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StartseiteSport am WochenendeThe three German-Football-Brothers15.12.2018

Auf dem Weg in die NFLThe three German-Football-Brothers

Eine Football-Familie hofft auf eine große Zukunft: Die drei Brüder Equanimeous, Osiris und Amon-Ra St. Brown sind in Kalifornien geboren, haben aber eine deutsche Mutter. Der Älteste spielt seit dieser Saison für die Green Bay Packers in der NFL. Begonnen hat alles eher zufällig: auf der FIBO.

Von Heiko Oldörp

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Der Wide Receiver der Green Bay Packers Equanimeous St. Brown. (imago sportfotodienst)
Equanimeous St Brown spielt seit dieser Saison als Wide Receiver für die Green Bay Packers in der NFL. (imago sportfotodienst)
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Köln 1989, Miriam Steyer ist auf der Messe für Fitness und Body, kurz FIBO. Die Leverkusenerin begleitet eine Freundin, die auf der FIBO Badminton spielt. Was sie nicht ahnt: der Messebesuch wird ihr Leben verändern. Denn Steyer trifft einen muskelbepackten Mann, einen Afro-Amerikaner:

"Da habe ich ihn halt an diesem Stand gesehen und da sind wir so ein bisschen ins Gespräch gekommen. Mein Englisch war relativ schlecht zu der Zeit, also wir haben uns nicht groß unterhalten können." 

Der Mann, der sie beeindruckt, ist in der Tat ein Hingucker. John Brown, Bodybuilder, dreimaliger Mister World und zweimaliger Mister Universum. Die anfängliche Sprachbarriere hindert beide nicht daran, sich näher kennen und lieben zu lernen. Nach jahrelangem Briefe schreiben und besuchen, heiraten sie 1996 in Leverkusen, anschließend zieht Miriam zu ihrem John nach Kalifornien. Beide bekommen drei Söhne.

Die Söhne sollen Footballer werden

Für John Brown ist klar, dass sie Sportler werden sollen, Footballer - und wenn möglich, ganz oben spielen, in der NFL. Bei der Karriere-Planung seiner Söhne greift er auf seine Erfahrungen als Bodybuilder zurück. Er weiß, dass mitunter Kleinigkeiten den entscheidenden Unterschied ausmachen können. Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Namen. Sie müssen seiner Meinung nach auffallen, sich von denen anderer absetzen.

So nennt er seinen ersten Sohn Equanimeous. Das Wort leitet sich von "equanimity" ab - was Gelassenheit bedeutet. Auf der deutschen Seite der Familie war jedoch niemand entspannt, erinnert sich Mutter Miriam:

"Das war dann erstmal ein Schock, auch für meine Eltern, überhaupt für alle, alle Beteiligten. Equanimeous konnte ja gar keiner aussprechen - mein Vater und meine Mutter schon mal gar nicht."

Die anderen beiden Söhne bekommen die Namen ägyptischer Götter: Osiris und Amon-Ra.

Mehrsprachig aufgewachsen

Außerdem heißen die Kinder St. Brown - denn Brown, sagt Vater John, sei ein Sklavenname. Miriam betont, dass sie keinen Einfluss gehabt habe. Ihr Fokus lag woanders:

"Also ich habe das nicht so gesehen, dass auf alle Fälle da mal Profis draus werden sollen. Also für mich waren Sprachen wichtig. Ich wusste, die mussten eigentlich mehr als zwei Sprachen sprechen, um überhaupt erfolgreich in der Zukunft im Business-Leben zurechtzukommen. Und dann eben auch die ganze akademische Ausbildung."

Ihre Söhne sprechen Englisch, Deutsch und Französisch. Sie verbringen die Sommer in Leverkusen oder in Friedensdorf, in der Nähe von Halle an der Saale, bei ihrer Großtante, Sieglinde Zeising, die sie alle nur "Tante Linde" nennen. Wenn Equanimeous an Friedensdorf denkt, dann vor allem an:

"Ganz viele Tiere, wie Hühner. Sehr viel Land, zwei Häuser ja und ganz viel Obst und Gemüse hinten im Garten."

Liebevoller Vater und unnachgiebiger Trainer

Sieglinde Zeising ist mittlerweile 85 Jahre - 2015 waren die St. Browns zuletzt bei ihr. Ihr Gesicht glänzt, wenn sie über die Besuche spricht.

