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StartseiteKalenderblattAufstieg und Fall der "Eisernen Lady"03.05.2009

Aufstieg und Fall der "Eisernen Lady"

Heute vor 30 Jahren wurde Margaret Thatcher die erste Premierministerin Großbritanniens

83 Jahre ist sie mittlerweile alt und noch immer sind die helmartige Frisur, die Handtasche und die zugeknöpfte Kostümjacke ihre Markenzeichen. Und die Konfrontation. Margaret Thatcher hat in ihrem Leben viele vor den Kopf gestoßen. Dennoch: Im politischen Bewusstsein Großbritanniens ist sie heute so präsent wie zu ihrer Amtszeit.

Von Monika Köpcke

Margaret Thatcher: Heute vor 30 Jahren wurde die "Eiserne Lady" Premierministerin von Großbritannien.  (AP Archiv)
Margaret Thatcher: Heute vor 30 Jahren wurde die "Eiserne Lady" Premierministerin von Großbritannien. (AP Archiv)

"Good afternoon, Prime minister. How do you feel at this moment?"

"Very excited and very well. Her Majesty, The Queen has asked me to form a new administration and I have accepted. This is one of the... "

Begleitet von Journalisten und zahlreichen Schaulustigen, bei denen sich Jubler und Buh-Rufer die Waage halten, bezieht Margaret Thatcher ihre neue Dienstwohnung. Einen Tag zuvor, am 3. Mai 1979, hatte ihre konservative Partei die absolute Mehrheit errungen. Damit steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze eines europäischen Landes. Und diese Frau hat nicht die Absicht die erste Premierministerin eines mittelmäßigen, sich im Abstieg befindenden Großbritanniens zu werden.

Thatcher: "I do not intend to be the first woman prime minister of a mediocre and declining Britain.”"

In der Tat galt Großbritannien als "der kranke Mann Europas", als Margaret Thatcher die Amtsgeschäfte übernahm. Von der vorangegangenen Labour-Regierung erbte sie 1,5 Millionen Arbeitslose, 29 Prozent Inflation, marode Staatsbetriebe, hohe Sozialausgaben und mächtige Gewerkschaften, die mit Massenstreiks immer wieder das öffentliche Leben lahmlegten. Die Sehnsucht nach einer starken Hand war groß.

Thatcher: ""I think women are better in ... than men.”"

Frauen können einfach besser mit dem Haushaltsgeld umgehen, war die frischgebackene Premierministerin überzeugt - und verordnete dem Land eine wirtschaftliche Rosskur, wie die Briten sie bis dahin noch nicht erlebt hatten. Sie reduzierte die Geldmenge, kürzte die Sozialausgaben, privatisierte die großen staatlichen Unternehmen, zähmte die Gewerkschaften und strich Subventionen, auch wenn dadurch ganze Regionen zu Industriebrachen wurden. Jede Kritik an ihrem harten Kurs mähte sie nieder, sah sie sich doch immer als "Überzeugungs"-' nicht als "Konsens"-Politikerin. Da hielt sie es ganz mit dem Motto, das bereits der Vater der kleinen Maggie eingeschärft hatte: Tue niemals irgendetwas, nur weil andere es tun.

Thatcher: ""Never do something just because other people do it, my father said, never just follow the crowd, never!”"

Thatchers Programm bedeutete eine radikale Neuordnung des Verhältnisses von Staat, Gesellschaft und Individuum. Für den Staat als Fürsorgeeinrichtung hatte sie wenig übrig. In ihren Erinnerungen schreibt sie:

""Wir müssen die Idee austreiben, dass, wenn Du etwas Unrechtes tust, dies nicht Dein Fehler, sondern der Fehler der Gesellschaft ist. Die Rechte und Pflichten des einzelnen Bürgers müssen wieder Vorrang erhalten gegenüber kollektiven Einheiten wie Staat oder Gesellschaft ..."

Individualismus, harte Arbeit, Wettbewerb, Eigenverantwortung und Aufstiegswille waren die Tugenden, die den Sozialstaat weitgehend überflüssig machen sollten.

"Unter Margaret Thatcher hat sich Großbritannien in eine Gesellschaft von Egoisten verwandelt, in der sich ein Teil der Bevölkerung geradezu schamlos auf Kosten des anderen Teils bereichert. Die Tugenden der Margaret Thatcher haben zum Niedergang all der Bereiche geführt, die keinen vordergründigen Marktwert besitzen: Das Gesundheitswesen, das Schulwesen und die Kultur sind am Ende."

Das schrieb ein britischer Kommentator 1989. Die streng marktorientierte Wirtschaftspolitik war sehr erfolgreich, aber sie bedrohte den sozialen Frieden. Als Ende der 80er-Jahre die Poll tax eingeführt wurde, eine Gemeindesteuer, die Millionäre wie Arbeitslose im Prinzip gleich belastete, kam es im ganzen Land zu gewalttätigen Protesten. Thatchers Popularität war im Keller, und als dann noch zwei enge Mitarbeiter aus Protest gegen ihre unerbittliche europafeindliche Haltung zurücktraten und sie die Wiederwahl zur Parteivorsitzenden verlor, gab die eiserne Lady nach: Am 22. November 1990 trat sie zurück und musste nach britischem Brauch sofort ihre Dienstwohnung räumen.

Thatcher: ""Ladys and gentlemen, we are leaving Downing Street for the last time after eleven and a half wonderful years ...”"

Übersetzung: Nach elfeinhalb wunderbaren Jahren verlassen wir zum letzten Mal die Downing Street, und wir sind sehr glücklich, dass wir das Vereinigte Königreich in einem weitaus besseren Zustand hinterlassen, als wir es vor elfeinhalb Jahren vorgefunden haben.

"".... and we are very happy that we leave the United Kingdom in a much better state than when we came here eleven and a half years ago.”"

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