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StartseiteUmwelt und VerbraucherBraunschweiger Anwohner protestieren gegen Abfalllager08.01.2014

AtommüllBraunschweiger Anwohner protestieren gegen Abfalllager

Eine geplante Lagerhallehalle für schwach strahlenden radioaktiven Abfall sorgt in Niedersachsen für Aufregung. Die Anwohner im Norden Braunschweigs wehren sich gegen den Bau, in dem beispielsweise alte Putzlappen aus Atomkraftwerken oder verstrahlter Betonschutt gelagert werden sollen.

Mehrere gelbe Tonnen, auf denen das Warnzeichen für Radioaktivität zu sehen ist. (picture alliance / dpa)
Anwohner in Braunschweig wehren sich gegen eine Lagerhalle für schwach radioaktive Abfälle (picture alliance / dpa)
Weiterführende Information

Wo der Atommüll lagert (Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 14.10.2013)

Zwischenlager für Rückbauabfälle (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 27.07.2012)

Im Gymnasium machen sie Feierabend. Bernd Kwasnik lässt den sorglos plaudernden Pulk der Schüler an sich vorbeiziehen. Schule, Kita, Sportplatz:  Hier im nördlichen Braunschweiger Stadtgebiet liegt alles dicht beieinander, verdeutlicht der Aktivist der Bürgerinitiative Strahlenschutz Braunschweig (BISS) mit raumgreifender Gestik.

"Hier ist praktisch das pralle Leben! Ungefähr 200 Meter entfernt von der Firma Eckert & Ziegler bzw. GE Healthcare, Buchler, die hier mit radioaktiven Substanzen umgehen, Medizinprodukte herstellen und natürlich auch mit den entsprechenden strahlenden Rückständen, sprich: dem Atommüll, umgehen."

Eigene Messungen mit dem Geigerzähler

Eckert & Ziegler ist die größte der Nuklearfirmen, die am Standort im Ortsteil Thune pharmazeutische, medizin- und messtechnische Isotopenprodukte erzeugen, vor allem radioaktive Medikamente für die Krebstherapie. Das weltweit tätige Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin und einer Reihe von Tochterfirmen befasst sich in einem weiteren Geschäftsfeld mit der Lagerung und Verarbeitung  schwach-radioaktiver Abfälle etwa aus Arztpraxen und Krankenhäusern. Konflikte gab es lange nicht. Doch als die Firma ankündigte, auch radioaktive Laugen und andere Rückstände aus der maroden Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel entsorgen zu wollen, gingen besorgte Anwohner wie Bernd Kwasnik auf die Barrikaden.

"Da stehen jetzt zwei weiße Transporter, die jetzt gerade wieder beladen werden, mit Medizinprodukten. Und die strahlen natürlich auch entsprechend."

Seither wird nachgemessen – mit dem eigenen Geigenzähler.

"Der markanteste Messwert, den ich mal hatte, das war hier an der Tankstelle, als so ein vollbeladener Lieferwagen da stand. Das waren knapp 24 Mikrosievert die Stunde. Normalerwiese haben wir hier eine Grundstrahlung von 0,08 Mikrosievert die Stunde."

Anwohner befürchten Gesundheitsschäden

Nach Ansicht der Initiative wird die Gesundheit der Anwohner beim Transport der radioaktiven Medikamente  leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Auch am Zaun, der um das Firmengelände führt, habe das zuständige Gewerbeaufsichtsamt weit höhere Grenzwerte für die Direktstrahlung genehmigt als an jeder anderen atomtechnischen Anlage in Deutschland zulässig sein. Eckert&Ziegler beteuert, dass alle Grenzwerte eingehalten würden und weder für Mitarbeiter noch Anwohner einer Gefahr bestünde. Die Gefährdung könnte noch zunehmen, fürchtet hingegen Thomas Huk, der Vorsitzende der Bürgerinitiative. Denn Eckert&Ziegler will auf dem Rechtsweg gegen den Widerstand der Stadt den Bau einer neuen Halle zum Sortieren, Shreddern und Verpacken radioaktiver Abfälle auf dem erweiterten Firmengelände erzwingen. Als eine überfällige Modernisierung der bestehenden Anlagen begründet die Firma den Anlass zum Neubau. Kritiker wie Thomas Huk hingegen vermuten, dass Eckert&Ziegler Pläne schmiedet, im großen Stil in das Entsorgungsgeschäft einzusteigen und am Rückbau der deutschen Kernkraftwerke zu verdienen.

"Wir haben hier nun einmal die Nähe zu Schacht Konrad. ASSE ist nicht weit. Und die Firma hat natürlich entsprechend auch damit geworben, dass sie natürlich die Konditionierung für Schacht Konrad hier durchführen möchte. Also die Gefahr ist relativ groß, dass wir wohl auch zur Atommüll-Drehscheibe Deutschlands werden sollen."

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