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StartseiteDeutschland heuteAfD klagt gegen Hofbräukeller10.05.2016

AusgeladenAfD klagt gegen Hofbräukeller

Ein Auftritt von AfD-Chefin Frauke Petry - das passt dem Wirt des altehrwürdigen Münchner Hofbräukellers überhaupt nicht. Vergangene Woche kündigte er an, eine Reservierung der AfD in seinem Haus abzusagen. Die AfD sieht sich gemobbt und hat eine einstweilige Verfügung eingereicht.

Von Susanne Lettenbauer

Die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry auf dem Parteitag in Stuttgart (1.5.2016). (dpa / picture alliance / Marijan Murat)
AfD-Chefin Frauke Petry wollte eigentlich in dieser Woche im Hofbräukeller einen Vortrag halten. (dpa / picture alliance / Marijan Murat)
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"Ja mei, ich weiß auch nicht. Wir leben nun mal in einer Demokratie und da muss man da mit leben, ich denke, künstlich irgendwas zu vermeiden ist auch nicht sinnvoll."

Der junge Mann auf dem Wiener Platz vor dem Hofbräukeller ist in diesen Tagen nicht der einzige, der sich die Frage stellt: War es richtig, dass Wirt Friedrich Steinberg die AfD ausgeladen hat? Oder hätte er die Veranstaltung gar nicht erst an die große Glocke hängen sollen? Jetzt weiß davon ganz München. Und die AfD gibt gern Interviews zu der Absage, sieht sich als Opfer einer Kampagne. Denn - es besteht ein bindender Vertrag seit Ende April, unterschrieben von beiden Seiten. Genau das irritiert die Münchner an der späten Absage:

"Ich finde es richtig, aber dann verstehe ich nicht, dass sie vorher einen Vertrag gemacht haben, da wären sie ja gekommen, jetzt kommen sie eben nimmer, da passt was nicht zusammen, das widerspricht sich."

Wirt will keine chaotischen Zustände

Beim Hofbräukeller gibt man sich sehr bedeckt. Mehr als die Äußerung, man wolle keine rechte Gesinnung im Haus, wie es gegenüber der Süddeutschen Zeitung geäußert wurde, gibt es nicht. Die übergeordnete Hofbräu Brauerei, die dem Freistaat gehört, wird da deutlicher, aber auch nicht vor dem Mikro.

Der Wirt, so Stefan Hempl, Sprecher vom Hofbräu, wolle nach den massiven Ausschreitung in Stuttgart beim AfD-Parteitag keine ähnlich chaotischen Zustände vor dem Haus und dem Biergarten. Von der angekündigten Gegendemonstration wolle er sich nicht die Gäste vertreiben lassen. Nicht an einem Freitag und nicht kurz vor Pfingsten. Die kurzfristige Absage habe ausschließlich wirtschaftliche und keine politischen Gründe.

Für AFD Landeschef für Bayern Petr Bystron klingt das ganz anders. Ihm spielt die Absage nur in die Hände. Denn jetzt steht die AfD als Opfer da. Und der Wirt wird auch als Opfer zelebriert:

"Die Wirte tun mir leid, sie werden politisch unter Druck gesetzt, dass sie mit uns als Partner, mit denen sie langfristig guten Erfahrung als Partner haben jetzt möglichst keine Veranstaltung mehr machen und das ist ein Ausdruck davon."

Die Altparteien, so Petr Bystron, gebürtig aus Tschechien, würden vom Stadtrat aus gegen die AfD agieren. Sie würden in Panik geraten, weil die AfD so großen Zulauf erhält, so der bayerische AfD-Landeschef:

"Ja da sind schon sehr viele Veranstaltungen gewesen, da gibt es Stammtische, da waren im Laufe der letzten drei Jahre viele Veranstaltungen und es gab noch keine Probleme mit Gästen und Veranstaltern oder dergleichen."

Petry-Vortag mit Diskussion

Worum geht es eigentlich? Am kommenden Freitag sollte Frauke Petry in einer öffentlichen Veranstaltung einen Vortrag halten, eingeladen hat der AfD-Kreisverband München Ost. Der Vortrag richtete sich an alle Interessierten, wie immer bei diesen Veranstaltungen. Danach sollte diskutiert werden: über das neue Bundesparteiprogramm, über die Zukunft, über Deutschland und bestimmt auch Europa und die Welt.

"Ach wir sind da wirklich gelassen. Es gibt viele freie Wirte, die können sich jetzt bei uns bewerben, wenn sie uns einen alternativen Standort anbieten wollen, aber wir sprechen jetzt erstmal mit dem Wirt. Wir prüfen natürlich auch die juristischen Möglichkeiten und dann schauen wir was wir machen."

Ganz so gelassen zeigt sich die AfD jetzt nicht mehr. Sie hat heute Klage eingereicht beim Münchner Landgericht, denn es gab einen Vertrag und eine Anzahlung von 6100 Euro, die der Wirt mittlerweile zurückerstattet hat.

"Hitler hat dort seine Reden geschwungen"

Micky Wenngatz vom Verein "München ist bunt" sieht die für Freitag angemeldete Gegen-Demonstration als eine normale Protestkundgebung, um gegen deren Rassismus zu protestieren. Man geben der AfD damit natürlich die Möglichkeit, sich in eine Opferrolle hineinzuinterpretieren. Aber deshalb die Kritik verschweigen?

"Wir müssen ja bedenken, was das für ein Ort ist. Also Hitler hat dort ja auch seine Reden geschwungen und nicht nur einmal und von dem her glaube ich einfach ist es gut und richtig, dass der heutige Wirt der AfD abgesagt hat."

Man würde auch vor jedem anderen Versammlungsort gegen die AfD demonstrieren, betont Wenngatz. Dass die AfD sich aber gerade den historisch belasteten Hofbräukeller ausgewählt hat, habe doch Methode. Man könne schon gewisse Parallelen zu den Nationalsozialisten vor jetzt fast 100 Jahren ziehen:

"Das ist schwierig, ich glaube eine Basis wäre schonmal da und die AfD bricht wirklich Woche für Woche neue Tabus, geht immer noch mal einen Schritt weiter. Selbst wenn sie heute noch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werden, weil sie clever genug sind, sich mit ihren Äußerungen zurückzuhalten, aber die Tendenz, finde ich, ist schon sehr klar sichtbar."

Begründung des Wirts wird angezweifelt

Die Begründung vom Hofbräukeller, man habe der AfD absagen müssen, um seine Gäste vor der Antifa-Demonstration und womöglich Ausschreitungen von Linksextremen zu verhindern, sieht sie als Notnagel des Wirtes. Politisch dürfe er sich ja nicht äußern, da eine Wirtschaft für alle Bürger offen sei, die nicht als rechts- oder linksextrem bekannt sind.

Vor dem Hofbräukeller auf dem Wiener Platz sitzt ein erkennbar aus München stammender Mann in der Sonne und liest die Lokalzeitung. Seine Meinung ist klar:

"Ich finde es ganz gut, dass der Wirt das jetzt abgesagt hat. Denn das ist eine Traditionsgaststätte und da hat die AfD nichts verloren. Das ist boarisch. Die Stammgäste sind schon so verärgert, das war richtig, dass sie es abgesagt haben. Eine rechte Partei hat da in so einer Traditionswirtschaft nichts verloren."

 

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