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Ausstellung über Jackson Pollock
Der Mythos vom Verspritzen der eigenen Seele

Das Museum of Modern Art in New York zeigt einen Gesamtüberblick über das Werk von Jackson Pollock. Die Ausstellung zeigt sehr schön, wie er es nach und nach schaffte, mit seinen Werken ein eigenes Universum zu schaffen.

Von Sacha Verna | 29.11.2015
    Jackson Pollock vor seinem Werk "Self Portrait". Jackson Pollock gehörte zu den wichtigsten Malern des 20. Jahrhunderts und etablierte eine eigenständige amerikanische Kunst.
    Jackson Pollock vor seinem Werk "Self Portrait". Jackson Pollock gehörte zu den wichtigsten Malern des 20. Jahrhunderts und etablierte eine eigenständige amerikanische Kunst. (picture alliance / dpa)
    Eines der größten und in den Augen vieler eines der wichtigsten Werke von Jackson Pollock trägt den Titel "One: Number 31, 1950". Es bildet den Höhepunkt der Pollock-Blütenlese im New Yorker Museum of Modern Art und ist ein Paradebeispiel für die sogenannte Drip-Technik, mit der die Ikone des abstrakten Expressionismus berühmt geworden ist: Eine Leinwand voller schwarzer und weisser Farbspritzer und –flüsse, die 2,7 mal 5,3 Meter misst.
    Pollock habe sich selber und seine Arbeiten immer bis zum Äußersten getrieben, sagt die Kuratorin Starr Figura. Was die Dimensionen dieses Bildes betrifft, ist das wörtlich zu verstehen:
    "Es entstand in der Scheune in East Hampton auf Long Island, die Pollock zum Studio umgebaut hatte. Die Leinwand war nur ein bisschen kleiner als der Boden der Scheune, auf der er sie ausgebreitet hatte. Und damit die größte, die er in seinem Studio überhaupt bearbeiten konnte."
    "One: Number 31" entstand sechs Jahre vor Jackson Pollocks Tod 1956 Die vier Dutzend übrigen Werke in dieser Ausstellung gehen bis zu Anfängen des Künstlers Mitte der 1930er-Jahre zurück.
    Zunächst Darstellung von fegefeuerartigen Szenen
    Als knapp 20-Jähriger versuchte sich Pollock zunächst mit der Darstellung fegefeuerartiger Szenen. Darin scheinen Figuren gegen ihre eigenen Umrisse anzukämpfen - ohne befriedigendes Resultat. Gestalten und Gegenstände sind auch auf den Arbeiten aus den frühen 1940er-Jahren zu erkennen, aber Pollock hatte begonnen, sie mit einem Spinnennetz aus Linien zu überziehen, unter denen sie beinahe verschwinden. Und dann, nur wenige Jahre später, ist plötzlich nur noch das Gewebe aus Farbe da: Muster aus Tropfen und Rinnsalen, die Pollock erzielte, indem er Stöcke in Farbkübel eintauchte und über die vor ihm auf dem Boden liegende Leinwand dirigierte. Starr Figura:
    "Er hat stets experimentiert und auf den Arbeitsprozess an sich wert gelegt. Er hat immer wieder neue Techniken ausprobiert, um seine Kreativität voranzutreiben und zu einer neuen Ästhetik zu finden."
    Methodik der Arbeiten wird sichtbar
    Im Zusammenhang mit Jackson Pollock werden gerne die inneren Dämonen beschworen, die der Künstler in seinem Werk zum Ausdruck gebracht haben soll. Seine Seele, nicht Industriefarben soll er verspritzt haben, wenn er wie in Trance um eine weiße Fläche herumtanzte, die er mit tropfendem Farbstock entjungferte. Das ist die Hollywood-Version. Pollock wurde bereits zu Lebzeiten mythologisiert. Seine eindrücklichsten Arbeiten sind jedoch frei von Schmalz.
    Diese konzentrierte Ausstellung ermöglicht es einem, die Methodik zu sehen, mit der er vorging. Es lässt sich darin verfolgen, wie die verkrampften Verschnitte aus C.G. Jung-Illustrationen und Picasso zu Werken führten, die den Betrachter umgeben wie ein eigenes Universum. Und es wird deutlich, dass selbst dem expansiven Schaffen dieses Künstlers manchmal Scheunenwände Grenzen setzten.
    Ausstellungsinfo:
    Museum of Modern Art: "Jackson Pollock: A Collection Survey, 1934-1954"
    bis 13. März 2016