Möller: Schönen guten Morgen.
Ensminger: Wir haben es gehört: Herr Flath schließt auch die Klimaveränderung als Ursache nicht aus. Haben wir aus Ihrem Bericht von damals nichts gelernt?
Möller: Nein, nicht allzu viel. Zumindest im Kopf hat man die Botschaft teilweise verstanden. Die gegenwärtig zunehmenden Naturkatastrophen, Wetterzuspitzungen, die wir überall auf der Welt erleben, machen deutlich, dass dieses nicht nur eine theoretische Frage ist, wie sie lange Zeit wahrgenommen worden ist, sondern dass sie uns jetzt auch trifft. Seit einiger Zeit verfolgen wir Naturkatastrophen und ähnliche Dinge in anderen Kontinenten; nun trifft es uns auch zu Hause. Die Hoffnung besteht, dass uns damit deutlich wird, dass gehandelt werden muss.
Ensminger: Nun sagt der Umweltminister auch, dass Maßnahmen gegen die Erderwärmung nur langfristig wirken, das heißt für die Enkelkinder quasi erst greifen. Sehen Sie das auch so?
Möller: Ja, das ist völlig richtig. Wir hätten eigentlich vor 30, 40 Jahren schon langsam handeln müssen. Damals hatte man aber auch noch nicht die Erkenntnisse. Inzwischen sind wir in der Klimaforschung erheblich weiter. Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die Klimaveränderungen eben durch das menschliche Verhalten erzeugt werden. Wir wissen seit einiger Zeit, was alles auf der Agenda steht, was eigentlich getan werden müsste. Wenn wir jetzt beginnen zu handeln - das ist völlig richtig -, dann kann man Prozesse auf 30, 40 Jahre verzögern und verändern, aber nicht von heute auf morgen.
Ensminger: Nun beginnt Ende des Monats in Johannesburg der Weltklimagipfel. Was erwarten Sie sich davon?
Möller: Auf der Agenda von Johannesburg stehen eine Fülle von Fragen und Problemen: die Armut, der Hunger, politische Probleme.
Ensminger: Und die Wasserknappheit!
Möller: Die Klimathematik wird dabei wahrscheinlich nur indirekt eine Rolle spielen, denn die Menschen im Süden - um deren Schicksal geht es im wesentlichen - haben ganz akute Probleme des Überlebens, der politischen Stabilität, der natürlichen Bedürfnisse von Trinkwasser und ähnlichem. Bei uns hat man bisher Klimadinge auch nicht ansprechen können, sondern das Auto und der Komfort standen im Vordergrund.
Ensminger: Was also müsste passieren? Was fordern Sie?
Möller: Das Bewusstsein in der Dritten Welt für die Klimakatastrophe ist natürlich im Moment nicht da, sondern wir im Norden sind sehr viel mehr aufgefordert zu handeln, auch wenn man davon ausgeht, dass durch das menschliche Verhalten Klimaveränderungen herbeigeführt werden, etwa der Treibhauseffekt. Wir sind eigentlich im wesentlichen zum Handeln aufgerufen.
Ensminger: Was müsste als nächstes passieren?
Möller: Das wichtigste wäre natürlich, wenn wir im Kyoto-Protokoll, das die ersten Ansätze dafür bringt, verankern, dass wir uns darum bemühen werden, die Treibhausemissionen im CO2-Bereich zu verringern, wenn man dort Fortschritte erzielen würde, aber die USA und einige andere sperren sich noch dagegen, weil natürlich das Kyoto-Protokoll bestimmte Konsequenzen für unsere Wirtschaft hätte.
Ensminger: Umweltminister Trittin sagte bezogen auf das Kyoto-Protokoll, Deutschland sei in der Verminderung der CO2-Emission vorbildlich. Stimmen Sie da zu?
Möller: Ja, sind wir in mancherlei Hinsicht. Wir könnten auch noch mehr tun. Die Verbesserungen sind natürlich dadurch gekommen, dass mit der Wiedervereinigung eine Fülle von Industrien, die in erheblichem Maße in der ehemaligen DDR zur Luftverschmutzung beigetragen haben, zurückgegangen sind. Die deutsche Industrie hat auch durch Selbstverpflichtungen erhebliches getan, aber in dieser Frage wird immer mit dem Finger auf andere gezeigt. Im wesentlichen geht es um uns Verbraucher. Wenn wir mal berücksichtigen, in welchem Bereich die wesentlichen Emissionen erfolgen, dann ist das einmal natürlich im Verkehrsbereich, ist es unser Heizungskomfort. Auch die Landwirtschaft trägt mit Methan und anderen Dingen in erheblichem Maße zur Emission von Treibhausgasen bei. Also man müsste an verschiedenen Fronten anfangen. Die Automobilindustrie: wir müssten den Drei-Liter-Wagen bekommen, wir brauchen im Dieselbereich den Rußfilter. Es gibt also eine Fülle von Dingen, die gemacht werden müssten, die mit bestimmten Belastungen und Opfern verbunden sind, wozu bisher - und das war ja immer das Drängen der Grünen mit Recht, wir müssen etwas tun, wir müssen Energie verteuern - leider niemand bereit war. Das war bisher bei uns tabu. Denken wir nur an das Schicksal der Ökosteuer.
Ensminger: Vielen Dank! - Uwe Möller, Generalsekretär des Club of Rome, über die derzeitigen Zustände beim Hochwasser in Deutschland und in Europa.
