelische Kritik war denn auch so scharf, dass sogar Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier darauf Bezug nahm. Den ARD-Tagesthemen sagte er, das Abkommen sei ein Sieg der Diplomatie über Krisen, Konflikte und Gewalt. Die israelische Regierung solle sich die Einigung genauer anschauen und nicht auf eine "sehr grobschlächtige Kritik" setzen. Denn die Einigung baue gerade nicht auf gegenseitigem Vertrauen auf - das sei über die Jahre verloren gegangen. Grundlage seien darum nun Transparenz und Kontrolle.

Das Abkommen sieht vor, dass die Islamische Republik ihr Nuklearprogramm massiv zurückfährt, es aber nicht vollends einstellen muss. Der ganze Prozess wird von der Internationalen Atomenergiebehörde kontrolliert und überwacht. Im Gegenzug sollen dann schrittweise die Sanktionen gegen den Iran fallen. Sie betreffen nicht nur die sensiblen Zweige der Nuklearwirtschaft (sogenannten "Dual-Use-Güter"), sondern auch den Ölsektor und - vielleicht am Schmerzhaftesten - den internationalen Bankverkehr.

(jcs/kis)

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