Saudi-Arabien
Zivile Atomkraft – militärische Risiken?

Die USA und Saudi-Arabien haben ein Abkommen über ein ziviles Atomprogramm geschlossen. Doch ob es bei einer ausschließlich zivilen Nutzung bleibt, ist fraglich. Könnte es zu einem neuen atomaren Wettrüsten im Nahen Osten kommen?

    Kronprinz Mohammed bin Salman und US-Präsident Donald Trump sitzen nebeneinander und reichen sich die Hände.
    Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und US-Präsident Donald Trump schließen einen Atom-Deal. Viele Fragen bleiben noch offen. (Foto vom 18.11.2025) (imago / UPI Photo / Nathan Howard)
    Inmitten des Iran-Kriegs schließen die USA ein Atomabkommen mit einem Rivalen Irans: Saudi-Arabien. Das Abkommen soll die ausschließlich zivile Nutzung der Atomenergie  in dem Golfstaat regeln. Damit die Vereinbarung in Kraft treten kann, muss der US-Kongress noch zustimmen. 
    Saudi-Arabien will das Abkommen, um seine Energiequellen zu stärken, da das Erdöl endlich ist. Außerdem solle die Zusammenarbeit mit den USA  ausgebaut werden. Klingt alles harmlos, dennoch befeuert das Abkommen die Sorge vor einem möglichen Wettrüsten im Nahen Osten. 

    Inhalt

    Lässt sich eine militärische Nutzung wirklich ausschließen?

    Saudi-Arabien treibt die Nutzung von Kernkraft unter Kronprinz Mohammed bin Salman seit Jahren voran. An Ambitionen habe es schon in der Vergangenheit nicht gemangelt, erklärt Friedensforscher Fabian Unruh. Allerdings fehlte es dem Golfstaat bisher an den benötigten Schlüsseltechnologien.
    Laut Unruh ist die technische Unterstützung aus den USA zentral. Details des Abkommens sind derzeit rar und teilweise widersprüchlich. Sollte eine Anreicherung außerhalb Saudi-Arabiens, zum Beispiel in den USA, stattfinden, könnte man dies international gut kontrollieren, sagt Unruh. Die USA würde dann nur Brennstoff und angereichertes Uran liefern, das für die zivile Nutzung und nicht zur Weiterverarbeitung von Kernwaffen verwendet werden könne.
    Sollte die Anreicherung allerdings innerhalb des Golfstaates stattfinden, wären Kontrollen schwierig, da Saudi-Arabien ein Zusatzabkommen mit der Internationalen Atomenergiebehörde nicht unterzeichnet hat. Inspektionen wären dann nicht effektiv.
    Saudi-Arabien strebe die Anreicherung auf eigenem Boden an, sagt Politologe Guido Steinberg. Er ist sich sicher, dass die Saudis sich die Option, aus dem zivilen Atomprogramm ein militärisches machen zu können, bewusst offenhielten.

    "Eine Katastrophe": Rivalitäten führen zu Wettrüsten

    Der Nahe Osten hat mit Israel schon einen Nuklearwaffenstaat. Ein Zugang Saudi-Arabiens zu sensibler Nukleartechnik könnte den Druck auf andere Länder erhöhen, eigene Programme auszubauen, sorgt sich Friedensforscher Unruh. Er ist sich sicher, dass Iran großes Interesse hat, nicht hinter dem Rivalen Saudi-Arabien zurückzufallen. "Im schlimmsten Fall kann es dafür sorgen, dass wir eine Art Rüstungswettlauf im Nahen Osten im Bezug auf Nuklearwaffen erleben könnten."
    Doch nicht nur Iran sieht sich als Rivale zu Saudi-Arabien. Auch andere Akteure in der Region schauen genau auf das Abkommen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben bereits ein Atomprogramm. Anders als Saudi-Arabien, haben sie allerdings auf jegliche eigene Anreicherung bisher verzichtet und sind dem Zusatzprotokoll zum Nichtverbreitungsabkommen beigetreten. Das heißt, dass umfassende internationale Inspektionen stattfinden.
    Politikwissenschaftler Steinberg sieht nun die Gefahr, dass sie diese Klauseln nun ändern könnten, da Saudi-Arabien ein "großzügigeres Angebot" bekommen habe. Auch die Türkei sieht sich als wichtigen Akteur in der Region – und könnte mit eigenen Plänen folgen. "Eine Katastrophe", so der Politologe mit Blick auf ein mögliches Wettrüsten.

    Wie sich Machtverhältnisse durch das Atomabkommen verschieben könnten

    Das Abkommen fällt in eine Zeit extremer Spannungen in der Region und es kann durchaus die Machtverhältnisse und Allianzen verschieben. In den vergangenen Jahren verfolgte Saudi-Arabien eine "Balance-Politik" und suchte gezielt die Nähe zu Russland und China. Nun bindet das Abkommen und die geplanten Milliardeninvestitionen amerikanischer Nuklearfirmen Saudi-Arabien wieder stärker an die USA und stärkt deren Einfluss im Nahen-Osten.
    Gleichzeitig könnte Israel geschwächt werden. Bisher war ein Atomabkommen mit Saudi-Arabien an die Bedingung geknüpft, dass der Golfstaat Israel offiziell anerkennt. Darauf beharrten die USA. Saudi-Arabien lehnt dies allerdings weiterhin ab und die USA verzichteten nun, zugunsten eines Deals, auf diese Forderung – so hieß es zuerst. Auf "Truth Social" schrieb Trump nachträglich, einen Tag nach der Unterzeichnung, das Abkommen hänge doch daran, dass Saudi-Arabien seine Beziehung zu Israel "normalisiere" und dem Abraham-Abkommen beiträte.
    Ob die Saudis bei diesem Punkt mitziehen, ist unklar. Bisher blieb Saudi-Arabien in seiner Position zu Israel unverrückbar. Das könnte bedeuten, dass am Ende doch kein Deal zustande kommt.
    Onlinetext: Nora Bath