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Auslandsschuljahr
Früher USA - heute China

Ein Auslandsaufenthalt in den USA ist immer noch bei vielen deutschen Schülern beliebt. Seit den 70er-Jahren können solche Reisen durch das "German American Partnership Program" gefördert werden. Doch mittlerweile sind auch Indien und China populäre Länder bei Austauschschülern.

Von Ursula Mense | 10.07.2014

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China ist bei vielen deutschen Schülern das Land der Wahl für einen Auslandsaufenthalt. (picture-alliance / dpa / Chinafotopress)
"Ich hatte total Spaß, für mich war es meine erste Zeit in Amerika und ich möchte auf jeden Fall wieder dahin. Wir waren ja echt jeden Tag in der Schule, das war auch sehr spannend dort. Ich finde, dass das eine gute Lebenserfahrung für jedermann ist, die Lehrer sind ziemlich locker mit den Schülern umgegangen, man lernt einfach total viele neue Sachen kennen, und ansonsten, finde ich, wird man auch selber reifer und erwachsener."
Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums im Berufskolleg Bonn-Duisdorf. Vom 31. März bis zum 21. April waren sie in diesem Jahr in Arizonas Hauptstadt Phoenix in den USA. Drei Wochen lang haben sie dort in Familien gelebt, den American Way of Live kennengelernt und in einer Highschool am Unterricht teilgenommen. Manches war anders dort, sagt Johannes:
"Dann werden viele Vorurteile bestätigt oder sie werden auch nicht bestätigt, zum Beispiel dass die Amis viele große Autos fahren."
Oder, wie Sarah ergänzt:
"Der Matheunterricht, den fand ich viel leichter dort."
Auch die Freizeitgestaltung ist ungewohnt, aber cool, sagt Corinna:
"Bei Partys: Das ist einfach nur laute Musik, im Pool schwimmen, Cola trinken und Pizza essen."
Sprache vertiefen und Land kennenlernen
Für die meisten der 17 bis 19 Jahre alten Jugendlichen war es der erste Trip über den großen Teich. Dabei eignet sich ein Austausch deshalb besonders gut, weil er den Schülerinnen und Schülern die Chance gibt, nicht nur ihr Englisch zu vertiefen, sondern auch das Gastland intensiver als nur aus der Touristenperspektive kennenzulernen.
Im Rahmen des sogenannten GAP Programms - "German American Partnership Program" wie es korrekt heißt, unterstützt der Pädagogische Austauschdienst (PAD) im Sekretariat der Kultusministerkonferenz den deutsch-amerikanischen Schüleraustausch mit Geldern vom Auswärtigen Amt. Dabei bekommen in erster Linie die mitreisenden Lehrer einen Zuschuss zur Dienstreise, die Austauschschulen in den USA erhalten Geld und auch die deutschen Schüler, sagt der Leiter des PAD in Bonn, Gottfried Böttger:
"Das sind immer wirklich nur Anteile an den Flugkosten, die zum Teil bei 100 Euro anfangen und bis zu 200 gehen können. Also den Großteil der Flugkosten müssen immer noch die Eltern tragen."
Er begrüßt, dass die meisten Schulen deshalb zusätzlich ihre Fördertöpfe öffnen. Damit auch Jugendliche mitreisen, deren Eltern die Kosten nicht tragen können. Das GAP Programm gibt es schon seit den 70er-Jahren. Es sollte seiner Zeit vor allem dazu dienen, Deutschland und seine Sprache populärer zu machen. Deshalb war es erwünscht, dass amerikanische Schüler teilnahmen, die Deutsch in der Highschool lernten.
Südasien: Neues Ziel für Austauschschüler
Inzwischen steht aber der kulturelle Austausch im Vordergrund. Außerdem wird besonders gefördert, wenn die Schüler gemeinsam historische, geografische oder politische Projekte bearbeiten. Mittlerweile hat der PAD die Palette der Länder mit Schüleraustauschprogrammen stark ausgeweitet, vor allem Richtung Osten:
"Wir haben ein Ost-Mittel-Europa Programm, bei dem wir auch nur die Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland fördern. Und wir haben seit 2008 dieses Programm 'Partner Schulinitiative PASCH' – partnerschulen der Zukunft. Seitdem fördern wir eigentlich Schulpartnerschaften weltweit. Südasien ist ein Schwerpunkt, Indien, China sind hinzugekommen und sehr interessante Regionen geworden. Was vor 20 - 30 die USA waren, sind jetzt diese Länder!"
Dass immer mehr deutsche Schüler zum Beispiel chinesisch lernen, ist ein Aspekt. Offenbar werden die Angebote aber auf beiden Seiten beliebter. Gottfried Böttger:
"Wir haben da 2008 zum Beispiel angefangen, mit 165 chinesischen Teilnehmern, aber doch schon mit 612 deutschen und jetzt haben wir im letzten Jahr 827 Chinesen, die nach Deutschland kamen, und 859 Deutsche, die nach China fuhren."
Vor dem Hintergrund der verkürzten Gymnasialzeit, die ein Auslandsjahr während der Schulzeit schwieriger gemacht hat, erfüllt der Schüleraustausch aber auch noch einen anderen Zweck:
"Weil die Austauschbegegnungen ein niederschwelliges Angebot sind, ein Einstieg in eine internationale Erfahrung, wo bestimmte Schwellenängste überwunden werden, wo aber auch die Möglichkeit besteht, Erfahrung zu machen in einem anderen Land und dann sagt, och, das reizt mich jetzt mal länger auszuprobieren, auch für mich individuell."