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StartseiteInformationen am MorgenUS-Geheimdienste warnen vor Täuschungsmanövern Nordkoreas03.07.2018

Atomare Abrüstung US-Geheimdienste warnen vor Täuschungsmanövern Nordkoreas

Nach seinem Gipfeltreffen mit Kim Jong Un hielt US-Präsident Donald Trump Nordkoreas atomare Abrüstung für besiegelt. US-Außenminister Mike Pompeo soll am Donnerstag in Pjöngjang Details klären. Medienberichten zufolge warnen allerdings US-Geheimdienste vor Tricks und Täuschungsmanövern Nordkoreas.

Von Thilo Kößler

Ein Bildschirm im südkoreanischen Seoul zeigt Nachrichten über Nordkoreas Test einer ballistischen Rakete, die am 15. September 2017 über die nordjapanische Insel Hokkaido flog. (picture alliance / dpa / MAXPPP)
Meint es Nordkorea ernst mit seinem im Juni abgegebenen vagen Bekenntnis zur nuklearen Abrüstung? (picture alliance / dpa / MAXPPP)
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Treffen mit Kim Trumps Abkehr vom "maximalen Druck"

Täuschen, Tricksen und Vertuschen - in dieses nordkoreanische Verhaltensmuster ist nach Erkenntnissen US-amerikanischer Geheimdienste Kim Yong Un zurückgefallen. Und das, obwohl er erst jüngst bei dem Gipfeltreffen mit Donald Trump in Singapur zugesagt hatte, ab sofort die atomare Abrüstung seines Landes in Angriff zu nehmen.

Der ehemalige Abteilungsleiter der CIA für Korea, Bruce Klinger, hat sich seit 25 Jahren mit dem Kim-Regime in Pjöngjang beschäftigt und spricht nun von einem Déjà-vu-Erlebnis.

Dabei hatte der amerikanische Präsident unmittelbar nach dem Treffen von Singapur noch euphorisch getwittert, die nukleare Gefahr aus Nordkorea sei nun gebannt.

NBC: eindeutige Hinweise auf Täuschungsversuch

Die jüngsten Erkenntnisse der US-Geheimdienste scheinen dieser Einschätzung diametral zu widersprechen. Sie verdächtigen Nordkorea übereinstimmenden Medienberichten zufolge, den amerikanischen Präsidenten mit offenbar allzu vagen Zusagen zur nuklearen Abrüstung hinters Licht zu führen.

Der Nachrichtensender NBC berichtete unter Berufung auf Geheimdienstquellen von eindeutigen Beweisen, dass Pjöngjang versuche, die USA zu täuschen. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass Nordkorea seinen Bestand an Atomwaffen zurückfahre oder seine Raketenproduktion drossle. Im Gegenteil: Nach Angaben des Wall Street Journal belegen Satellitenaufnahmen, dass derzeit eine Produktionsstätte für Langstreckenraketen erweitert wird. Gleichzeitig sollen die Arbeiten an einem Atomreaktor weitergehen, mit dem die Plutoniumproduktion vervielfacht werden könne. Damit nicht genug, gibt es auch Erkenntnisse, dass die Urananreicherung in einer geheimen Produktionsstätte weiter forciert wird.

Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton räumte im Fernsehsender CBS ein, dass er sich der Risiken bewusst sei, dass Nordkorea insgeheim an seinem Atom- und Raketenprogramm weiterarbeitet.

Dennoch gab er sich zuversichtlich, dass man sich mit der nordkoreanischen Führung schnell auf einen Atomwaffenstopp verständigen könne:

"Wir haben ein Programm entwickelt. Ich bin mir sicher, dass Außenminister Mike Pompeo in naher Zukunft mit den Nordkoreanern darüber sprechen wird, binnen eines Jahres all ihre Massenvernichtungswaffen abzuschaffen und die ballistischen Raketenprogramme einzustellen. Wenn sie ihre strategische Entscheidung getroffen haben, könnten wir schnell vorankommen."

US-Außenminister Pompeo am Donnerstag in Pjöngjang

Damit befindet sich Bolton jedoch in krassem Widerspruch zu nahezu allen Experten, die – wie zum Beispiel Siegfried Hecker von der Stanford Universität – davon ausgehen, dass eine umfassende, nachprüfbare und irreversible Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen dürfte.

Widerspruch kommt auch aus der eigenen Administration. Außenminister Mike Pompeo geht davon aus, dass erste Ergebnisse eines Abrüstungsprogramms erst in zwei bis zweieinhalb Jahren zu erwarten sind. Pompeo hat ein Expertenteam damit beauftragt, ihm noch in dieser Woche ein stimmiges Konzept für synchronisierte Abrüstungs- und Kontrollschritte vorzulegen.

Pompeo wird am Donnerstag zu einem dritten Besuch in Pjöngjang erwartet, wo er Kim Yong Un auf einen konkreten Zeitplan verpflichten will. Während sich Donald Trump und das Weiße Haus nach wie vor zuversichtlich geben, einen historischen Durchbruch erzielen zu können, spricht der ehemalige CIA-Experte für Korea, Bruce Klinger, von einem harten Stück Arbeit. Es werde nicht leicht für Mike Pompeo werden, Fleisch an diesen Knochen zu bekommen, warnte er in CNN.

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