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StartseiteCampus & KarriereHohe Studiengebühren schrecken ab19.09.2018

Ausländische Studierende in Ba-WüHohe Studiengebühren schrecken ab

Universitäten im ländlichen Raum von Baden-Württemberg stehen bei deutschen Studierenden oft nicht hoch im Kurs. Ganz anders sieht das bei jungen Menschen aus Indien oder Afrika aus. Doch das Bundesland erhebt hohe Gebühren für Studierende aus Nicht-EU-Staaten - und hält sie damit ab.

Von Thomas Wagner

Zwei Studierende unterschiedlicher Nationalität aud einer Wiese (imago / JOKER/ Ulrike E. Klopp)
Als einziges Bundesland erhebt Baden-Württemberg Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Staaten (imago / JOKER/ Ulrike E. Klopp)
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"Spätzle? Yes, I tried it, but to less spicy, I got a little problem with it."

Schwäbische Spätzle zum Studienauftakt an der Hochschule Ravensburg-Weingarten: Die waren einer indischen Studentin* eindeutig viel zu wenig scharf gewürzt. Die junge Frau ist eigentlich im indischen Nagpur zuhause. Doch nun beginnt sie in Oberschwaben ihr Master-Studium in Elektro-Technik. Und die Qualität der Ausbildung macht das fehlende Curry in den schwäbischen Spätzle mehr als wett. Denn:

"Bei uns in Indien ist die Ausbildung eher theoretisch ausgerichtet – ganz im Gegensatz zu Deutschland: Gerade hier ist alles viel stärker auf die Praxis zugeschnitten: Hier lernt man eben, wie die Dinge in der praktischen Anwendung funktionieren – und nicht nur Theorie. Das ist der Hauptunterschied zwischen dem indischen und dem deutschen Ausbildungssystem."

Einführungswoche bietet nicht nur Sightseeing

Rundgang im Zeppelin-Museum Friedrichshafen – einer von mehreren Programmpunkten während der Einführungswoche für die rund 70 jungen Frauen und Männer aus dem Ausland, die ab dem Wintersemester an der Hochschule Ravensburg-Weingarten studieren. Dabei geht es nicht nur um Sightseeing.

"Ich mache ein Einführungsseminar. Das ist dann eher theoretisch. Da geht’s es um die vielen Dos and Don'ts. Das sind unausgesprochene Regelungen. Wir erklären die Erwartungen, damit das Zusammenleben auch funktioniert", so Ramona Herrmann vom "International Office" der Hochschule Ravensburg-Weingarten.

Die hat sich von der Ingenieurschule zur Hochschule für angewandte Wissenschaften mit Schwerpunkten auf Technik, Wirtschaft und Soziales entwickelt. Die Größe mit knapp über 3.000 Studierenden ist eher überschaubar. Gleichwohl müssen gerade Studierende aus Indien, der Türkei, Serbien und Mexiko, die sich dort eingeschrieben haben, tief in den Geldbeutel greifen.

Denn Baden-Württemberg erhebt für ausländische Studierende aus Nicht-EU-Ländern als bislang einziges Bundesland eine Studiengebühr von 1.500 Euro pro Semester – ein ganz schön dicker Batzen, findet die Studentin* aus dem indischen Nagpur:

"Das ist ganz schön schwierig hier. Denn auch die Lebenshaltungskosten für uns in Deutschland sind sehr hoch. Nun sind meine Eltern auch meine Sponsoren – aber auch für die ist das richtig schwierig."

Studiengebühren schrecken Studierende aus Afrika ab

"Inder müssten auch in Indien bezahlen. Für sie ist das ganz normal, Studiengebühren zu bezahlen", erklärt Ramona Herrmann vom International Office den Umstand, dass gerade Inder die größte nationale Gruppe unter den neuen Studierenden aus dem Ausland stellen – trotz Studiengebühren. Nur: Interessenten aus anderen Ländern lassen sich, so die Beobachtung in Oberschwaben, schon eher abschrecken:

"Studierendenanteile aus Afrika oder anderen Ländern gehen deutlich zurück. Wir merken das vor allem im Bachelor-Bereich. Oder wir stellen fest, dass viele kommen, hier beginnen und dann, wenn sie eine Zusage für eine Hochschule in einem anderen Bundesland haben, dann dorthin abwandern. Weil diese Studiengebühren leider nur in Baden-Württemberg erhoben werden."

Dabei wollen gerade viele der Inder, die in Oberschwaben studieren, nach ihrem Abschluss erst einmal in Deutschland bleiben, dort Erfahrungen sammeln, beispielsweise als Ingenieur. Nishal Nishra aus dem indischen Kolkata beginnt an der Hochschule Ravensburg-Weingarten gerade ein Masterstudium in Elektrotechnik:

"Zwei, drei Jahre möchte ich hierbleiben, arbeiten – und dann nach Indien zurückgehen."

Wie viele Landesleute, weiß Ramona Herrmann vom International Office. Trotz Studiengebühren hofft sie, dass die Beliebtheit der Hochschule Ravensburg-Weingarten bei Studierenden aus dem Ausland auch in Zukunft anhält.

"Wir sind klein. Wir sind eine Hochschule im ländlichen Raum. Die Zahlen der deutschen Studierenden gehen zurück. Das ist kein Geheimnis. Und damit so eine Hochschule in Zukunft bestehen kann, muss man sich auch nach außen öffnen."

Anmerkung der Redaktion: Auf Wunsch der Interviewpartnerin wurde an dieser Stelle ihr Name entfernt. Das Audio des Beitrages wurde gelöscht.

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