Link: Interview als RealAudio
Ensminger: Wir haben es gehört: Herr Flath schließt auch die Klimaveränderung als Ursache nicht aus. Haben wir aus Ihrem Bericht von damals nichts gelernt?
Möller: Nein, nicht allzu viel. Zumindest im Kopf hat man die Botschaft teilweise verstanden. Die gegenwärtig zunehmenden Naturkatastrophen, Wetterzuspitzungen, die wir überall auf der Welt erleben, machen deutlich, dass dieses nicht nur eine theoretische Frage ist, wie sie lange Zeit wahrgenommen worden ist, sondern dass sie uns jetzt auch trifft. Seit einiger Zeit verfolgen wir Naturkatastrophen und ähnliche Dinge in anderen Kontinenten; nun trifft es uns auch zu Hause. Die Hoffnung besteht, dass uns damit deutlich wird, dass gehandelt werden muss.
Ensminger: Nun sagt der Umweltminister auch, dass Maßnahmen gegen die Erderwärmung nur langfristig wirken, das heißt für die Enkelkinder quasi erst greifen. Sehen Sie das auch so?
Möller: Ja, das ist völlig richtig. Wir hätten eigentlich vor 30, 40 Jahren schon langsam handeln müssen. Damals hatte man aber auch noch nicht die Erkenntnisse. Inzwischen sind wir in der Klimaforschung erheblich weiter. Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die Klimaveränderungen eben durch das menschliche Verhalten erzeugt werden. Wir wissen seit einiger Zeit, was alles auf der Agenda steht, was eigentlich getan werden müsste. Wenn wir jetzt beginnen zu handeln - das ist völlig richtig -, dann kann man Prozesse auf 30, 40 Jahre verzögern und verändern, aber nicht von heute auf morgen.
Ensminger: Nun beginnt Ende des Monats in Johannesburg der Weltklimagipfel. Was erwarten Sie sich davon?
Möller: Auf der Agenda von Johannesburg stehen eine Fülle von Fragen und Problemen: die Armut, der Hunger, politische Probleme.
Ensminger: Und die Wasserknappheit!
Möller: Die Klimathematik wird dabei wahrscheinlich nur indirekt eine Rolle spielen, denn die Menschen im Süden - um deren Schicksal geht es im wesentlichen - haben ganz akute Probleme des Überlebens, der politischen Stabilität, der natürlichen Bedürfnisse von Trinkwasser und ähnlichem. Bei uns hat man bisher Klimadinge auch nicht ansprechen können, sondern das Auto und der Komfort standen im Vordergrund.
Ensminger: Was also müsste passieren? Was fordern Sie?
Möller: Das Bewusstsein in der Dritten Welt für die Klimakatastrophe ist natürlich im Moment nicht da, sondern wir im Norden sind sehr viel mehr aufgefordert zu handeln, auch wenn man davon ausgeht, dass durch das menschliche Verhalten Klimaveränderungen herbeigeführt werden, etwa der Treibhauseffekt. Wir sind eigentlich im wesentlichen zum Handeln aufgerufen.
Ensminger: Was müsste als nächstes passieren?
Möller: Das wichtigste wäre natürlich, wenn wir im Kyoto-Protokoll, das die ersten Ansätze dafür bringt, verankern, dass wir uns darum bemühen werden, die Treibhausemissionen im CO2-Bereich zu verringern, wenn man dort Fortschritte erzielen würde, aber die USA und einige andere sperren sich noch dagegen, weil natürlich das Kyoto-Protokoll bestimmte Konsequenzen für unsere Wirtschaft hätte.
Ensminger: Umweltminister Trittin sagte bezogen auf das Kyoto-Protokoll, Deutschland sei in der Verminderung der CO2-Emission vorbildlich. Stimmen Sie da zu?
Möller: Ja, sind wir in mancherlei Hinsicht. Wir könnten auch noch mehr tun. Die Verbesserungen sind natürlich dadurch gekommen, dass mit der Wiedervereinigung eine Fülle von Industrien, die in erheblichem Maße in der ehemaligen DDR zur Luftverschmutzung beigetragen haben, zurückgegangen sind. Die deutsche Industrie hat auch durch Selbstverpflichtungen erhebliches getan, aber in dieser Frage wird immer mit dem Finger auf andere gezeigt. Im wesentlichen geht es um uns Verbraucher. Wenn wir mal berücksichtigen, in welchem Bereich die wesentlichen Emissionen erfolgen, dann ist das einmal natürlich im Verkehrsbereich, ist es unser Heizungskomfort. Auch die Landwirtschaft trägt mit Methan und anderen Dingen in erheblichem Maße zur Emission von Treibhausgasen bei. Also man müsste an verschiedenen Fronten anfangen. Die Automobilindustrie: wir müssten den Drei-Liter-Wagen bekommen, wir brauchen im Dieselbereich den Rußfilter. Es gibt also eine Fülle von Dingen, die gemacht werden müssten, die mit bestimmten Belastungen und Opfern verbunden sind, wozu bisher - und das war ja immer das Drängen der Grünen mit Recht, wir müssen etwas tun, wir müssen Energie verteuern - leider niemand bereit war. Das war bisher bei uns tabu. Denken wir nur an das Schicksal der Ökosteuer.
Ensminger: Vielen Dank! - Uwe Möller, Generalsekretär des Club of Rome, über die derzeitigen Zustände beim Hochwasser in Deutschland und in Europa.
Link: Interview als RealAudio
