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StartseiteEine WeltAufbauhilfe anders23.01.2010

Aufbauhilfe anders

Pekings Engagement am Hindukusch

China entwickelt sich zu einem wichtigen Wettbewerber um Rohstoffe und politische Allianzen in der Dritten Welt. Auch in Afghanistan investiert Peking Milliarden. Gegen die Rechte am Abbau von Rohstoffen baut China Schulen, Straßen, Sportstadien oder Moscheen.

Von Astrid Freyeisen

Auf zivilen Aufbau und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Afghanistan setzt China. (AP)
Auf zivilen Aufbau und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Afghanistan setzt China. (AP)
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Die Kupfermine von Aynak ist eine der bedeutendsten der Welt - das Problem: Sie liegt in Afghanistan. 2007 hatte die afghanische Regierung die Wahl zwischen fünf Investoren aus den USA, Kanada, England, Kasachstan, Russland - und MCC aus China. Die Chinesen bekamen den Zuschlag. Für Peking auch ein strategisches Projekt, sagt der Asienexperte Wang Weihua vom Shanghaier Institut für Internationale Studien:

"Die aktuelle Strategie des Kampfes der NATO passt nicht in Chinas Selbstverständnis. China engagiert sich lieber in der Wirtschaft und in sozialen Projekten. Sicherlich ist das Militär die Grundlage, auf der die Krise in Afghanistan gelöst werden muss. Aber darüber hinaus sind da noch der Wiederaufbau einer Struktur in der Verwaltung und die Verbesserung des Lebensstandards. Diese sind wichtiger, wenn eine dauerhaft stabile soziale Lage geschaffen werden soll. China kann mehr in diesen Bereichen tun."

Die Kupfermine von Aynak zeigt, was Professor Wang meint: Der chinesische Staatskonzern MCC bot nicht nur eine Milliarde mehr als jeder andere Mitbewerber. Die 3,4 Milliarden Dollar aus China waren die größte Investition, die es in Afghanistan je gegeben hat. MCC versprach darüber hinaus, Vertriebswege für das Kupfer zu bauen. Und: Schulen, Straßen, sogar Moscheen. MCC versprach, afghanische Ingenieure für die 10.000 Arbeitsplätze in Aynak auszubilden und nur im Management Chinesen einzusetzen. Die Chinesen hätten ihr Wort gehalten, schreibt ein Reporter der "New York Times". Ben Simpfendorfer ist nicht überrascht. Der Asienexperte der Roval Bank of Scotland beschreibt in seinem Buch "Die neue Seidenstraße" das Engagement der Chinesen in Krisengebieten wie Afghanistan oder Pakistan:

"Ich denke, es spiegelt die Tatsache wieder, dass sich China zunehmend auf allen aufstrebenden Märkten engagiert, vor allem jenen seiner Nachbarländer. Sie haben kein Problem, zu sehr niedrigen Kosten in Projekte einzusteigen, in Ländern mit einem hohen Risiko - wie Afghanistan. Sehr oft sind in den chinesischen Angeboten die Finanzierungen eingeschlossen. Über chinesische Banken, zu recht günstigen Bedingungen. Das ist momentan eine sehr sinnvolle Strategie."

Die den Chinesen wirtschaftlich viel bringt. Beispiel Aynak: Das Wirtschaftswunderland China mit seinen über 1,3 Milliarden Menschen ist der weltweit größte Importeur von Kupfer. In Aynak soll in den kommenden 25 Jahren der Gegenwert von einem Drittel aller bekannten Kupferreserven Chinas abgebaut werden. Abseits von diesem Riesengeschäft wirkt der chinesisch-afghanische Handel zwergenhaft: Laut afghanischer Botschaft in China waren es 2009 nur 500 Millionen Dollar - während das Handelsvolumen zwischen Afghanistan und Pakistan dreimal so hoch war. Wer von der neuen Seidenstraße profitiert ist für Ben Simpfendorfer klar:

"Ich denke, momentan profitieren vor allem die Chinesen. Exporte in den Mittleren Osten steigen schnell. Die Chinesen haben die US-Amerikaner als größter Exporteur dorthin überholt. Abgesehen vom Öl wachsen die Importe aus dem Mittleren Osten nicht so schnell. Die Länder der Seidenstraße profitieren aber auch - weil die chinesischen Baufirmen ihnen Infrastruktur hinstellen, die sie von westlichen Firmen nie kriegen würden. Dies ist die Basis für ein solides Wachstum in diesen Ländern."

"Die neue Seidenstraße" - Simpfendorfers Buchtitel spielt auf die historische Seidenstraße an, die im Mittelalter durch Handel China und die westliche Welt verband. Auch die Chinesen betonen kulturelle Verbindungen. So hat Peking erstmals Stipendien für Afghanen vergeben, die zwei Jahre lang in China studieren dürfen. Im November eröffnete in Kabul ein Konfuzius-Institut. Gleichzeitig lehnt es Peking ab, Friedenstruppen nach Afghanistan zu schicken - ohne UNO-Auftrag keine chinesischen Blauhelme. Obwohl sich China selbst von Terrorismus bedroht und Afghanistan als Ausbildungslager für uigurische Rebellen sieht. Der Shanghaier Experte Wang Weihua sagt:

"China und der Westen haben im Kampf gegen den Terror viele gemeinsame Interessen. Wir alle wollen, dass der Terrorismus aufhört. Aber wir sind unterschiedlicher Meinung, wie man dieses Ziel erreichen kann. Westliche Diplomatie mischt sich sehr oft in die Angelegenheiten anderer Nationen ein. Obwohl viele Schritte legitim sind, hat es die Autorität der pakistanischen Regierung untergraben, dass die USA verdächtige Objekte auf pakistanischem Gebiet bombardiert haben. Man verletzt mit solchen Aktionen die Gefühle der Einheimischen. Das ist nicht sehr hilfreich im Kampf gegen den Terrorismus."

Keinen Schuss abzugeben, stattdessen Handel zu treiben, hält Ben Simpfendorfer langfristig für eine effektive Strategie. Der Westen dürfe aber nicht resignieren, sondern er müsse in Krisengebieten zeigen, dass nicht nur das chinesische Gesellschaftsmodell attraktiv ist.

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