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AusbildungsreportDGB bemängelt Qualität der Ausbildung

Zwar ist eine große Mehrheit von Azubis zufrieden mit ihrer Ausbildung - doch der Anteil der Unzufriedenen wird von Jahr zu Jahr größer. So steht es im DGB-Ausbildungsreport. Außerdem bemängelt die Gewerkschaft fehlende Ausbildungsplätze - und die mangelnde Qualität der Ausbildung.

Von Gerhard Schröder, Hauptstadtstudio | 04.09.2014

Der Auszubildende Dominik Blöchl steht am 26.02.2013 in der Holzwerkstatt im Bildungszentrum Würzburg (Bayern) an einer Kreissäge.
Laut DGB kümmern sich viele Betriebe zu wenig um die Qualität der Ausbildung. (David Ebener / dpa)
71 Prozent der Azubis sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Das sei erfreulich, sagt Florian Haggenmiller, der Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB, könne aber nicht über die nach wie vor großen Schwierigkeiten auf dem Ausbildungsmarkt hinweg täuschen. Größtes Problem, so Haggenmiller: Viele Jugendliche finden überhaupt keine Lehrstelle:
"Der hohe Anteil von jungen Menschen in Warteschleifen oder sonstigen mehr oder weniger freiwillig gewählten Alternativen ist unerträglich aus unserer Sicht. Wir brauchen daher dringend eine gesetzliche Ausbildungsgarantie, die sicherstellt, dass Ausbildungsinteressierte, egal welchen Schulabschluss, sozialen, ethischen oder sonstigen individuellen Hintergrund sie haben, eine faire Chance und einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsplatz bekommen."
Ein Drittel ging leer aus
Nach Angaben des DGB gingen im vergangenen Jahr ein Drittel der Ausbildungsinteressierten leer aus. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende August noch 102 000 Bewerber ohne Lehrstelle. Gleichzeitig klagt die Wirtschaft immer lauter, sie finde keine geeigneten Bewerber. Das Handwerk meldete zuletzt 24 000 offene Stellen, bei Industrie und Handel sollen noch 75 000 Ausbildungsplätze unbesetzt sein. Die Arbeitgeber beklagen die mangelnde Ausbildungsreife vieler Bewerber. Es liegt an der Qualität der Ausbildung, kontert der Gewerkschafter Haggenmiller. Nachwuchsprobleme hätten vor allem die Branchen, die sich nicht ausreichend um die Jugendlichen kümmerten:
"Es kann doch niemanden ernsthaft verwundern, dass miserable Ausbildungsbedingungen Auswirkungen haben. Die jungen Menschen stimmen, das stellen wir fest, wo sie können mit den Füßen ab und machen einen Bogen um diese Berufe. Statt über unbesetzte Stellen und einen Fachkräftemangel zu klagen, sollten diese Betriebe lieber eine gute Ausbildung mit professionellen Rahmenbedingungen bereitstellen."
Eine junge Köchin bei der Arbeit
Besonders unzufrieden mit ihrer Ausbildung sind laut DGB-Report angehende Köche. (dpa / picture-alliance / Jens Büttner)
Viele brechen die Ausbildung ab
Geringe Ausbildungsvergütung, viele Überstunden, schlechte Betreuung – das monierten die Jugendlichen laut DGB-Ausbildungsreport am häufigsten. Die Folge: Viele brechen die Ausbildung ab. Fast jeder vierte Ausbildungsvertrag wurde im vergangenen Jahr vorzeitig aufgelöst. Betroffen, so Haggenmiller, sind Branchen, die seit Jahren in der Kritik stehen: das Hotel- und Gaststättengewerbe, Teile des Handwerks, der Handel:
"Die Betriebe haben es selbst in der Hand. Wer Fachkräfte für die Zukunft sichern will, muss sich an die eigene Nase fassen und bei der Ausbildungsqualität ansetzen."
Schärfere Kontrollen gefordert
Die Betriebe müssen mehr tun. Und der Staat muss schärfer kontrollieren, fordert Haggenmiller. Viele Betriebe hielten nicht einmal die Jugendschutzgesetze ein, kritisierte der Gewerkschaftssekretär:
"Erschreckend sind sowohl die Zahlen, aber auch, dass den Verstößen kaum nachgegangen wird. Es mangelt an notwendigen Kontrollen der Betriebe und der Zahl der Kontrolleure. In manchen Bundesländern gibt es sogar inzwischen die Anweisung, dass nur dann kontrolliert wird, wenn es zuvor eine Klage gegeben hat."
Aber viele Betriebe ersparen sich die Mühen der Ausbildung inzwischen ganz. Nur noch jedes fünfte Unternehmen in Deutschland hat im vergangenen Jahr Jugendliche ausgebildet, das, so Haggenmiller, sei der niedrigste Stand seit 20 Jahren. Die wenig überraschende Folge: Auch die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt, 2013 auf 530.000. Auch das, so Haggenmiller, sei ein neuer Tiefstand.