"Rumgetobt haben sie sowieso, der Ball war immer dabei. Haben wir Lagerfeuer gemacht, im Garten wurde ein Zelt aufgestellt, Fahrräder wurden gleich irgendwie besorgt. Die kamen und dann wurde mit dem Fahrrad ums Dorf erstmal eine Runde gedreht - da haben sie sich gezeigt, dass sie wieder in Friedensdorf sind."

Daheim in Orange County, südlich von Los Angeles, lässt John Brown seine Söhne schon sehr früh in der Garage Gewichte stemmen. Er ist ein liebevoller Vater, aber ein unnachgiebiger Trainer, sagt Equanimeous: "Er hat uns den Weg gezeigt, wie hart dieser Weg sein wird. Und wie hart wir dafür arbeiten müssen."

Equanimeous St. Brown. (imago sportfotodienst)Equanimeous St. Brown spielte drei Jahre am College von Notre Dame. (imago sportfotodienst)

Für den 22-Jährigen hat sich die harte Arbeit bereits ausgezahlt. Nach drei Jahren am renommierten College von Notre Dame spielt der älteste der St. Brown-Brüder seit dieser Saison Wide Receiver für die Green Bay Packers in der NFL. "Rogers first down. Wide open to the 45 yard line, the rookie out of Notre Dame, Equanimeous St. Brown."

Osiris und Amon-Ra gehören in ihren College-Teams zu den Leistungsträgern und könnten dem großen Bruder bald folgen - auch sie spielen auf der Position des Pass-Empfängers, sind also für spektakuläre Aktionen wie Touchdowns zuständig. "Es ist schon das oberste Ziel für alle drei, in die NFL zu kommen, dort gut zu sein, eine relativ lange Karriere zu haben und dann eben fürs Leben auch ausgesorgt zu haben. Also das wäre natürlich das Ideale."

Drei Brüder in der NFL - das würde nicht nur die Eltern stolz machen, sondern wäre auch der ideale Stoff, um noch mehr in den medialen Mittelpunkt zu rücken, sagt Andreas Ulrich, dessen Düsseldorfer Agentur unter anderem Athleten vermarktet und Sportevents veranstaltet.

Großes Potenzial

"Die Geschichte ist ja Klasse, da kann man ja ‘ne Menge draus machen. Und, ich glaube, wenn die alle oben spielen, wenn die alle ‘ne halbwegs gute Rolle spielen, dann werden da auch die Vermarkter wahrscheinlich Schlange stehen. Wenn die dann auch noch das Image bekommen - oder nach außen oft genug getragen wird - dass die auch alle wirklich noch ‘ne ordentliche Bildung haben, dass die mehrere Sprachen sprechen, dass sie aus einem zweisprachigen Elternhaus kommen, der Vater selbst in seiner Sportart ein Weltklasse-Athlet - das ist natürlich medial ‘ne eins. Und damit kann’s dann auch für die Vermarktung ‘ne Vorlage sein."

Miriams Bruder Mike Steyer fungiert als Berater von Equanimeous und koordiniert zudem Presseanfragen. Von einem Businessmodel seiner Neffen spricht er noch nicht - weiß aber um das Potential:

"Dass es da halt Möglichkeiten gibt, um das Ganze dann auch zu vermarkten, das steht im Raum. Wie das jetzt in Zukunft aussieht, das werden wir uns halt noch genau überlegen und dann auch entsprechend handeln."

Vermarktung auch in Deutschland

Andreas Ulrich sieht nicht nur Vermarktungsmöglichkeiten in den USA, sondern auch in Deutschland. Allerdings: 

"Wenn ich jetzt jemanden habe, die in den USA aufgewachsen sind, wenn auch zweisprachig - dann zu versuchen, nur aus Vermarktungssicht womöglich im zweiten Markt, nämlich dem ihrer Mutter in Deutschland Fuß zu fassen, dann ist das gar nicht so einfach. Weil, Sprache ist ein riesen Thema. Es muss glaubwürdig sein, die Sprache muss dann auch so sein, wie von einem Deutschen. Sonst funktioniert das schlecht. Die müssen ‘ne Präsenz haben." 

Mike Steyer betont, dass seine Neffen im nächsten Sommer nach Deutschland kommen werden. Zum einen, weil es mediale Anfragen gibt, vor allem aber, weil sie einfach mal wieder Lust haben, ihre zweite Heimat zu sehen.

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